Für die Schützenhilfe gegen Deutschland Mexikaner überschütten Südkorea mit Liebe

Südkoreas Sieg gegen Deutschland war für die Asiaten wertlos, doch Mexiko sicherte er das Achtelfinale. Die Dankbarkeit der Mexikaner entlädt sich nun auf kuriose Weise - inklusive Spontanparty vor der koreanischen Botschaft.

Fahne Südkoreas auf dem Unabhängigkeitsplatz in Mexiko-Stadt
AFP

Fahne Südkoreas auf dem Unabhängigkeitsplatz in Mexiko-Stadt


Eine Weltmeisterschaft wird von Machern, Medien und Sponsoren gern als Fest der Freundschaft verkauft. Dass in manchen Fällen tatsächlich überraschende Allianzen und zarte Bande entstehen - umso erfreulicher. Wie nun geschehen zwischen Fans der mexikanischen Nationalmannschaft und Anhängern der Südkoreaner.

Weil Südkorea trotz schwindender Chancen aufs Achtelfinale nicht aufsteckte und das DFB-Team mit 2:0 schlug, kam Mexiko trotz 0:3-Pleite gegen Schweden weiter. Und so wuchsen Mexiko-Stadt und Seoul (Distanz: 11.459 Kilometer Luftlinie) an diesem Sommerabend ganz, ganz eng zusammen.

Als das 1:0 der Koreaner gegen die deutsche Nationalmannschaft im Stadion von Jekaterinenburg die Runde machte, brachten die Mexikaner in frenetischen Jubel aus - obwohl ihre Mannschaft auf dem Platz gerade unterging. Das setzte sich nach Abpfiff fort: #GraciasCorea, "Danke Korea", trendete bei Twitter, ebenso der Schlachtruf "Corea, hermana, ya eres mexicana!" ("Korea, Schwester, du bist jetzt Mexikanerin!") - und manch ein Fan der El Trí hatte das dringende Bedürfnis, die neuen zarten Bande mit Tanz und Gesang zu würdigen. Gangnam Style.

Glücklich aber, wer in der Gruppe feiern kann. So wie hier vor dem Stadion in Jekaterinenburg, wo ein koreanischer Fan nicht lange allein blieb:

In Mexiko-Stadt, wo das Spiel um 9 Uhr morgens angepfiffen wurde, feierten mehrere Tausend Menschen am zentralen Zócalo ausgelassen. Besonders viel Liebe entlud sich über einen Mann, der sich wohl als Koreaner identifizierte und dann von einer entfesselten Menschentraube um den Platz getragen wurde:

Eine kleine Delegation machte sich sogar auf zur südkoreanischen Botschaft in Mexiko-Stadt, um sich gebührend ("Vamos Corea!") zu bedanken:

Bei so viel Zuneigung (und Radau vor dem Haus) ließ sich auch der koreanische Botschafter nicht lumpen. Er kam raus und feierte mit den mexikanischen Anhängern.

Die Ökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft hatten ja prognostiziert, das dritte Gruppenspiel koste dieselbige einen dreistelligen Millionenbetrag. Wir wissen nicht, wie es nach dem Abpfiff um 11 Uhr Ortszeit um die Produktivität in Mexikos Wirtschaft stand - den Bildern aus der dortigen Zentrale des koreanischen Autobauers Kia nach zu urteilen, gab es auch dort einen frühen Feierabend.

Und auch die Lokalität für die After-Party scheint geklärt: Das Barrio Coreano, das koreanische Viertel in Mexikos Hauptstadt. Empfiehlt sich vielleicht heute auch für deutsche Fans in Mexiko-Stadt, die einfach nur kurz in den Arm genommen werden möchten.

ayy



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