Nationalspieler Jimmy Durmaz Schwedens Sündenbock

Sein Foul an Timo Werner führte zum entscheidenden Freistoß: Schwedens Nationalspieler Jimmy Durmaz war nach dem Spiel einem rassistischen Shitstorm ausgesetzt. Seine Mitspieler stellten sich vor ihn.

Jimmy Durmaz (l.) und Sebastian Larsson ( r.)
AFP

Jimmy Durmaz (l.) und Sebastian Larsson (r.)


Der schwedische Fußballspieler Jimmy Durmaz hat nach seinem Foul in letzter Minute im Gruppenspiel gegen Deutschland zahlreiche Drohungen und teils rassistische Beleidigungen erhalten. Insgesamt seien fast 3000 Kommentare unter einem Instagram-Foto gepostet worden, heißt es auf dem inoffiziellen Twitter-Account "Fifa World Cup updates".

Selbst Beleidigungen und Morddrohungen sollen demnach gegen den in der zweiten Hälfte eingewechselten Durmaz dabei gewesen sein. Toni Kroos hatte den nach dem Foul fälligen Freistoß in der Nachspielzeit zum 2:1-Siegtreffer für Deutschland verwandelt.

Angesichts der Angriffe verteidigten mehrere Teamkollegen ihrem Mitspieler mit türkischen Wurzeln. "Das ist daneben. Dass die Menschen nicht mehr Respekt haben, ärgert mich sehr und ist einfach nur peinlich", sagte der schwedische Mittelfeldspieler Emil Forsberg dem Sender SVT. "So etwas darf nicht vorkommen."

Albin Ekdal vom Hamburger SV sagte: "Es fällt kein Schatten auf Jimmy, es gibt nichts Böses über ihn zu sagen. Wir gewinnen als Mannschaft, und wir verlieren als Mannschaft." Pontus Jansson sprang Durmaz laut SVT ebenfalls zur Seite. "Jimmy ist ein Teil des Teams und des heutigen Tages." Er sei ein fantastischer Kerl und die meisten Schweden stünden hinter ihm. "Es ist nicht seine Schuld, dass wir heute verlieren", sagte Jannson den Angaben zufolge zum Profi des FC Toulouse.

Game day�������� #jd21 #beard #viärsverige

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Auch unter dem Instagram-Foto muss man inzwischen sehr weit zurückscrollen, um noch beleidigende Kommentare zu entdecken. Die meisten der dort kommentierenden Nutzer unterstützen Durmaz. Einer zog sogar den Vergleich zum einstigen schwedischen Superstar Zlatan Ibrahimovic, der ebenfalls einen Migrationshintergrund hat - und in einer Werbung für den Autokonzern Volvo vor ein paar Jahren pathetisch die schwedische Nationalhymne interpretierte.

Durmaz selbst reagierte auf die ganze Diskussion gelassen. "Das interessiert mich nicht", sagte der 29-Jährige, der Timo Werner an der Strafraumgrenze zu Fall gebracht hatte. "Ich stehe stolz hier und repräsentiere mein Land." Seinen Instagram-Post hatte er mit dem Hashtag #WirSindSchweden versehen.

apr/sid

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insgesamt 6 Beiträge
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permissiveactionlink 24.06.2018
1. Das Nationale kocht über,
die Solidarität kommt zu kurz (nicht bei den schwedischen Teamkollegen). Da könnte wir ohne weiteres negativ mithalten, und Boateng für seine Aktion mit der nachfolgenden und konsequenten (!) roten Karte rügen. Mit 11 Mann auf deutscher Seite wäre das Führungstor vielleicht viel früher gefallen. Und wenn es halbwegs gerecht zugegangen wäre, dann hätten die Schweden auch (wieder mit freundlicher Unterstützung durch Boateng) schon ganz am Anfang einen Elfmeter verdient, und wäre möglicherweise noch früher in Führung gegangen. Es ist doch nur ein Spiel, Leute ! Das mit dem Daumen am Hals vorbeiführen, weil man als Zuschauer mit der Leistung eines Gladiators nicht zufrieden war, gibt's schon seit 1700 Jahren nicht mehr. Zu Recht. Hey ! Bleibt locker Schweden ! Wir spielen besser Fussball, und Ihr macht die besseren Gardinen und Pornos ! ;-)
qgg100 24.06.2018
2. Absurd...
...wie eine ungeschickte Aktion bei einem solchen Unterhaltungsevent zu Morddrohungen führt. Es ist immer wieder beeindruckend wie sehr sämtliche Maßstäbe bei einigen Zeitgenossen verschoben zu sein scheinen. Die Welt ist politisch und gesellschaftlich in Teilen eine Horrorshow, und kaum einen kümmert's, wenn aber 22 "Kurzbehoste" einer Synthetikkugel hinterherjagen, führt es zu einem nahezu kollektiven Blackout. Jeder Fehlpass wird zu einem Staatsereignis, jedes Interview zu einer Verkündung und jeder noch so sinnlose "Tweet" wird zu einer Botschaft...man schämt sich manchmal schon ein wenig der Spezies anzugehören...
Horst aus Wien 24.06.2018
3.
Zitat von qgg100...wie eine ungeschickte Aktion bei einem solchen Unterhaltungsevent zu Morddrohungen führt. Es ist immer wieder beeindruckend wie sehr sämtliche Maßstäbe bei einigen Zeitgenossen verschoben zu sein scheinen. Die Welt ist politisch und gesellschaftlich in Teilen eine Horrorshow, und kaum einen kümmert's, wenn aber 22 "Kurzbehoste" einer Synthetikkugel hinterherjagen, führt es zu einem nahezu kollektiven Blackout. Jeder Fehlpass wird zu einem Staatsereignis, jedes Interview zu einer Verkündung und jeder noch so sinnlose "Tweet" wird zu einer Botschaft...man schämt sich manchmal schon ein wenig der Spezies anzugehören...
Diese Spezies ist halt, die Weltgeschichte betrachtend, erst vor ein paar Minuten vom Baum gestiegen um aufrecht herum zu laufen. Und jagt dann immer noch gerne im Rudel der Banane nach. Aber angesehen von solchen dummen rassistischen Nebengeräuschen wie hier beschrieben machts auch Freude dabei zu zu schauen.
allthetruth 24.06.2018
4. Die Schweden...
... fühlten dich nach dem Spiel so schwer beleidigt, sollten aber ihren eigenen Umgang mit der Mannschaft und dem Gegner mal überdenken. Sie haben vor dem Spiel gegen den Weltmeister den Mund etwas zu voll genommen und sind an ihrem eigenen Anspruch gescheitert. Punkt.
justtk 24.06.2018
5. Porsche schlägt Trabbi
Marktwert Deutschland: 883 Mill Marktwert Schweden: 119 Mill Sagen wir es so ... die normative Kraft des Faktischen hat gerade noch einmal gewirkt. Der Trabbi ist an der Kapazitätsgrenze gelaufen, der Porsche scheint ein paar Probleme am Getriebe zu haben, hat aber trotzdem gewonnen. Summa summarum müssen sich die Schweden nicht übermäßig ärgern, während die Deutschen das Ergebnis realistisch einordnen sollten.
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