Taktikanalyse Warum Iran Spaniens schwerster WM-Gegner war

Aufatmen, Spanien: Das Iran-Spiel wird die schwerste Prüfung für den Weltmeister von 2010 gewesen sein. Wie anspruchsvoll es ist, diesen Außenseiter zu schlagen, wird nun Portugal spüren. Drei Thesen zum knappen Erfolg.

David Silva wird im Zweikampf bearbeitet
AP

David Silva wird im Zweikampf bearbeitet

Von Michel Massing und


1. So schwer wird es Spanien nicht mehr haben

Iran legte bei der 0:1-Niederlage gegen Spanien den Fokus auf das Spiel "Gegen den Ball". Der Terminus beschreibt das Verhalten einer Mannschaft in der Defensive, wenn der Gegner den Ball hat. Und Spanien hatte oft den Ball (77,9 Prozent Spielanteile). Iran formierte sich in einem sehr defensiven 6-3-1 dagegen und beschäftigte sich fast ausschließlich damit, das eigene Tor zu verteidigen. Die Pass- und Laufwege für die Spanier waren so zugestellt und viele Angriffe verpufften.

Ein Beispiel: Isco spielte im WM-Duell von seinen 103 Zuspielen nur fünf erfolgreiche Pässe in den Strafraum, lediglich ein einziger wurde zu einer Torschussvorlage.

Hier die gute Nachricht für spanische Anhänger: Im weiteren Turnierverlauf wird es für Spanien einfacher. Die bereits ausgeschiedenen Marokkaner werden sich sicherlich mit einem Erfolg aus Russland verabschieden wollen. Ihre Spielanlage ist zudem offensiver ausgerichtet. In der für Spanien wahrscheinlichen K.-o.-Phase warten dann ohnehin mehr Teams, die auch selbst agieren wollen.

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Gegen die möglichen Achtelfinalgegner Russland und Uruguay werden sich mehr Räume ergeben. Je stärker der Gegner, je mehr dieser selbst Tore erzielen möchte, umso leichter wird es Spanien haben, aus dem eigenen Ballbesitz auch Chancen zu kreieren. Hinweise darauf gab das hochklassige 3:3 im ersten Gruppenspiel gegen Portugal.

2. Costa ist der Ronaldo Spaniens

Das spanische Team ist für sein typisches Kurzpass- und Ballbesitzspiel bekannt. Bis zur Halbzeit hatten Isco (55 erfolgreiche Pässe) und Sergio Ramos (53) jeweils mehr Pässe gespielt als die komplette iranische Mannschaft (49). Allerdings brauchte Spanien bis in die Nachspielzeit der ersten Hälfte, um zum ersten Mal wirklich gefährlich vor das Tor des Gegners zu kommen.

Dass es dennoch zu einem Sieg reichte, war Diego Costa zu verdanken. Der Stürmer wurde meist gedoppelt und erzielte dennoch - wenn auch etwas glücklich - den wichtigen Siegtreffer. Costa hat damit mit vier Schüssen, die er in den bisherigen zwei WM-Spielen auf das Tor des Gegners abgab, drei Mal getroffen.

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Spaniens Sieg gegen Iran: Der Stürmer für den Unterschied

Costa ist für Spanien ähnlich wichtig wie Cristiano Ronaldo für Portugal. Beide Teams erzielten bisher jeweils vier Treffer. Costa davon drei, Ronaldo ist sogar für alle vier Tore seines Teams verantwortlich. Kurz: Diese beiden Spieler machen den Unterschied aus.

3. Achtung, Portugal: Iran ist respektlos!

Portugal ist der nächste Gegner des Iran. Worauf muss sich der Europameister vorbereiten? Bis zum Gegentreffer in der 54. Minute igelte sich Iran gegen Spanien ein. Anschließend bewies das Team, dass es auch Ideen für ein Spiel mit dem Ball hat. Vier ihrer fünf Abschlüsse aus dem Strafraum der Spanier gaben die Iraner ab der 59. Minute ab.

Die Szene, in der Vahid Amiri den Weltklasse-Innenverteidiger Gerard Piqué tunnelte und die beste Chance des Spiels durch Mehdi Taremi einleitete, sollte für Portugal eine Warnung sein. In seinem letzten Gruppenspiel braucht Iran einen Sieg. Ihr freches Spiel nach vorne, das sie nach dem Gegentreffer zeigten, beweist, dass die Iraner durchaus gefährlich sein können, wenn sie müssen. Und im letzten Vorrundenspiel müssen sie.

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