Polens Niederlage gegen Kolumbien Die Leiden des Robert Lewandowski

Polen ist bei der WM vorzeitig ausgeschieden - das passt zu Robert Lewandowskis Frühsommer. Vereinskollege James Rodríguez dagegen brillierte mal wieder bei einer WM und brachte Kolumbien zurück ins Turnier.

Robert Lewandowski (l.)
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Die Szene des Spiels: In der 75. Minute spielte James Rodríguez einen sensationellen Pass auf Juan Cuadrado und bereitete damit das 3:0 vor. Innerhalb von 13 Sekunden wurden drei Dinge klar. Erstens: Polen hat im Achtelfinale nichts zu suchen und scheidet verdient schon nach zwei Partien aus. Zweitens: James Rodríguez ist ein Spieler, der wie gemacht zu sein scheint für den Wettbewerb "Fußball-Weltmeisterschaft". Und drittens: Japan kann sich glücklich schätzen, im ersten Spiel nach einer frühen Roten Karte nur gegen zehn Kolumbianer gespielt zu haben.

Das Ergebnis: Kolumbien hat 3:0 gegen Polen gewonnen und damit wieder gute Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale. Bei einem Sieg gegen Senegal zum Abschluss der Vorrunde sind die Südamerikaner sicher qualifiziert. Polen ist schon jetzt ausgeschieden.

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WM-Gruppe H: James drin, Lewandowski raus

Ein bitterer Frühsommer: Robert Lewandowski wird die vergangenen zwei Monate wohl lange nicht vergessen. 1. Mai - das Aus im Halbfinale der Champions League mit den Bayern. 19. Mai - die Niederlage im Endspiel des DFB-Pokals gegen Eintracht Frankfurt. Und nun der 24. Juni - das überraschende Scheitern der polnischen Nationalmannschaft nach nur zwei Vorrundenspielen bei der WM, ohne ein Tor von Lewandowski. Hinzu kommt die Unklarheit, wo er in der kommenden Saison spielen wird. Die Chance zum WM-Ehrentreffer bekommt der Pole immerhin noch im dritten Spiel gegen Japan.

Die erste Hälfte: Die Partie war in der Anfangsphase beherrscht von Fouls und Unterbrechungen. Aber auch danach gab es nur zwei nennenswerte Offensivaktionen, beide für Kolumbien. Erst scheiterte Juan Cuadrado nach einem schönen Solo an Torwart Szeszny, dann traf Yerrey Mina nach einer Flanke von James Rodríguez per Kopf zur Führung.

Die zweite Hälfte: Gerade, als Polen etwas stärker wurde und mutiger agierte, machte Kolumbien alles klar. Radamel Falcao traf nach gutem Zuspiel von Quintero. Vor vier Jahren hatte der Angreifer das Turnier in Brasilien noch verletzungsbedingt verpasst. Jetzt erfüllte er sich den großen Traum von einem WM-Tor. Und dann kam sie, diese 75. Minute, die so vieles klar werden ließ.

Radamel Falcao
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Radamel Falcao

Erstens - die polnischen Defizite: Wer glaubte, die 1:2-Niederlage der Polen gegen Senegal zum Auftakt sei ein Ausrutscher gewesen, ein schlechter Tag, der sah sich nun getäuscht. Das Team enttäuschte gegen Kolumbien erneut. Das größte Problem: Polen schaffte es nicht, seinen Starspieler Lewandowski in Szene zu setzen. Der Angreifer verzweifelte in der Sturmspitze, vermisste Zuspiele, die ihm Ballaktionen in gefährlichen Räumen ermöglicht hätten. Nur 61,5 Prozent der polnischen Pässe in der gegnerischen Hälfte kamen an. Sinnbildlich führte ein einfacher Fehlpass in dieser Zone zu einem Konter, zum 3:0 und damit zur Entscheidung.

Zweitens - die Stärke des James Rodríguez: Als dieser Fehlpass bei Rodríguez landete, blieb er dort nicht lang. Der Bayern-Profi schaltete schnell um und spielte schließlich einen Traumpass, der sich von der linken Seite in Richtung Mittelkreis und genau in den Lauf von Juan Cuadrado drehte, bevor dieser davoneilte und einschob. Es war ein Pass, der der sehenswerten Torvorlage von Kevin De Bruyne gegen Panama Konkurrenz macht. Rodríguez krönte eine starke Leistung und dank seiner zwei Assists hält er nun zwei außergewöhnliche Bestmarken.

Drittens - das wahre Gesicht Kolumbiens: Anders als bei Polen ist die Niederlage Kolumbiens zum Auftakt tatsächlich wohl als Ausrutscher zu sehen, als schlechter Tag, stark bedingt durch eine frühe Rote Karte. Auch Kolumbien hatte zwar gegen Polen in der ersten Hälfte Probleme, Chancen zu kreieren. Insgesamt war das Team dem Gegner in Spielanlage und Torgefahr allerdings weit überlegen. Senegal (vier Punkte) sollte gewarnt sein. Im direkten Duell spielen die beiden Mannschaften um den Einzug ins Achtelfinale. Kolumbien (drei Punkte) braucht wohl einen Sieg. Denn in der derzeitigen Verfassung ist polnische Schützenhilfe gegen Japan (vier Punkte) kaum zu erwarten.

Polen - Kolumbien 0:3 (0:1)
0:1 Mina (40.)
0:2 Falcao (70.)
0:3 Cuadrado (75.)
Polen: Szczesny - Piszczek, Bednarek, Pazdan (80. Glik) - Bereszynski (72. Teodorczyk), Krychowiak, Goralski, Rybus - Zielinski, Kownacki (57. Grosicki) - Lewandowski
Kolumbien: Ospina - Arias, Sánchez, Mina, Mojica - Aguilar (32. Uribe), Barrios - Cuadrado, James, Quintero (73. Lerma) - Falcao (78. Bacca)
Schiedsrichter: César Ramos (Mexiko)
Ort: Kasan (Kasan-Arena)
Gelbe Karten: Bednarek, Goralski / -

insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
alfredov 25.06.2018
1. James Rodriquez ist ein Top Spieler
Er sticht durch seine fabelhaften Pässe heraus. Er hat auch einen guten Weitblick im Spiel und bedient seine Mitspieler sehr gut. In Real Madrid hat Zidane es nicht nicht richtig gesehen oder gewollt, aber in Bayern München hat er die Chance bekommen zu einem excellenten Spieler aufzusteigen. Das finde ich gut so.
tillydean 25.06.2018
2. Lewandowski
ist total überbewertet...in Spielen wo er gefordert ist, kommt gar nix...ich denke nicht das ein Verein bereit ist mehr als 50mio für den hinzublättern...die Bayern sollten ihn schnellst möglich verkaufen, wenn's nach dieser desolaten Vorstellung überhaupt noch Interessenten gibt...
stoffi 25.06.2018
3. Lewandowski
hat auch noch ein paar Mitspieler. Er allen kann kein Spiel gewinnen. Hätte Ronaldo nicht ein so klasse Team um sich herum, käm auch er nicht zum Zug. Lewa hat keine Schuld wenn Polen schlecht aussieht. Bayern will ihn nicht ohne Grund unbedingt halten
snakey41 25.06.2018
4. geldgeiler Legionär
Seit er vom BVB weg ist, hat er mich menschlich schwer enttäuscht. Ihm bzw. seinem Berater geht es nur noch ums Geld. Ich hoffe dass Bayern sich nicht genauso handelt wie der BVB bei Dembele. Wenn er weg will und die Leistung nicht mehr bringt, soll Bayern ihn auf die Tribüne setzen, dann wird er schon merken, was es heißt nicht zu spielen, erlauben könnte sich Bayern das ja.
schewatz 25.06.2018
5. Warum
müssen Vorlagen jetzt Assists heißen? Was für eine Verhunzung unserer Sprache!
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