DFB-Niederlage gegen Österreich Es hagelt Kritik

Die DFB-Elf ließ sich beim letzten Test vor der WM-Kadernominierung erst vom Wetter und dann von Österreich nass machen. Der Bundestrainer fand deutliche Worte: "Es hat sich niemand aufgedrängt."

Bongarts/Getty Images

Aus Klagenfurt berichtet


Joachim Löw hatte vor dem Testspiel gegen Österreich gesagt, das Ergebnis sei für ihn irrelevant. So musste sich der Bundestrainer zumindest nicht über das 1:2 ärgern, sondern nur darüber, wie diese Niederlage zustande gekommen war.

Damit hatte Löw allerdings auch genug zu tun. "Ich habe selten gesehen, dass meine Mannschaft so extrem viele Ballverluste hatte wie in diesem Spiel", eröffnete Löw ohne Umschweife seine Kritik. Das Team habe nach der frühen 1:0-Führung durch Mesut Özil die Partie unter Kontrolle gehabt und sie dann "leichtfertig aus der Hand gegeben".

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Testspiel in Klagenfurt: Österreichs historischer Sieg

Dass seine Spieler mit der Führung im Rücken mehrfach die Chance auf einen Konter zum 2:0 gehabt und vertändelt hatten, ärgerte Löw dermaßen, dass er dies in der anschließenden Pressekonferenz gleich vier Mal ansprach. "Die laufen in Überzahl auf den Torwart zu und kommen noch nicht mal zu einem Abschluss."

"Ballverluste im Minutentakt"

Nun soll man Testspiele vor einem Turnier nicht allzu ernst nehmen, und auch die Verärgerung setzt Löw zuweilen durchaus kalkuliert ein, um in Richtung Öffentlichkeit ein Signal zu setzen. Aber in diesem Fall schien der Bundestrainer nach zuvor zehn weitgehend störungsfrei verlaufenen Tagen der Vorbereitung im Trainingslager doch überrascht, wie wenig sein Team von den Vorgaben umzusetzen imstande war. "Ballverluste im Minutentakt", hatte Löw gesehen.

Ob Sebastian Rudy, Leon Goretzka oder Nils Petersen: Gerade von den Akteuren aus der zweiten Reihe, die solche Spiele als letzte Chance nutzen müssten, um sich noch für das Aufgebot zu empfehlen, war wenig zu sehen. Es war so ein Spiel, das deutlich machte, wie wichtig die Routiniers in dieser Mannschaft immer noch sind: Thomas Müller, Mats Hummels, Toni Kroos, die allesamt fehlten, ebenso wie Sami Khedira, der nur eine Halbzeit spielte und dessen Absenz danach deutlich spürbar war.

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Deutschland in der Einzelkritik: Brandt empfiehlt sich, Petersen nicht

Von den Feldspielern - und davon setzte der Coach bei fünf Wechseln immerhin 15 ein - "hat sich niemand aufgedrängt", formulierte Löw ziemlich gnadenlos. Und benutzte sehr bewusst das Wort Feldspieler. Damit auch niemand von der Presse überhaupt auf die Idee kommen solle, er schlösse seinen Torwart mit ein.

Spiel stand vor der Absage

Schließlich ruhten alle Augen an diesem Abend von Klagenfurt auf der Nummer eins, auf Manuel Neuer, der nach neunmonatiger Verletzungspause sein erstes Spiel auf Wettkampfniveau absolvierte. Auch der Bayern-Torwart konnte die Niederlage nicht verhindern, zeigte aber immerhin ein, zwei gute Paraden. Überragend war Neuers Leistung nicht, aber wer hätte das auch erwartet?

"Ich war absolut zufrieden mit dem, was ich von ihm gesehen habe", sagte Löw, der sich sehr früh im Trainingslager auf Neuer als deutsche Nummer eins festgelegt hatte. Insofern konnte der Bundestrainer jetzt natürlich auch nicht gegen seine eigene Entscheidung anreden. Neuer sei "schon wieder reaktionsschnell" gewesen. Das Comeback des Torwarts sei gelungen.

Dass er überhaupt spielen konnte, hatte dabei zeitweilig auf der Kippe gestanden. Was ausnahmsweise nicht am Fuß des Torwarts lag, sondern am Wetter. Kurz vor dem geplanten Anpfiff hatten sich in Kärnten alle Schleusen geöffnet, Hagel, Starkregen, Gewitter, Windböen, alles war dabei. Das Spiel stand ganz kurz vor der Absage.

"Wir wollten dieses Testspiel unbedingt", sagte Löw und gleichzeitig "natürlich alles vermeiden, um ein Verletzungsrisiko der Spieler zu erhöhen". Also wurden die Spieler zweimal zum Aufwärmen rausgeschickt und jeweils pitschnass wieder in die Kabine geholt. Dort hieß es warten und noch einmal warten, bevor die Partie dann doch mit 100-minütiger Verspätung über die Bühne gehen konnte.

"Am Wetter und an den Platzbedingungen hat es nicht gelegen", suchte Löw keine Ausrede, warum seine Nationalspieler anschließend wie begossene Pudel vom Platz trotteten. Im Zusammenspiel lief vor allem in der zweiten Halbzeit wenig bis nichts zusammen, die Außenverteidiger Jonas Hector und Joshua Kimmich produzierten Fehler am Stück, beide können heilfroh sein, dass sie für den Kader gesetzt sind.

Am Sonntag kommt die Bundeskanzlerin nach Eppan zur Mannschaft, am Montag muss Löw dann vier Spieler aus dem 27er-Kader verabschieden. Nach der Vorstellung von Samstag hat sich seine Auswahl, welche Spieler möglicherweise verzichtbar sind, jedenfalls nicht verkleinert.

Löw wäre allerdings nicht er selbst, wenn er nicht noch angefügt hätte: "In zwei Wochen wird die Mannschaft ganz anders präpariert sein. Wegen dieses Spiels mache ich mir jetzt keine schlaflosen Nächte." Bisher hatte er mit solchen Sätzen meistens recht. Eine Garantie gibt es darauf aber nicht.

Österreich - Deutschland 2:1 (0:1)
0:1 Özil (11.)
1:1 Hinteregger (53.)
2:1 Schöpf (69.)
Österreich: Siebenhandl - Prödl, Dragovic, Hinteregger - Lainer, Baumgartlinger, Zulj (88. Kainz), Alaba - Schöpf (76. Bauer), Grillitsch (79. Ilsanker) - Arnautovic (84. Burgstaller)
Deutschland: Neuer - Kimmich, Rüdiger, Süle, Hector - Khedira (46. Rudy), Gündogan (56. Goretzka) - Brandt (67. Werner), Özil (76. Draxler), Sané (67. Reus) - Petersen (76. Gomez)
Schiedsrichter: Kralovec
Zuschauer: 29.200

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transsib_reisen 03.06.2018
1. so wird das nichts!
Was Gündogan und Sané abgeliefert haben, war schon Arbeitsverweigerung. Was Petersen, ich habe gar nichts gegen den Mann, in der Weltmeistermannschaft verloren hat, verstehe ich nicht. Werner ist 2 Klassen besser. Überdeutlich: Ohne Kroos UND Khedira geht gar nichts nach vorne! Was Gündogan, Sané, Brandt, Rudy, Petersen, Süle in der Mannschaft des -immerhin- Titelverteidigers zu suchen haben, verstehe wer will. Insbesondere Gündogan und Sané verstolperten so gut wie jeden Ball und Petersen hatte in 30 Minuten ganze 3 Ballkontakte. Diese sechs Spieler haben sich die Note 6 verdient.
ulisses 03.06.2018
2. Ter Stegen
Was muss ein Torwart eigentlich noch alles leisten, um als Nummer Eins ins WM-Turnier zu gehen? Champions League, Landes-Meister, Stammtorhüter in einer der besten Mannschaften...ein moderner Spielstil mit viel Können und Sicherheit im Fuß für das Passspiel mit den Abwehrspielern. Ja, das trifft nicht nur auf Neuer zu, sondern auch auf TER STEGEN. Letzterer ist fit, in Form und hat eine starke Saison hinter sich gebracht. Das kann man von Neuer nicht sagen.
labuday 03.06.2018
3. tja Löw - jetzt tritt zutage, was du wirklich kannst, wenn du
KEINEN Papst (Götze) in der Tasche hast. Ich bin überhaupt nicht davonüberzeugt, daß mit den "Leistungsträgern" das Spiel besser verlaufen wäre - die sind alle 4 JAhre älter und hüftsteifer geworden und wahrscheinlich noch etwas schlechter als bei der EM vor 2 Jahren. Löw ist nicht Zidane - der hat auf dem Höhepunkt clevererweise abgedankt - aber nicht Löw, der ist wirklich der Meinung, daß er ie WM geholt hatte.
hobbyschwoab 03.06.2018
4.
Ich hatte mich schon seit längerem gefreut, endlich wieder WM. Es begann die Vorbereitungszeit und dann so viele "Nebengeräusche", die aufs einfachste abgetan werden. Da ist die Geschichte Özil / Gündogan die einfach peinlich durchgewunken wird, oder gar muss weil Löw von der gleichen Agentur wie die beiden vertreten wird. Ein Ter Stegen bringt Topleistung in einer europäischen Topmanschaft , ihm wird einfach ein davor dauerkranker vor die Nase gesetzt und dann die Wagner Geschichte. Löw seine Ruhe vor dem gestrigen Spiel könnte man auch als Überheblichkeit bewerten. Diese ganzen Vorfälle registriert die Mannschaft ebenso und ziehen ihre Schlüsse daraus. Die Mannschaft gestern war keine geschlossene Einheit wie die 2014'er Einheit. Meine Prognose: Mit Ach und Krach durch die Vorrunde und im Achtelfinale ist Schicht im Schacht. Dort treffen wir auf einen von Gruppe E und in der ist Brasilien. Neuauflage 2014 mit Rachedurst ???
Frundsberg 03.06.2018
5. "I werd narrisch"
Zitat von transsib_reisenWas Gündogan und Sané abgeliefert haben, war schon Arbeitsverweigerung. Was Petersen, ich habe gar nichts gegen den Mann, in der Weltmeistermannschaft verloren hat, verstehe ich nicht. Werner ist 2 Klassen besser. Überdeutlich: Ohne Kroos UND Khedira geht gar nichts nach vorne! Was Gündogan, Sané, Brandt, Rudy, Petersen, Süle in der Mannschaft des -immerhin- Titelverteidigers zu suchen haben, verstehe wer will. Insbesondere Gündogan und Sané verstolperten so gut wie jeden Ball und Petersen hatte in 30 Minuten ganze 3 Ballkontakte. Diese sechs Spieler haben sich die Note 6 verdient.
Sie schreiben puren Unsinn, das muss ich leider drastisch formulieren. Gündogan und Khedira wurden zur Halbzeit ausgewechselt, das sah man dann in der 2. Halbzeit das pure Chaos. Und wen juckt es? Niemand! Freundschaftsspiele der deutschen Nationalmannschaft waren unter Löw noch nie Stunden der Freude. Ansonsten wird diese Mannschaft so nie wieder spielen. Glückwunsch an die österreichischen Nationalspieler, die unter dem in Mainz geborenen Franco Foda ihren 5. Sieg feierten. Schön das die Kollegen aus der Bundesliga mit österreichischem Pass so ihren Kollegen mit deutschem Pass in der Bundesliga und anderen Ligen gezeigt haben, wie man kämpft. " I werd narrisch"
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