Polens Pleite gegen Senegal Noch ist Lewandowski nicht verloren

Für Polen beginnt die WM gegen Senegal mit einem Fehlstart. Stürmerstar Robert Lewandowski kommt nicht zum Zug. Aber es gibt noch Hoffnung für den Bayern-Profi und sein Team.

Robert Lewandowski
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Robert Lewandowski

Aus Moskau berichtet


Bei dieser Fußballweltmeisterschaft sind 14 europäische Teams am Start. 12 von ihnen haben den ersten Spieltag ungeschlagen überstanden. Man kann wohl sagen, dass die Europäer die großen Sieger dieser ersten WM-Tage sind. Es gab nur zwei Verlierer: Der eine ist der Weltmeister Deutschland, der andere ist Polen, mit großen Erwartungen ins Turnier gestartet - und nach der 1:2 Auftaktniederlage gegen Senegal gleich geerdet.

"Wir hatten einen Plan, aber einen Plan zu haben und ihn auch durchzusetzen - das sind zwei verschiedene Paar Schuhe", sagte Polens Coach Adam Nawalka nach dem Spiel und bewies zumindest ein bisschen Selbstironie. Ansonsten gab es aber gar nichts zu lachen für die fast 20.000 zu Beginn noch so sangesfreudigen polnischen Anhänger, die das Spartak-Stadion zur Heimspielstätte umfunktioniert hatten.

Gegen Ende des Spiels war es zwar immer noch laut, aber da gab es aus der polnischen Kurve fast nur noch Pfiffe - und das Getrommel der kleinen senegalesischen Fanabordnung klang umso euphorischer.

Lewandowski und Milik blieben harmlos

Enttäuscht hatten sie, und man fügt bei solchen Gelegenheiten gern hinzu, auf ganzer Linie. Das so renommierte Stürmerpaar Robert Lewandowski und Arkadiusz Milik, immerhin die Torjäger von Bayern München und dem SSC Neapel, brachte in der Offensive fast gar nichts zustande.

Der Bayern-Stürmer, dessen Zukunft in München ja immer noch ungewiss ist, hing sich hinein in das Spiel, er warf sich in die Zweikämpfe mit der robusten senegalesischen Innenverteidigung, zu wenig Einsatz war ihm nicht vorzuwerfen. Aber das Toreschießen, seine Kernkompetenz, das wollte ihm partout nicht gelingen. Dafür war er umso intensiver mit Kopfschütteln beschäftigt. Kommentarlos verließ der 29-Jährige nach dem Abpfiff den Platz, während die Spieler aus dem Senegal auf dem Spielfeld ihr Tänzchen aufführten.

Spieler aus Senegal beim Tanzen nach dem Spiel
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Spieler aus Senegal beim Tanzen nach dem Spiel

Und wenn vorne schon nichts gelingt, dann muss zumindest die Defensive funktionieren - aber auch das war nicht der Fall: Zunächst unterlief dem Italien-Profi Thiago Cionek ein Eigentor zum 0:1, als er einen Ball unglücklich abfälschte. Dann produzierte Mittelfeldmann Grzegorz Krychowiak einen desaströsen Rückpass, den Senegals Stürmer M'Baye Niang erlief und den Ball am vergeblich herausstürzenden Torwart Wojciech Szczesny vorbei ins leere Tor schieben konnte. Der Anschlusstreffer von Krychowiak war nur noch Kosmetik.

Bis auf starke zehn Anfangsminuten fanden die Polen, gespickt mit Spielern aus Europas bekannten Ligen, überhaupt kein Mittel gegen die Afrikaner. Das Duell der Torjäger, Lewandowski gegen den Liverpooler Sadio Mané entschied Senegals kreativer Mannschaftskapitän klar für sich. "Wir haben nicht koordiniert und dynamisch genug gespielt", sagte Nawalka. Niemand wollte ihm widersprechen.

In der Gruppe gibt es keinen Favoriten

Aber der Coach hatte noch einen Satz im Köcher, der nach vorne gerichtet war. "Ich bin überzeugt, dass Polen wieder zurückkommt", sagte der Trainer, es klang tatsächlich etwas Gewissheit in der Stimme mit, und angesichts der Gruppenkonstellation ist das auch noch möglich.

Diese Gruppe H ist eine wundervolle Gruppe, je ein Team aus Europa, eins aus Südamerika, aus Afrika und aus Asien - so, wie eine WM-Gruppe aussehen sollte. Dazu ohne jeden ausgemachten Favoriten. Die Teams, die die meisten Experten im Vorfeld vorne gesehen haben, Polen und Kolumbien, haben beide verloren. Stattdessen stehen Japan und Senegal an der Tabellenspitze. In dieser Gruppe scheint alles möglich, und das ist die große Hoffnung von Lewandowski und Co. Nach dieser Leistung allerdings vielleicht auch die einzige. Am Sonntag in Kasan gegen Kolumbien geht es für beide Mannschaften schon um alles.

Gegner Senegal (lesen Sie hier ein Teamporträt) kann sich dagegen relativ entspannt auf die Partie gegen die Japaner vorbereiten. Die Mannschaft ist jetzt so etwas wie der letzte Mohikaner der afrikanischen Teams, alle anderen Mannschaften von dem Kontinent haben ihre bisherigen WM-Spiele verloren. Die nach der Gruppenphase üblichen Abgesänge auf Afrikas Fußball liegen schon wieder in der Schublade.

Aber diese gut organisierte Mannschaft mit ihren robusten Abwehrspielern, dem Neu-Schalker Salif Sané und Napolis Kalidou Koulibaly, mit ihrem ballsicheren Mittelfeld und dem Starstürmer Mané könnte die Nachrufe beerdigen. Diesem Team ist der Gruppensieg zuzutrauen. Es soll noch öfter getanzt werden.

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gandhiforever 19.06.2018
1. Zufall?
Ich meine, es ist kein Zufall, dass spieler des FC Bayern Muenchen ausgebrannt sind. Egal ob Lewandowski oder Mueller oder ... Die Aufholjagd letzten Herbst fordert jetz ihren spaeten Tribut. Die Spieler brauchen Erholung.
aurichter 20.06.2018
2. Wunderbar
die Mannschaft, hat mir sehr gut gefallen und wird vermutlich das AF erreichen. Gerade gegen Japan sehe ich gute Chancen, um den Gruppensieg unter Dach und Fach zu bringen, da die Samurais nicht gerade überwältigend agiert haben gegen James Team. Aber man weiss ja nie, auch Japan kann sich steigern - unverhofft!
fixik 20.06.2018
3.
Ich sehe aber nicht mehr viele Chancen für Polen. So ausgeglichen ist die Gruppe gar nicht. Kolumbien ein Stück stärker als Polen und jetzt genauso in Zugzwang. Viele Chancen wird Polen da nicht haben. Gegen Japan sollte Polen kein Problem haben. Mit 3 Punkten wird das aber nichts. Kolumbien wird wohl beide Spiele gewinnen, Senegal gegen Japan ist dann für Polen eh nicht mehr relevant.
hauptsach-gmotzt 20.06.2018
4. " Noch ist Lewandowski nicht verloren " ?
Was ist denn das für ein Jargon ? Lewndowski - Polen - Verloren. Ihr Deutschen könnt es wohl einfach nicht lassen, was ?
klaviermann 20.06.2018
5. Nationalhymne
Zitat von hauptsach-gmotztWas ist denn das für ein Jargon ? Lewndowski - Polen - Verloren. Ihr Deutschen könnt es wohl einfach nicht lassen, was ?
Das Zitat spielt auf den Text der polnischen Nationalhymne an. Sie beginnt (übersetzt) mit den Worten :"Noch ist Polen nicht verloren". Damit wird u.a. auf die beiden Teilungen Polens durch Fremdmächte angespielt und die Hoffnung ausgedrückt, dass sich das polnische Volk nicht unterkriegen lässt. Insofern ist das Wortspiel mit Lewandowski mitnichten abwertend, im Gegenteil.
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