Schwedens Sieg gegen Mexiko War was?

"Das war dann. Jetzt ist jetzt." Schweden hat eine starke Reaktion auf die Niederlage gegen Deutschland gezeigt. Der Einzug ins WM-Achtelfinale als Gruppensieger ist auch ein Akt der Emanzipation.

Emil Forsberg (oben) und Ola Toivonen
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Emil Forsberg (oben) und Ola Toivonen

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Natürlich ist Schwedens Trainer Janne Andersson in den Katakomben der Arena von Jekaterinburg gefragt worden, was sich denn verändert hätte zwischen der dramatischen Niederlage gegen Deutschland und dem klaren Sieg gegen Mexiko.

Gar nicht viel, gab er als Antwort, und leistete sich eine kleine Unsicherheit, die viel aussagte: "Wir arbeiten als Team zusammen. Die Spieler, die Offiziellen, die Mitarbeiter - alle. Wir haben an unserem Plan festgehalten und sind ein weiteres Stück gewachsen seit Samstag oder Sonntag oder wann das Spiel war."

Fußball ist ein schnelles Geschäft. Das ist nicht erst seit diesem letzten Spieltag der WM-Gruppe F klar, der Weltmeister Deutschland aus dem Turnier und Schweden als Gruppensieger ins Achtelfinale beförderte. Doch er hat das wieder einmal bestätigt. Gerade noch waren die Schweden am Boden nach dem 1:2 gegen das DFB-Team durch den späten Freistoß-Treffer von Toni Kroos, und jetzt, nach dem 3:0 gegen Mexiko, hatten sie schon wieder vergessen, wann das eigentlich war.

Starke Reaktion auf die Niederlage und auf Zlatan Ibrahimovic

Schweden hat gegen die zuvor zweimal siegreichen Mexikaner eine erstaunliche Reaktion gezeigt - auf die Niederlage gegen Deutschland und alles, was damit zusammenhing; auch auf die Anfeindungen gegen Jimmy Durmaz, der den schicksalhaften Freistoß gegen die deutsche Elf verschuldet hatte, und auf die Kommentare von Zlatan Ibrahimovic.

Offiziell ist die Sturm-Ikone vor zwei Jahren aus der Nationalmannschaft zurückgetreten, doch das hindert Ibrahimovic nicht darin, sich immer wieder zur fußballpolitischen Lage im Allgemeinen und zu Schwedens Auswahl im Besonderen zu äußern. Und so hatte er vor der Partie gegen Mexiko angemerkt, dass mit ihm alles besser laufen würde für sein Land bei dieser WM.

Insofern fand in Jekaterinburg auch ein Akt der Emanzipation von dem eigenwilligen Alleinunterhalter statt. Die schwedische Nationalmannschaft hat mit dem Gruppensieg gezeigt, dass sie Ibrahimovic nicht mehr braucht, weil sie jetzt eine Mannschaft ist. "Wir haben uns konstant in die richtige Richtung bewegt. Darüber bin ich sehr, sehr erfreut. Das ganze Team verdient Respekt", sagte Trainer Andersson.

Bislang beste Turnierleistung

Die Turbulenzen der vergangenen Tage haben bei den Schweden keine Schäden hinterlassen, zumindest keine, die auf dem Rasen sichtbar gewesen wären. Die Mannschaft bot gegen Mexiko ihre bisher beste Turnierleistung und gewann auch in der Höhe verdient.

In der ersten Halbzeit fehlte den Schweden noch die Justierung. Entweder schossen sie neben oder über das Tor oder scheiterten an Torwart Guillermo Ochoa. Er zeigte vor allem gegen Marcus Berg eine grandiose Reaktion, die in keinem Zusammenschnitt der besten Paraden der WM fehlen sollte. Nach der Pause schlug Schweden dann zu. Durch den Bremer Ludwig Augustinsson, Kapitän Andreas Granqvist per Elfmeter und Mexikos Verteidiger Edson Álvarez per Eigentor.

Trainer Andersson nahm die Tore beinahe ungerührt hin, in seinem Gesicht war kaum eine Regung zu erkennen. Möglicherweise traute er dem Frieden noch nicht. "Ich vergesse manchmal zu feiern. Ich denke immer schon einen Schritt weiter", sagte er. Erst nach dem Schlusspfiff konnte er sich ohne Vorbehalte freuen.

Versöhnliche Atmosphäre

Die Mexikaner mussten noch einen Moment warten, bis die Niederlage der Deutschen gegen Südkorea feststand. Erst dann war klar, dass auch sie den Einzug ins Achtelfinale geschafft hatten. Als Mexikos Fans nach der Partie das Stadion verließen, stimmten sie Lieder auf Südkorea an. Es waren Lieder des Dankes. Die Atmosphäre in der Arena von Jekaterinburg war geprägt von Versöhnlichkeit.

Dazu passten auch Anderssons Kommentare, als er noch einmal auf die Partie gegen Deutschland angesprochen wurde. Nach dem späten Kroos-Treffer hatten sich einige Mitglieder der DFB-Delegation eine Nummer zu offensiv vor der schwedischen Bank gefreut. Ob er deshalb Genugtuung verspüre, jetzt, nach dem deutschen Aus und dem eigenen Weiterkommen, lautete die Frage an Andersson.

Doch der Trainer hatte keine Lust, den Moment des Triumphes für Vergeltung zu nutzen. "Nein, so bin ich nicht. Man spielt, schüttelt sich die Hände, behandelt sich mit Respekt und geht nach Hause", sagte er. Natürlich, das Betragen der DFB-Abordnung habe ihn geärgert: "Aber das war dann. Jetzt ist jetzt."

Das war am Samstag. Oder am Sonntag. Jetzt steht Schweden jedenfalls im Achtelfinale.

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