Portugals Sieg gegen Marokko Wieder mal im Minimal-Modus

2016 zitterte sich Portugal in dramatischen Partien zum EM-Titel. Auch gegen Marokko setzte das Team auf Minimalismus. Das hielt Superstar Ronaldo nicht davon ab, einen weiteren Rekord aufzustellen.

Marokkos Khalid Boutaib im Zweikampf mit Pepe
AFP

Marokkos Khalid Boutaib im Zweikampf mit Pepe

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Sicherer Rückhalt: Jeder Fußballfan weiß, dass Cristiano Ronaldo der unumstrittene Star der portugiesischen Nationalmannschaft ist. Doch auch ein noch so torgefährlicher Angreifer reicht allein nicht aus, um Weltmeister zu werden. Immerhin hat die Mannschaft mit Rui Patrício auch einen hervorragenden Torwart in ihren Reihen. Davon konnten sich die mitgereisten Anhänger im Luschniki-Stadion nun beim Spiel gegen Marokko überzeugen. Innerhalb weniger Minuten parierte er gleich zweimal stark. Zunächst hielt Patrício einen harten Schuss von Younès Belhanda (55. Minute), kurz darauf entschärfte er einen gefährlichen Kopfball des ehemaligen Schalkers (57.). Ein Grund, warum Portugal die Partie glücklich gewann.

Ergebnis: Portugal gewinnt 1:0 (1:0) gegen Marokko. Hier geht es zur Meldung.

Ronaldo-Show: Dennoch ist es Ronaldo, der alle Rekorde bricht. Fünffacher Weltfußballer und Champions-League-Sieger, Rekordtorschütze in der Königsklasse und Europameister war er schon. Nach seinem 85. Länderspieltor für Portugal ist er nun auch der erfolgreichste europäische Torschütze auf Länderspielebene. Ferenc Puskás, einstiger Kapitän der ungarischen Jahrhundertelf, kam zwischen 1945 und 1956 "nur" auf 84. Zur Ehrenrettung des "Majors" sollte man erwähnen, dass er dafür 67 Einsätze weniger benötigte als CR7. Weltweit ist nur noch Irans ehemaliger Angreifer Ali Daei besser (109 Tore).

Cristiano Ronaldo
Getty Images

Cristiano Ronaldo

Erste Hälfte: Begann - natürlich - mit dem historischen Treffer von Ronaldo. Nach einem kurz ausgeführten Eckball kam der Angreifer von Real Madrid am Fünfmeterraum frei zum Kopfball. Marokkos Schlussmann Munir war chancenlos (5.). Doch wer jetzt gedacht hatte, dass der Europameister von 2016 seinen Gegner in die eigene Hälfte drängen würde, sah sich getäuscht. Die Marokkaner waren ebenbürtig und kamen immer wieder vor den Strafraum Portugals. Die beste Chance vor dem Pausenpfiff hatte allerdings wieder der Favorit. Gonçalo Guedes verpasste nach Vorarbeit von CR7 das 2:0 (39.).

Die letzte Chance: Mit dem Begriff "Goldene Generation" sollte man vorsichtig sein. Aber die Portugiesen haben zweifellos binnen weniger Jahre mehrere Starspieler hervorgebracht, neben Ronaldo (33 Jahre) zum Beispiel auch Pepe (35), Ricardo Quaresma (34) und Moutinho (31). Für das Quartett ist es die wohl letzte Chance, sich den Traum vom WM-Titel zu erfüllen. Vor allem für Pepe und Ronaldo wäre dies ein besonderer Triumph. Nur wenigen Spielern gelang es, die drei großen internationalen Titel (Welt- und Europameister, Champions League) zu gewinnen.

Zweite Hälfte: Portugal verwaltete das knappe Ergebnis nur noch und setzte auf Konter. Für Gefahr sorgten die Marokkaner. Younès Belhanda scheiterte gleich zweimal am starken Rui Patrício (55./57.). Vor allem nach Standards hatten die Portugiesen Glück, allein Ex-Bayern-Profi Medhi Benatia kam mehrfach im Strafraum zum Abschluss. Bis zur letzten Sekunde der fünfminütigen Nachspielzeit musste Portugal um den Erfolg zittern.

Afrikas Teams schwächeln: Marokko ist nach der zweiten 0:1-Niederlage in Folge bereits ausgeschieden. Auch Ägypten hat nur noch theoretische Chancen auf das Weiterkommen. Für Nigeria und Tunesien dürften die Gruppengegner am Ende zu stark sein. Lediglich Senegal könnte die afrikanische Ehre nach dem überzeugenden Auftaktsieg gegen Polen retten.

Minimalismus in Perfektion: 1:1, 0:0, 3:3, 1:0 n.V., 5:3 n.E., 2:0, 1:0 n.V. Kaum zu glauben, aber mit diesen Ergebnissen ist Portugal vor zwei Jahren erstmals in seiner Geschichte Europameister geworden. Trainer Fernando Santos scheint Gefallen am minimalistischen Spielstil gefunden zu haben. Mal sehen, wie weit die Portugiesen im Minimal-Modus diesmal kommen.



insgesamt 4 Beiträge
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hileute 20.06.2018
1. Was zählt ist der sieg
mir kommt da eine ganz bestimmte andere Mannschaft in den Sinn die schlecht spielt und dann auch verliert. Von daher ist die Spielweise der Portugiesen zwar nicht sehr ansehnlich, aber die Ergebnisse geben ihr recht
hamburger.jung 20.06.2018
2.
Todlangweilig!
aurichter 20.06.2018
3. Taktik 2004
Rehackles lässt grüßen. Ronaldo hält noch einen Rekord - Umfaller nach Körperkontakt.
Peter M. Lublewski 20.06.2018
4. Und der alte Klopper Pepe
fällt schon um, wenn man ihm zweimal auf die Schulter klopft :-)
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