Schwedens Einzug ins WM-Viertelfinale Die Kraft des Kollektivs

Alles drehte sich um Zlatan Ibrahimovic bei der schwedischen Nationalmannschaft, 15 Jahre lang. Die großen Erfolge blieben aus. Jetzt ist er weg - und das Team ist der Star.

Schwedens Spieler jubeln über das 1:0
AFP

Schwedens Spieler jubeln über das 1:0

Aus Sankt-Petersburg berichtet


Die Schweizer Nationalmannschaft ging leicht favorisiert ins WM-Achtelfinale gegen Schweden. Die Spieler sprachen im Vorfeld von der größten Chance ihres Lebens. Erstmals seit 1954 wäre ein Platz unter den besten achten Teams der Welt möglich gewesen. Heraus kam das schwächste Spiel bei dieser WM, was besonders ärgerlich ist, wenn die Spieler sich nicht an die taktischen Vorgaben des Trainers halten. "Wir waren verklebt", lautete das Fazit von Vladimir Petkovic zur 0:1-Niederlage.

Der Coach wollte das Spiel breit machen, dann in die Tiefe spielen, um die am Boden etwas ungelenke schwedische Abwehr mit Pässen in den Rücken zu Fehlern zu zwingen. Stattdessen segelten insgesamt 29 Flanken in den Strafraum des Gegners, was die beiden Innenverteidiger Andreas Granqvist und Victor Lindelöf dankbar zur Kenntnis nahmen. Petkovic wollte das Ausscheiden aber nicht nur an den eigenen Spielern festmachen: "Es war auch ein guter Gegner auf dem Platz."

Dieser Gegner nutzte seinerseits ebenfalls eine einmalige Chance. Schweden stand letztmals 1994 in den USA im Viertelfinale, damals reichte es sogar zum dritten Platz. Es folgten drei verpasste Turnierteilnahmen sowie 2002 und 2006 jeweils das Aus im Achtelfinale - obwohl mit Zlatan Ibrahimovic seit 2001 der vermutlich beste schwedische Fußballer der Geschichte die Blågult anführte, fünfzehn Jahre lang. Schwedens Nationalmannschaft kam trotz Ibrahimovic nie über Mittelmaß hinaus. Oder vielleicht gerade seinetwegen?

"Wir sind ein Kollektiv und unterstützen uns"

Nationaltrainer Janne Andersson wollte nicht über die Vergangenheit sprechen und erwähnte auch den Namen des schwedischen Rekordtorschützen nicht. Trotzdem war jedem klar, dass es bei Anderssons Lobeshymnen auf sein Team auch um Ibrahimovic ging. "Wir sind eine Mannschaft, mit einem ganz neuen Teamgedanken", sagte der Trainer. "Ich bin zwar verantwortlich, aber das gesamte Team ist wichtig. Wir sind ein Kollektiv und unterstützen uns."

Richtig unangenehm wurde es Andersson, als er auf die an ihn gerichteten Gesänge der schwedischen Fans im Sankt-Petersburger Stadion angesprochen wurde. "Es ist surreal", sagte Andersson. "Die Leute rufen an so einem Tag meinen Namen. Wir arbeiten aber alle füreinander und miteinander, Fußball ist nun mal ein Mannschaftssport."

Schwedens Coach Janne Andersson
AFP

Schwedens Coach Janne Andersson

Was bei anderen Mannschaften schnell mal zur Plattitüde wird, hat bei den Schweden einen Hintergrund, dessen Anteil am Erfolg nicht kleingeredet werden darf. Ibrahimovic überstrahlte über Jahre alles und jeden, sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung als auch auf dem Platz, wenn sich das gesamte Team auf den Starspieler verlassen wollte. Dieses Hemmnis ist seit zwei Jahren nicht mehr vorhanden und so wurden mit neuer Herangehensweise in der WM-Qualifikation die Niederlande, in den Playoffs Italien und in der WM-Gruppenphase Deutschland ausgeschaltet.

Motivator Ibrahimovic

Ibrahimovic fiebert mittlerweile als Zuschauer mit, wie diverse Einträge in den sozialen Medien zeigen. Aber er wäre nicht dieser egozentrische globale Star, die Marke Ibrahimovic, wenn er Schwedens Niederlage gegen Deutschland nicht wie folgt kommentiert hätte. Die Spiele zu sehen, sei "anders" gewesen, "weil ich das Gefühl hatte, dass ich es viel besser kann als sie. Und das fühle ich immer noch", sagte Ibrahimovic als Experte des amerikanischen TV-Senders ESPN.

Wenn das schwedische Team um Kapitän Granqvist noch Motivation benötigt haben sollte, wurde sie von Ibrahimovic geliefert. Und in schwedischen Medien hält sich zusätzlich die Legende, der Rassismusskandal um Jimmy Durmaz habe den Teamgedanken weiter gefördert. Seitdem wurde Mexiko 3:0 besiegt und die Schweiz kam im gesamten Spiel nur zu zwei echten Torchancen.

Nun steht Schweden nach dem Tor des Leipzigers Emil Forsberg im Viertelfinale und kann auf der leichteren Seite des Turnierbaums auf noch mehr hoffen. "Sie sind nie als Favorit gehandelt worden", nannte der Schweizer Trainer Petkovic einen weiteren Grund für die Erfolgsserie. Das wird sich in den kommenden Partien nicht ändern.



insgesamt 10 Beiträge
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hatschon 04.07.2018
1. Ich nenne sowas
Rumpelfussball der nächste Gegner nimmt Schweden auseinander sogar Jogis Mannschaft hat gegen die gewonnen.
steingärtner 04.07.2018
2. Die Geschichte umschreiben
Wird Schweden Weltmeister, ist Deutschland das einzige Land, dass den Weltmeister geschlagen hat. Das sollte sich dann auch im Salär von Jogi Löw zeigen.
birka12 04.07.2018
3. Schlimmes Spiel
Furchtbarer Fussball, Schweden ist schwer zu schlagen, aber mit so einem langweiligen Mauerfussball lockt man niemand ins Stadion. Für den Fussball ist es gut wenn sie ausscheiden!
spadoni 04.07.2018
4. Die Schweden
im Glück! Die Schweizer waren die bessere Mannschaft in diesem insgesamt langweiligen Spiel, nur leider haben sie kein Tor erzielt.
norgejenta 04.07.2018
5. Rumpelfussball hipp oder hopp
jede Mannschaft spielt so und das was sie kann. die Russen standen auch nur hinten drin und haben einen T 34 ins Tor gestellt. Den Spaniern ist nichts eingefallen. Kroatien hat auch nur durch Dusel gewonnen und England weil die latte mithalf. Von Belgien mal ganz zu schweigen. Fakt ist was aufm Papier steht. und da sind einige grosse Mannschaften nicht mehr dabei.
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