DFB-Nationalspieler Ginter Der unauffälligste Erfolgreichste

Matthias Ginter ist mit 24 Jahren schon Weltmeister und olympischer Medaillengewinner. Bei Bundestrainer Joachim Löw gehört er zu den Lieblingen. Die Öffentlichkeit nimmt dennoch kaum von ihm Notiz.

Matthias Ginter
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Matthias Ginter

Aus Eppan/Italien berichtet


Wüssten Sie, wer der erfolgreichste deutsche Nationalspieler im aktuellen Kader für die Fußball-WM in Russland ist? Da dies ein Text über Matthias Ginter ist, ahnen Sie vermutlich, dass es sich dabei ausnahmsweise nicht um Manuel Neuer handelt. Weltmeister, Confed-Cup-Sieger und Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen in Rio - das kann keiner im Aufgebot vorweisen. Nur Ginter.

Man möchte fast sagen: ausgerechnet Ginter. Denn der 24-Jährige gehört zu den absolut Unauffälligen im DFB-Kosmos. Er spielt bei keinem Topverein, sondern nur beim Tabellenneunten Borussia Mönchengladbach, bei der WM in Brasilien hat er keine einzige Minute absolviert und darf sich dennoch Weltmeister nennen. Ginter spielt seit Jahren unter dem Radar der Öffentlichkeit. Seit mehr als vier Jahren ist er Nationalspieler, in all der Zeit gab es eine einzige SPIEGEL-ONLINE-Geschichte über ihn. Aus dem Jahr 2015.

Trotzdem fällt sein Name fast nie, wenn die gehandelt werden, die Bundestrainer Joachim Löw am Montag aus dem vorläufigen Kader noch herauszustreichen hat. Der Gladbacher ist eine verlässliche Größe für Löw, er ist in der Abwehr flexibel einsetzbar als Innenverteidiger, aber eben auch auf der Außenposition. Seine stärkste Saison bei Borussia Dortmund spielte er unter Thomas Tuchel als Rechtsverteidiger.

Matthias Ginter (l.) im Training mit Timo Werner
Getty Images

Matthias Ginter (l.) im Training mit Timo Werner

Fast jeder, den der DFB in dieser Woche aufs Podium der täglichen Pressekonferenz schickte, musste sich die Frage gefallen lassen: "Gehen Sie davon aus, dass Sie im endgültigen Kader dabei sind?" Was auch daran lag, dass der Verband bisher im Trainingslager von Eppan in Südtirol eher die Spieler der nachgeordneten Hierarchie vor die Presse gesetzt hat. Nur bei Ginter tauchte die Frage nicht auf. "Wir sind natürlich alle neugierig, wen es treffen wird. Aber ich bin relativ entspannt", hatte er zu seiner eigenen Befindlichkeit ohnehin schon ausgesagt.

Ginter gehört zu den Löw-Lieblingen, und das hat sicher nicht nur damit zu tun, dass der Verteidiger ein gebürtiger Freiburger ist. Er zählt zu den Spielern, die Dortmunds künftiger Coach Lucien Favre polyvalent genannt hat. Einer also, der intelligent genug ist, sich auf unterschiedlichste Aufgaben auf dem Feld einzustellen. Beim BVB, bei dem er drei Jahre unter Vertrag war, hat er auch, wenn auch nicht immer glücklich, im defensiven Mittelfeld ausgeholfen. Der Satz "Ich spiele da, wo mich der Trainer hinstellt." gehört zu den Superphrasen im Fußball, aber bei Ginter trifft er zu. In der Jugend war seine Position das offensive Mittelfeld, jetzt steht er halt in der Defensive.

17 Länderspiele hat er bislang absolviert, sein erstes von Beginn an war jenes 0:0 vor der Brasilien-WM in Hamburg gegen Polen, das vermutlich eines der ereignislosesten Länderspiele der vergangenen Jahre war. "Trostloses Resultat nach überflüssigem Spiel", titelte die FAZ danach. Für viele junge Spieler war es jedoch ein Spiel, das sie nicht vergessen werden. Auf dem Platz standen damals Antonio Rüdiger, Sebastian Rudy, Leon Goretzka, Julian Draxler war Kapitän. Ihnen allen vertraut Löw bis heute.

Matthias Ginter mit der Confed-Cup-Trophäe
AFP

Matthias Ginter mit der Confed-Cup-Trophäe

Ginter ist einer, der über den Fußballhorizont hinausguckt. Er hat vor einigen Monaten eine Stiftung für benachteiligte und kranke Kinder und Jugendliche gegründet, "weil ich ein bisschen zurückgeben will, was ich bekommen habe". Er äußert sich auch zum WM-Veranstalter Russland - "niemand heißt das gut, was dort politisch passiert, aber vielleicht gibt die WM auch einen positiven Schub" - er gehört zu denen, die sich nach dem Bombenanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund intensiv mit dem Ereignis auseinandergesetzt und öffentlich darüber gesprochen haben. Nachdem er zuvor bereits die Terrornacht von Paris mit dem DFB-Team erlebt hatte.

Ginter hat in seiner ersten Gladbacher Saison alle 34 Ligaspiele mitgemacht, er hat als Abwehrmann fünf Tore erzielt. Es gibt bei der Borussia genug Offensivspieler, die über eine solche Trefferbilanz froh gewesen wären.

Und wenn Löw dennoch auf die Idee käme, auf Matthias Ginter zu verzichten? "Dann ist das eben so. Ich habe nach meiner Ansicht in der Vorsaison alles gegeben, um hier dabei zu sein. Jetzt steht es ohnehin nicht mehr in meiner Macht." Wenn man mit 24 schon Weltmeister, Confed-Cup-Sieger und Olympiamedaillengewinner ist, kann man wahrscheinlich so entspannt sein.



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Seite 1
lala10 01.06.2018
1.
Man muss wissen hinter kommt aus Freiburg wie Peterson. Hinter hat in Dortmund schon keine Leistung gebracht und würde verkauft soweit zu Löw's Lieblingen.Denke sie an Podolski der hat über Jahre keine Leistung gebracht erreicht aber über 100 Länderspiel.So ganz unrecht hat Wagner nicht.
hansa_vor 01.06.2018
2.
Zitat von lala10Man muss wissen hinter kommt aus Freiburg wie Peterson. Hinter hat in Dortmund schon keine Leistung gebracht und würde verkauft soweit zu Löw's Lieblingen.Denke sie an Podolski der hat über Jahre keine Leistung gebracht erreicht aber über 100 Länderspiel.So ganz unrecht hat Wagner nicht.
Ich finde Ginter nun auch nicht den "Burner", aber wenigstens kann er gerade aus laufen, dies muss "Deutschlands bester Stürmer" noch unter Beweis stellen. Schlimm genug als bester Stürmer im DFB Pokal Finale erst eingewechselt zu werden, noch schlimmer ist es dann auch noch zu versagen. Vollkommen korrekte Entscheidung von Löw diesen Minderleister mit übersteigertem Ego nicht mitzunehmen.
benedetto089 01.06.2018
3.
Zitat von lala10Man muss wissen hinter kommt aus Freiburg wie Peterson. Hinter hat in Dortmund schon keine Leistung gebracht und würde verkauft soweit zu Löw's Lieblingen.Denke sie an Podolski der hat über Jahre keine Leistung gebracht erreicht aber über 100 Länderspiel.So ganz unrecht hat Wagner nicht.
Wagner wäre in der Nationalelf ein Ergänzungsspieler gewesen mit der Attitüde eines Weltstars. Ginter wird (wenn er mitfährt) ein Ergänzungsspieler sein, aber einer der sich dem Ziel und dem Kollektiv unterordnet. Und bestimmt auch Leistung bringt. Und solche Typen braucht man auch in einer Mannschaft, jeder der selber mal gekickt hat, weiß das es mit 20 Alphatieren in einer Mannschaft keine 2 Spiele gutgeht.
Abie Nathan 01.06.2018
4. Schon beim BVB verkannt
Ginter hat in seiner ersten Saison unter Tuchel in den ersten 5 Spielen 7 Scorerpunkte gemacht und wurde dann wieder durch pisczeck ersetzt. Der Mann hatte einfach keine Lobby. Ich glaube wirklich, dass er an internen Machtverhältnissen gescheitert ist, so wie Tuchel. Ich fand ihn als rechten Außenverteidiger genial.
marcohass 01.06.2018
5. Echt jetzt?
Ist schon wieder WM?
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