Ex-Fifa-Boss Blatter in Moskau - auf Einladung von Putin

Eigentlich hat die Fifa Sepp Blatter bis 2021 für alle Fußballtätigkeiten gesperrt. Trotzdem ist der Ex-Fußballboss nun in Russland.

Sepp Blatter in Moskau
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Sepp Blatter in Moskau


"Ich will die WM genießen", sagte Sepp Blatter und grinste. Am Dienstag landete der frühere Fifa-Präsident in Moskau und checkte kurz darauf in einem Nobelhotel in der russischen Hauptstadt ein. Dort gab er dem Schweizer Fernsehen ein Interview und posierte für Selfies.

Für die Fifa ist der Besuch des 82-Jährigen ein Ärgernis. Denn der Verband hat Blatter bis 2021 "für sämtliche nationalen und internationalen Fußballtätigkeiten" gesperrt. Gleichwohl kann ihm die Fifa Stadionbesuche als Privatperson nicht verbieten - erst recht nicht, wenn sie auf Einladung von Wladimir Putin erfolgen.

Der russische Präsident hat Blatter zur WM geladen. Am Mittwoch wird der Schweizer die Partie zwischen Portugal und Marokko auf der Ehrentribüne des Luschniki-Stadions in Moskau verfolgen. Ob Putin und Blatter sich in Moskau persönlich treffen werden, steht noch nicht fest. Aus dem Kreml heißt es, der Staatschef sei in den nächsten Tagen sehr eingespannt.

Putin und Blatter verbindet eine jahrelange Männerfreundschaft. 2010 hatte der damalige Fifa-Chef dafür gesorgt, dass Russland den Zuschlag für die WM 2018 erhielt. Der Ehrenpräsident des Russischen Fußballverbands (RFS), Wjatscheslaw Koloskow, will sich daher in den nächsten Tagen mit Blatter treffen. "Er verhielt sich immer mit großer Liebe zu Russland und war zufrieden, dass die WM in Russland stattfinden wird. Blatter ist ein aufrichtiger Mensch, der Russland und dem russischen Fußball Gutes tut", sagte Koloskow.

Der amtierende Fifa-Boss Gianni Infantino will Blatters WM-Besuch nicht kommentieren. In den vergangenen Monaten hatte Blatter mehrfach in den Medien gegen seinen Nachfolger gestichelt, der ebenso wie er aus dem Schweizer Kanton Wallis stammt. Den Videobeweis, die Aufstockung der WM auf 48 Mannschaften oder die Querelen um den milliardenschweren Verkauf von Wettbewerben hätte es mit ihm nie gegeben, betont Blatter immer wieder - zuletzt auch im russischen Fernsehen.

Er war vor drei Jahren über eine dubiose Millionenzahlung an den deshalb ebenfalls gesperrten früheren Uefa-Präsidenten Michel Platini gestolpert. Trotzdem ließ Blatter zuletzt durchblicken, dass er sich eigentlich noch immer als rechtmäßigen Fifa-Präsidenten betrachte: "Ich wurde 2015 auf vier Jahre gewählt, trat nie zurück, wurde nie abgewählt" sagte Blatter: "Ich habe mein Mandat nur zur Verfügung gestellt, später bin ich wegen der Untersuchung der Bundesanwaltschaft suspendiert worden. Gemäß Statuten muss man einen Präsidenten abwählen."

syd/sid/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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Gottloser 19.06.2018
1. Psychopathen
In Qualitätsmedien? Lasst den doch dort sein. Es gibt in freien Ländern kein Reiseverbot und es ist egal, wer wen eingeladen hat, Alles andere wäre Mediendiktatur. Kommt leider immer öfter vor.
In Kognito 19.06.2018
2. Er hat den Fussball groß und profitabel gemacht!
Blatter hat es verdient. Und da es, dank ihm, jetzt um Mrd. geht und er sich politisch nicht reinreden ließ (Brief McCain), starte die "CIA-Operation Blatter", die mit Vergabe der Mrd. an die USA als "Mission acomplished" zu werten ist. Ab jetzt heiß FiFa "Korruption" - Sponsoring und Wahlkampf-Spenden und alles ist in den richtigen Händen und Banken.
taglöhner 19.06.2018
3. Leuchten für Putin
Ein bissel wie beim Dschungelcamp. Bin mal gespannt was für Zombies noch so auftauchen im Promi-Mangel.
fixik 19.06.2018
4.
Ich sehe kein Problem darin, dass Blatter sich ein Fußballspiel anschauen möchte. Ich verstehe auch nicht ganz, was dieser Artikel soll. Gibt es jemanden, der hier ein Problem oder Diskussionsbedarf sieht? Wenn ja, soll man demjenigen einfach erklären was Demokratie und Menschenrechte bedeuten. Blatter wurde nicht verhaftet und darf sich frei bewegen. Nebenbei verstehe ich nicht was es mit der Suspendierung auf sich hat. Ein FIFA-Chef darf nur abgewählt werden und Blatter wurde nie abgewählt und die Amtszeit ist noch nicht zu Ende? Daaaaas wäre dann ein Skandal. Rechtsstaatlichkeit muss auch zum Fußball gehören. Es wäre für mich auch ein Skandal wieso ein FIFA-Chef nicht suspendiert werden darf. Da hat sich die FIFA tolle Regeln einfallen lassen. Trotzdem! Man hat sich an die geltenden Regeln zu halten. Hier darf es keine Ausnahmen geben, zumal hier eh keinen so dringenden Grund gab sich nicht an die Paragraphen zu halten. Die Rechtsstaatlichkeit muss man immer einhalten und nicht nur wenn es einem gefällt. Nur wie sieht es jetzt aus? Darf ein FIFA-Chef wenigstens jetzt suspendiert werden?
In Kognito 19.06.2018
5. Promi-Mangel? Wer ist bei Ihnen "Promi"?
Zitat von taglöhnerEin bissel wie beim Dschungelcamp. Bin mal gespannt was für Zombies noch so auftauchen im Promi-Mangel.
Für Putin waren schon alle wichtigen Spieler zukünftigen Wirtschaftszentren da: Saudis, Chinesen, Japanisches Kaiserhaus, alle Zentralasiatischen Republiken, Lateinamerikaner. (West) Europa hat abgewirtschaftet und die USA schicken die meisten Zuschauer. Der POTUS twittert und Russland macht SEIN DING.
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