Frankreichs Unentschieden gegen Dänemark Zum Remis rotiert

Gleich sechs Franzosen feierten gegen Dänemark ihr Startelfdebüt - empfehlen konnte sich keiner. Dänemarks Fußballkönig dagegen wusste in ungewohnter Rolle zu glänzen. Alles Wichtige zum Spiel.

Kylian Mbappé (l.) und Ousmane Dembélé
REUTERS

Kylian Mbappé (l.) und Ousmane Dembélé

Von Philipp Awounou


Die Leiden des Tom Bartels: "Wie kommentiere ich ein Spiel, bei dem kaum ein Spieler bereit ist, an seine Leistungsgrenze zu gehen?", seufzte ARD-Kommentator Tom Bartels nach 75 zähen Minuten zwischen Frankreich und Dänemark ins Mikrofon. Und wenig später: "Dieses Spiel lässt an Fantasie alles vermissen."

Das Ergebnis: Nach 90 Minuten trennten sich Dänemark und Frankreich 0:0 (0:0). Als erstes Spiel der WM 2018 endete die Partie torlos - und das vollkommen zu Recht. Hier geht es zur Meldung.

Missglückte Bewerbung: Da die Équipe Tricolore bereits vor der Partie gegen Dänemark sicher für das Achtelfinale qualifiziert war, rotierte Frankreichs Trainer Didier Deschamps ordentlich durch. Gleich sechs französische Spieler feierten im dritten Gruppenspiel ihr Startelfdebüt, darunter namhafte Akteure wie Ousmane Dembélé (FC Barcelona), Thomas Lemar (AS Monaco) oder Steven N'Nzonzi (FC Sevilla). Für höhere Aufgaben konnte sich von ihnen keiner empfehlen.

Die erste Hälfte: Frankreich hatte 45 Minuten lang Kontrolle, aber auch 45 Minuten lang kaum Ideen. Drei harmlose Fernschüsse (15. Minute, 33., 38.), mehr brachte der Favorit trotz 72 Prozent Ballbesitz gegen defensiv eingestellte Dänen nicht zustande. Die Skandinavier wiederum kamen einem Treffer am nächsten, als Christian Eriksen den Ball nach einem schnellen Konter fast am zu zögerlich herauseilenden Steve Mandanda vorbei ins Tor spitzelte (39.). Mehr passierte nicht, es war die Halbzeit mit den wenigsten Torabschlüssen (sechs) im gesamten Turnier.

Die zweite Hälfte: Durchgang zwei verlief weniger einseitig, was Ballbesitz und Spielanteile betrifft - jedoch nicht minder zäh als die ersten 45 Minuten. Dänemark gelang nicht mehr als zwei unplatzierte Distanzschüsse von Eriksen (54. und 59.). Aufseiten Frankreichs sorgten die eingewechselten Nabil Fekir und Kylian Mbappé zumindest in Ansätzen für Gefahr, doch Fekir scheiterte mit den vielversprechendsten Abschlüssen des gesamten Spiels am Außennetz (70.) beziehungsweise an Keeper Kasper Schmeichel (82.).

Tooor in Sotschi: Frankreich und Dänemark spielten in Moskau. Wirklich laut wurde es im Lushniki-Stadion jedoch nur zwei Mal: nämlich als die Peruaner im Parallelspiel in Sotschi trafen. Durch den 2:0-Sieg der Südamerikaner gegen Australien war Dänemark unabhängig vom eigenen Ergebnis für die K.-o.-Runde qualifiziert - zur Freude der gelangweilten dänischen Fans in Russlands Hauptstadt.

Nimm du, ich hab ihn: Die Abstimmungsprobleme in Frankreichs umsortierter Offensive waren immens. Exemplarisch dafür eine Angriffssequenz aus der 28. Minute: Erst standen sich Antoine Griezmann und Lemar binnen wenigen Sekunden gleich zweifach auf den Füßen, dann flankte Griezmann ins Zentrum, wo er Dembélé wähnte. Der hatte seinen Lauf jedoch nur angetäuscht und so segelte die Hereingabe ins Nichts. Schwere Kost.

Royale Demut: 17 Tore erzielte "König Christian", wie die Dänen ihren Superstar Eriksen nennen, in den vergangenen 20 Länderspielen vor der Partie in Moskau. Gegen Frankreich war der Mittelfeldstratege überwiegend defensiv gefragt - und zeigte dabei tadellosen Einsatz. Immerhin 50 Prozent seiner Zweikämpfe gewann der 26-Jährige, deutlich mehr als sein Gegenüber N'Golo Kanté (33 Prozent).

Fotostrecke

32  Bilder
Powerranking aller WM-Teilnehmer: Vier Top-Teams - und den Titel holt...

Topfavorit? Vor der WM landeten die Franzosen im Powerranking von SPIEGEL ONLINE auf Platz 1. Nach einer spielerisch dürftigen Gruppenphase hat sich das Team diesen Status nicht länger verdient - trotz sieben Punkten. In der K.-o.-Phase wird sich die Équipe Tricolore steigern müssen, wenn es nach der Vize-Europameisterschaft 2016 mit dem Titel klappen soll.

Fazit: Frankreich und Dänemark taten im abschließenden Gruppenspiel nicht mehr als nötig. Unterhaltung boten die Teams keine - für das Achtelfinale sind sie trotzdem qualifiziert. Als Gruppensieger gehen die Franzosen Kroatien aus dem Weg. Denn auch wenn am Samstag (16 Uhr MEZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE) nun Argentinien wartet - die Kroaten waren im Turnier bisher das deutlich stärkere Team.

Dänemark - Frankreich 0:0 (0:0)
Dänemark: Schmeichel - Kjaer, Christensen, M. Jörgensen - Darlsgaard, Delaney (90.+2 Lerager)), Eriksen, Stryger Larsen - Braithwaite, Sisto (60. Fischer) - Cornelius (75. Dolberg)
Frankreich: Mandanda - Sidibé, Varane, Kimpembe, Lucas (50. Mendy) - N'Zonzi, Kanté - Dembélé (78. Mbappé), Griezmann (68. Fekir), Lemar - Giroud
Schiedsrichter: Ricci (Brasilien)
Gelbe Karten: M. Jörgensen / -
Zuschauer: 78.011



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
RalfHenrichs 26.06.2018
1. Die Schande von Luschniki
Klar ist: jeder Fussballfan sollte nun im Achtelfinale den Gegnern von Frankreich und Dänemark die Daumen drücken. Es wäre ein Fest für den Fussball, wenn Teams mit einem solchen Ballgeschiebe zumindest nicht übers Achtelfinale hinauskommen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.