Uruguay-Stürmer Suárez und Cavani Raus aus dem Schatten-Star-sein

Sie gelten als Uruguays goldene Generation - international stehen Luis Suárez und Edinson Cavani jedoch im Schatten von Ronaldo und Messi. Bei dieser WM wollen sie noch einmal gemeinsam glänzen.

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Für Mittelstürmer herrschen im Weltfußball schwere Zeiten. Cristiano Ronaldo und Lionel Messi bestimmen seit einem Jahrzehnt das Geschehen, sie stehen im Rampenlicht, brechen Rekorde und lassen Konkurrenten wie Statisten erscheinen. Einer dieser "Statisten" ist Luis Suárez.

Der Angreifer des FC Barcelona schoss in Europas Top-Ligen in den vergangenen elf Jahren mehr als 250 Tore, er gewann Meisterschaften, holte unter anderem an der Seite von Messi die Champions League. Für Uruguay hat der 31-Jährige beim WM-Auftakt sein 100. Länderspiel bestritten. Doch die Weltfußballer-Trophäen gehen seit 2007 immer an Ronaldo und Messi.

An Suárez' Seite im Nationalteam spielt noch so ein "Weltklasse-Statist". Edinson Cavani erzielte in Italien und Frankreich mehr als 200 Tore, auch er stand bei Paris lange im Schatten eines anderen: Zlatan Ibrahimovic. In ihrem Land sind Suárez und Cavani jedoch unumstrittene Weltstars. Sie sind vermutlich - neben Diego Forlan, der seine Karriere 2014 beendet hat - die besten Profis, die dieses Land je hervorbrachte. Das Turnier in Russland ist wohl ihre letzte Chance, noch einmal einen großen Titel zu holen.

Von Euphorie ist nichts zu spüren

Suárez (31 Jahre) und Cavani (31) sind Teil einer "Goldenen Generation". Im Team befinden sich mit Atlético-Star Diego Godin (32) und Portos Maxi Pereira (34) zwei weitere Alt-Stars, für die es der letzte große Auftritt im hellblauen Nationaltrikot sein könnte. Hinzu kommen extrem talentierte Spieler wie José María Giménez (ebenfalls Atlético) und Rodrigo Bentancur (Juventus). In einem Turnier, in dem sich die vermeintlich großen Nationen bislang sehr schwer tun, wäre auch ein WM-Titel denkbar. Wäre. Doch von Euphorie ist nichts zu spüren.

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Uruguay bei der WM: Letzte Chance für die Alt-Stars

Denn die Auftritte bei der Weltmeisterschaft waren trotz der vorzeitigen Qualifikation für das Achtelfinale ernüchternd. Zum Auftakt gewann der zweifache Weltmeister dank eines Kopfballtors in der 89. Minute von Giménez gegen Ägypten, das sogar auf Superstar Mo Salah verzichten musste. Auch gegen Saudi-Arabien, eine der schwächsten Mannschaften im Turnier, gelang nicht der erhoffte lockere Sieg. Der 1:0-Erfolg nach einem Tor von Suárez war vor allem eines: glücklich.

Uruguay wirkte planlos. Chancen kreierte das Team fast ausschließlich nach Standardsituationen. Die Tore fielen jeweils nach Ecken, gegen Saudi-Arabien ging dem Treffer sogar ein schlimmer Torwartfehler voraus. Cavanis Pfostenschuss nach einem Freistoß gegen Ägypten war eine von sehr wenigen sehenswerten Aktionen im Offensivspiel. Der Trend sprach ohnehin gegen "La Celeste". In der Endphase der WM-Qualifikation konnte die Elf von den letzten sieben Partien nur noch zwei gewinnen, gegen WM-Favorit Brasilien gab es eine 1:4-Klatsche.

Trainer Óscar Tabárez, der das Team bereits seit 2006 betreut, hat es nach der WM-Qualifikation (Platz zwei hinter Brasilien) nicht geschafft, der Mannschaft ein klares Konzept zu vermitteln. Cavani und Suárez werden vom Rest zu wenig in Szene gesetzt. Gegen Saudi-Arabien bekamen beide Spieler vom jeweils anderen die meisten Pässe. Ein adäquater Spielmacher, wie es Neymar beim großen Nachbarn aus Brasilien ist, wird schmerzlich vermisst.

Nun kommt es auf die Defensive an

Im entscheidenden Spiel um den Gruppensieg wartet Gastgeber Russland (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), eine der wenigen positiven Überraschungen im Turnier. Doch unabhängig vom Ausgang dieser Partie - im Achtelfinale wird der WM-Vierte von 2010 erstmals auf ein Top-Team treffen.

Portugal, der aktuelle Europameister, ist ebenso gefährlich wie Spanien, der Weltmeister von 2010. Beide Teams haben Weltstars in ihren Reihen, doch sowohl Portugal (1:0 gegen Marokko) als auch Spanien (1:0 gegen Iran) sind noch von ihrer Bestform entfernt.

Dort wird es allerdings nicht nur auf Suárez und Cavani, sondern vor allem auf den Defensivverbund um Godin (32 Jahre alt) und Giménez (23) ankommen. In der spanischen Liga stellte das Duo von Vizemeister Atlético zuletzt dreimal in Folge die beste Innenverteidigung der Liga. Mit ihren möglichen Gegnern der portugiesischen und spanischen Nationalmannschaft haben sie Erfahrung. Selbst Ronaldo, der gegen Spanien einen Hattrick erzielte, dürfte sich nicht auf ein Wiedersehen mit Godin und Giménez freuen.

Wenn es den beiden gelingen sollte, die gegnerischen Stürmer vom Tor fernzuhalten, ist es auch die große Chance für Suárez und Cavani, aus dem Schatten der Anderen hervorzutreten.



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rimaldo 25.06.2018
1. genau so ist es
das heutige Spiel ist unwichtig. Bisher ist Uruguay souverän durchmaschiert. Erst gegen Portugal im Achtelfinale wird es schwer, aber durchaus machbar.
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