Kroatiens WM-Sieg gegen Dänemark Das große Elfmeter-Verschießen

Sechs (!) verschossene Elfmeter gab es bei Kroatiens Sieg gegen Dänemark. Kasper Schmeichel wurde beinah zum Helden, doch die Geschichte ging anders aus. Auffällig: die langen Einwürfe von Jonas Knudsen.

Kasper Schmeichel
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Heldengeschichte ohne Happy End: Kasper Schmeichel hätte Dänemarks Fußballheld werden können. Der Torwart hielt in der Verlängerung einen Elfmeter von Luca Modric - und wehrte auch im Elfmeterschießen zwei Versuche ab. Doch es gab im Achtelfinale noch einen anderen starken Keeper: Kroatiens Danijel Subasic hielt in der Entscheidungsschlacht vom Elfmeterpunkt gar drei Schüsse.

Ergebnis: Kroatien gewinnt 4:3 (1:1, 1:1) nach Elfmeterschießen gegen Dänemark. Hier geht es zur Meldung.

Blitzstart I: Keine Minute war gespielt, da lag Dänemark schon in Führung. Nach einem langen Einwurf von Jonas Knudsen gab es ein Getümmel im Strafraum, Mathias "Zanka" Jørgensen brachte den Ball in Richtung Tor, der sprang Kroatiens Keeper an die Hand, von dort an den Pfosten - und dann rein.

Déjà-vu des Spiels: Moment, gab es das nicht schon einmal? Knudsens Einwurf dürfte viele Fußballfans an die EM 2016 erinnert haben. Damals hatten die Isländer den langen Einwurf perfektioniert, es war ein Mittel für den Sensationslauf bis ins Viertelfinale. Menschen mit einem kürzeren Gedächtnis dürften an Irans Milad Mohammadi gedacht haben - der hatte allerdings eher für Gelächter gesorgt. Übrigens: Knudsen brachte den Ball 18 (!) Mal per Einwurf ins Spiel.

Blitzstart II: Drei Minuten nach dem 1:0 gab es erneut eine Ping-Pong-Situation, diesmal im anderen Strafraum. Henrik Dalsgaard schoss Mitspieler Christian Eriksen ins Gesicht, der Ball sprang Mario Mandzukic vor die Füße - und der Torjäger ließ sich die Chance nicht nehmen.

Die restliche erste Hälfte: Nach dem aufregenden Start dauerte es 23 Minuten bis zur nächsten Chance: Martin Braithwaite kam im Fünfmeterraum zum Abschluss, Kroatiens Keeper Danijel Subasic parierte. Zwei Minuten später hatte Kroatien eine Dreifachchance: Erst schoss Ivan Rakitic, dann probierte es Ante Rebic fast von der Grundlinie - und schließlich trat Ivan Perisic erst über den Ball und dann selbigen über das Tor.

Die zweite Hälfte: Begann deutlich unaufgeregter - und bot auch keine Tore mehr. Mal ein paar Fernschüsse (Eriksen, Pivaric), mal ein aussichtsreicher Kopfball (Perisic), einige Verletzungsunterbrechungen - mehr gab es nicht zu beobachten. Also bekamen die Zuschauer 30 Extraminuten spendiert.

Die Verlängerung: Hatte nur einen Höhepunkt, der hatte es aber in sich: Nach einer Notbremse von Jørgensen an Rebic - die Schiedsrichter Néstor Pitana aus Argentinien nur mit Gelb bestrafte (Notbremsen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren) - trat Luca Modric in der 116. Minute zum Elfmeter an und scheiterte an Schmeichel. Der Keeper stand zwar einen Schritt vor der Linie - daran hatte Pitana jedoch nichts auszusetzen.

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Kroatien schlägt Dänemark: Schmeichel-hafter Sieg

Elfmeterschießen: Eingangs war schon von den zahlreichen Paraden der Torhüter die Rede gewesen, doch zu einem verschossenen Elfmeter gehören ja immer zwei: Bei Dänemark scheiterten Eriksen, Lasse Schöne und Nicolai Jørgensen. Für Kroatien konnten Milan Badelj und Josip Pivaric nicht verwandeln.

Wie der Vater, so der Sohn: Schmeichel - dieser Name ist in Dänemark mit dem größten Titel der Verbandsgeschichte verbunden. Bei der Europameisterschaft 1992 gewann die Nationalmannschaft mit Kaspers Vater Peter Schmeichel im Tor den Titel. Sein Sohn, in der Premier League für Leicester City aktiv, feierte seinen größten Triumph in der Saison 2015/2016 mit dem Gewinn der englischen Meisterschaft. Ein internationaler Erfolg kommt nun in Russland nicht hinzu - aber er ist ja auch erst 31 Jahre alt. Als Torhüter kein Alter, um aufzuhören.

Fazit des Spiels: Elfmeter sind einfach schwierig.

Kroatien - Dänemark 1:1 n.V (1:1) 3:2 im Elfmeterschießen
0:1 Jørgensen (1.)
1:1 Mandzukic (4.)
Elfmeterschießen:
Eriksen verschießt
Badelj verschießt
0:1 Kjaer
1:1 Kramaric
1:2 Krohn-Dehli
2:2 Modric
Schöne verschießt
Strilic verschießt
N. Jørgensen verschießt
3:2 Rakitic
Kroatien: Subasic - Vrsaljko, Lovren, Vida, Strinic (81. Pivaric) - Rakitic, Brozovic (71. Kovacic) - Modric - Rebic, Perisic - Mandzukic
Dänemark: Schmeichel - Dalsgaard, Kjaer, M. Jørgensen, Knudsen - Christensen (46. Schoene), Delaney - Eriksen - Poulsen, Braithwaite - Cornelius (66. N. Jørgensen)
Zuschauer: 43319 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Nestor Pitana (Argentinien)



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tante uschi 02.07.2018
1. Nichts verschossen...
... nur gehalten
gandhiforever 02.07.2018
2. Nach 120 Minuten
Nach einem Spiel, das in die Verlaengerung geht, sind die Spieler am Schluss fast am Ende ihrer Kraefte, physisch und psychisch. Die Torhueter sind da noch am besten dran. Da ist es dann ueberhaupt nicht verwunderlich, wenn bei diesem grossen Druck der eine oder andere Elfmeter eben nicht im Tor landet. Mich hat es schon eher gewundert, dass die Russen all ihre Elfmeter verwandelt haben.
quark2@mailinator.com 02.07.2018
3.
Ich glaube, hier liegt ein Sprachfehler vor. Es handelte sich um "gehaltene Elfmeter", nicht um "verschossene Elfmeter". Wenn ich mich richtig entsinne, wurde bei der WM heute kein einziger Elfer verschossen (also drüber, daneben, gegen Pfosten oder Latte). Aber hier wird ja auch oft geschrieben, irgendwer hätte russische Flugzeuge "abgefangen", was mich jedesmal erschreckt, denn dieses Wort bedeutet mMn. auch was anderes, aber egal.
fratzefaller 02.07.2018
4. Verschossen oder gehalten
Ich finde die Überschrift ein wenig irreführend.
hansgustor 02.07.2018
5. Notbremse
Eine gelbe Karte für Dänemark statt ein sicheres Gegentor. Deshalb schaue ich Fußball nur alle 2 Jahre. Fouls sind nichts für das man sich schämen muss, sondern einfach eine taktische Option...
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