Zu viele Gelbe Karten Fair-Play-Regel kostet Senegal das Achtelfinale

Ist das wirklich fair? Mit Senegal ist die letzte afrikanische Mannschaft bei der WM ausgeschieden - weil im Vergleich mit Japan eine skurrile neue Regel den Ausschlag gab.

Kolumbiens Luis Muriel (l.), Senegals Idrissa Gueye
AFP

Kolumbiens Luis Muriel (l.), Senegals Idrissa Gueye


Fünf afrikanische Mannschaften waren bei der WM in Russland an den Start gegangen, doch den Sprung in das Achtelfinale hat kein Team geschafft: Auch der Senegal hat nach einer 0:1-Niederlage gegen Kolumbien die K.-o.-Runde verpasst. Kolumbien trifft als Gruppensieger im nächsten Spiel auf Belgien oder England.

Jubeln konnte auch das japanische Team im Parallelspiel: Aufgrund der Gruppenkonstellation (Japan und Senegal hatten gleich viele Punkte und Tore, im direkten Aufeinandertreffen hatte es ein 2:2-Unentschieden gegeben) musste dieFair-Play-Regel herhalten: Japan hatte im Turnier zwei Karten weniger kassiert als der Senegal - obwohl sie das letzte Gruppenspiel gegen Polen 0:1 verloren.

Spielerisch hatte die Partie kaum Highlights zu bieten: Kolumbiens Quintero versuchte es in der ersten Hälfte mit einem Freistoß, den Senegals Keeper Khadim N'Diaye jedoch klären konnte (12.). Angreifer Radamel Falcao kam später noch unbedrängt zum Kopfball - daneben. Das waren dann schon die besten Chancen der Südamerikaner.

James muss früh vom Platz

Senegal war gefährlicher: Als Sadio Mané im Strafraum zu Fall gebracht wurde, entschied Schiedsrichter Milorad Mazic zunächst auf Strafstoß, änderte seine Meinung jedoch nach Begutachtung der Videoaufnahmen: Kolumbiens Abwehrspieler Davinson Sanchez hatte zunächst den Ball gespielt, bevor er Mané berührte (17.).

In der 31. Minute gab es für Kolumbien einen herben Rückschlag: Superstar James Rodríguez, Star von Bayern München und bislang zweifacher Vorlagengeber in Russland, musste angeschlagen vom Platz gehen. Bereits beim Auftaktspiel hatte der Offensivspieler wegen muskulärer Probleme nur eine halbe Stunde spielen können.

In der zweiten Hälfte gab es erneut Aufregung um eine Entscheidung im Strafraum - diesmal in dem vom Senegal: Keeper N'Diaye räumte den Ball - und mit ihm Kolumbiens Angreifer Luis Muriel - rigoros ab, doch auch hier entschied Schiedsrichter Mazic: zuerst Ball gespielt, kein Elfmeter.

Die Schlussphase wurde hektisch: Erst erzielte Yerri Mina die Führung für Kolumbien (74.) - Senegal war nun im Zugzwang. Doch mehr als Chancen durch Niang (77.) und durch Mina, der fast ein Eigentor erzielte, sprang für das afrikanische Team nicht mehr heraus.

Senegal - Kolumbien 0:1 (0:0)
0:1 Mina (74.)
Senegal: Khadim N'Diaye - Gassama, Salif Sane, Koulibaly, Sabaly (ab 74. Wague) - Kouyate, Gueye, Sarr, Keita Balde (ab 80. Konate) - Mané, Niang (ab 86. Sakho)
Kolumbien: Ospina - Arias, Mina, Davinson Sanchez, Mojica - Carlos Sanchez - Quintero, Uribe (ab 83. Lerma) - Cuadrado, James (ab 31. Muriel) - Falcao (ab 89. Borja)
Schiedsrichter: Milorad Mazic (Serbien)
Zuschauer: 41.970 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Niang (2) - Mojica

bka



insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
joshuaschneebaum 28.06.2018
1. wieso skurril?
Also in der Fairplay-Regel, die doch nur herangezogen wird, wenn alle anderen nicht mehr greifen (Punkte, Tore, direkter Vergleich) eine Benachteiligung der afrikanischen Mannschaften sehen zu wollen, das ist in Tat und Wort wahrhaft skurril.
ovi100 28.06.2018
2. Senegal - Japan 2-2
und im direkten Vergleich Fair- Play weniger Karten. Logisch dass Japan weiterkommt..
Galata_Bridge 28.06.2018
3. Wo ist denn das Problem
Wenn überall Punktgleichheit herrscht, dann muss eben ein anderer Vergleich gezogen werden und da finde ich die Fair-Play-Regel auch nicht abwegig. "Im letzten Spiel waren die anderen aber besser" ist ja als Argument noch abwegiger. Wäre der Artikel auch so geschrieben worden, wenn es sich nicht um eine afrikanische Mannschaft handeln würde?
ulmer_optimist 28.06.2018
4. Benachteiligung?
Wieso wird durch die Regel eine Mannschaft benachteiligt? Zunächst einmal gibt es ja jede Menge Möglichkeiten, durch Punkte und Tore zu gewinnen. Deutschland ist ja auch nicht wegen dem Korea-Spiel rausgeflogen, sondern weil sie vorher schon zu viel verloren haben. Ist Losen irgendwie fairer als die Fair-Play-Regel? Erst Recht, wenn die FIFA sich Fair Play überall auf die Fahnen schreibt? Hätte nicht die FIFA sogar Özil und Gündogan wegen Verstoßes gegen die Ethik-Regeln bestrafen müssen: "Im Umgang mit staatlichen Institutionen, nationalen und internationalen Organisationen, Verbänden und Gruppierungen sind diesem Reglement unterstellte Personen neben der Einhaltung der allgemeinen Bestimmungen von Art. 13 zu einem politisch neutralen, integren und ihrer Tätigkeit angemessenen Verhalten im Sinne des Zwecks und der Zielsetzung der FIFA, der Konföderationen, Verbände, Ligen und Klubs verpflichtet." Was soll daran falsch sein, Fair Play zu belohnen?
remixbeb 28.06.2018
5. häh??
Sollen die einen Afrika Bonus bekommen oder was genau soll daran skuril sein? Zumal.. Jedes Team und jeder Spieler kennt diese Regelung. Entsprechend im Vorfeld fair spielen, dann bricht einem diese "skurile" Regel nicht das Genick.
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