Uruguays Cavani und Suárez Zwei Künstler entzaubern Ronaldo

Uruguay überzeugte bislang durch seine überragende Verteidigung. Beim Sieg über Portugal begeisterten aber die Stürmer Cavani und Suárez. Viertelfinalgegner Frankreich sollte gewarnt sein.

Edinson Cavani und Luis Suárez
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Edinson Cavani und Luis Suárez


Tor des Turniers: Wir haben den Freistoß von Cristiano Ronaldo gegen die Spanier gesehen, den Fernschusstreffer von Benjamin Parvard gegen Argentinien und die wunderbare Ballmitnahme samt Verwertung von Lionel Messi gegen Nigeria - doch das 1:0 der Uruguayer von Edinson Cavani in der 7. Minute war eines aus dem obersten Regal der fußballerischen Feinkostabteilung.

Cavani leitete den Treffer selbst mit einem punktgenauen Seitenwechsel zu Sturmpartner Luis Suárez auf die linke Angriffsseite ein. Dieser blickte hoch, entdeckte den durchgestarteten Kollegen und flankte ihn exakt und mit hohem Tempo zurück, so dass Cavani ihn halb mit dem Kopf, halb mit der Schulter ins Tor wuchten konnte. Ergriffen von der Schönheit dieses Treffers kamen dem Torschützen die Tränen. Dem Betrachter auch. Ein bisschen.

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Uruguay im Viertelfinale: Wer braucht Ronaldo, wenn er Cavani hat?

Tor des Turniers, Nummer zwei: Der zweite Treffer von Cavani. Aber dazu später mehr.

Ergebnis: Uruguay bezwingt Portugal 2:1 (1:0) und zieht ins Viertelfinale ein. Hier geht es zur Meldung.

Die erste Hälfte: Portugal begann druckvoll, in der 6. Minute setzte Ronaldo seinen ersten Schussversuch ab, doch nur 60 Sekunden später schockte Gegner Uruguay den Europameister mit beschriebenem Traumtor. Außer einem Ronaldo-Freistoß in die Mauer (32.) kam von den Portugiesen zunächst nichts Erwähnenswertes, auf der gegenüberliegenden Seite scheiterte Suárez ebenfalls mit einem Freistoß an Rui Patrício. Das war's.

Rückstand? Schon verloren: Nach sieben Minuten hätten die Portugiesen eigentlich schon den Platz verlassen können. Einen Sieg nach 0:1-Rückstand gab es in einem WM-Spiel für sie zuletzt am 23. Juni 1966: Damals drehten sie sogar noch ein 0:3 gegen Nordkorea. Der große Eusébio traf vierfach beim 5:3-Erfolg.

Die zweite Hälfte: Der mittlerweile bei Besiktas Istanbul gelandete Innenverteidiger Pepe brachte die Portugiesen mit einem Kopfballtreffer (55.) zurück ins Spiel. Doch die Freude über das Tor des 35-Jährigen währte nur sieben Minuten. Rodrigo Betancur trieb einen perfekten Konter auf dem rechten Flügel voran, legte dann scharf quer, Suárez ließ durch und Cavani schoss den Ball vom linken Strafraumeck aus mit der rechten Innenseite ins lange Eck. Danach machte der zweimalige Weltmeister dicht und ließ außer einem Schuss von Bernardo Silva nach einem Patzer von Torhüter Fernando Muslera (70.) nichts zu.

Mehr als nur Defensive: Prunkstück Abwehr - das Tor von Portugals Pepe war der erste Gegentreffer Uruguays in diesem Turnier und der erste überhaupt seit November 2017. An der Klasse ihres Offensivspiels bestanden bislang allerdings arge Zweifel: Alle fünf Turniertore fielen in der Gruppenphase nach Standardsituationen: drei nach Eckbällen, eines nach einem direkten, eines nach einem indirekten Freistoß. Die Harmlosigkeit aus dem Spiel heraus ist jetzt seit dem Achtelfinale erledigt.

Und Ronaldo? Um 17.53 Uhr hatte sich sein ewiger Rivale Messi aus dem Turnier verabschiedet, exakt vier Stunden später folgte ihm der amtierende Weltfußballer. Sechs Schüsse gab er im Verlauf der Begegnung ab (einen mehr als die komplette Mannschaft Uruguays), am Tor seines Teams war er nicht beteiligt. So bleibt eine absurd anmutende Statistik: Ronaldo ist - genau wie Messi - weiterhin ohne Treffer und ohne Torvorbereitung in einem K.-o.-Spiel bei einer Weltmeisterschaft. Dass er mit nunmehr kombiniert 38 WM- und EM-Partien mit dem bislang alleinigen Rekordhalter Bastian Schweinsteiger gleichgezogen hat, wird ihn kaum trösten.

Suárez/Cavani: Wohl dem, der ein solches Angriffsduo zur Verfügung hat. Von Cavanis 45 Treffern im Nationaltrikot hat ihm Suárez zwölf aufgelegt, vier Tore haben sich die beiden nun in diesem Turnier gegenseitig vorbereitet. Mehr schafften seit Beginn der Datenerfassung nur Grzegorz Lato und Andrzej Szarmach aus Polen 1974 und die DFB-Kicker Michael Ballack und Miroslav Klose 2002. Ob Suárez und Cavani im Viertelfinale gegen Frankreich (6. Juli, Liveticker SPIEGEL ONLINE) nachziehen können, scheint jedoch fraglich. Cavani musste verletzt ausgewechselt werden.

Die Szene des Spiels: Als Cavani eine gute Viertelstunde vor Schluss mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Platz humpelte, stützte ihn sein Gegenspieler Ronaldo. Trotz Rückstand ohne Hast. Wie zwei der ganz Großen des Weltfußballs sich da langsam der Außenlinie näherten, wird eines der prägenden Bilder dieses Turniers bleiben.

Uruguay - Portugal 2:1 (1:0)
1:0 Cavani (7.)
1:1 Pepe (55.)
2:1 Cavani (62.)
Uruguay: Muslera - Cáceres, Gímenez, Godín, Laxalt - Torreira, Nández (81. C. Sánchez), Betancur (63. Rodríguez), Vecino - Cavani (74. Stuani), Suárez
Portugal: Rui Patrício - Ricardo, Pepe, Fonte, Guerreiro - Bernardo Silva, Adrien Silva (65. Quaresma), Caravalho, João Mário (85. Fernandes) - Guedes (74. André Silva), Ronaldo
Schiedsrichter: Ramos Cesar (Mexiko)
Gelbe Karten: - / Ronaldo



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Nonvaio01 01.07.2018
1. Das Uruguay gewinnt
habe ich erwartet. Uruguay hat 1 Totr erzielt und dann gewartet, als man noch eines schiessen musste hat man das dann schnell wieder erledigt. Respect vor der mannschaft. Macht nur das noetigste das aber sehr schoen anzusehen. Frankreich hat keine chance.
muensterneu 01.07.2018
2. Großartig...
.... was ein so kleines Land wie Urugay ( Berlin hat mehr Einwohner ) fussballerisch immer und immer wieder auf die Beine stellt. Eine unglaublich kampfstarke Mannschaft, die auch technisch überzeugt. Und von einem bewundernswerten, kompetenten Trainer hervorragend eingestellt. Mit einem Plan . ( Also eher das Gegenteil des hiesigen Sonnenkönigs ). Auch da, durchaus ältere Herren. Aber da, im Gegensatz zum Weltmeister willige und motiviertere . So deutlich wird durch diese Spiele, wie unser Bundestrainer in diesem Turnier faul und behäbig und ohne jede geistige Anstrengung agierte. ich möchte nicht missverstanden werden; ich sehe die langjährigen Verdienste ohne jeden Zweifel. Für mich ist es aber zwingend ( und das ist keine neue Erkenntnis ), nach dem Zenit den Stecker zu ziehen. Was nicht nur für den Trainer gilt; ebenso für das Management und manche Spieler. Leider fehlt dem Controlling ( dem DFB ) immer schon der Wille und die Kompetenz diesen Vorgang ehrenvoll, mit Würde, aber dennoch hart und professionell zu bewerkstelligen. Ein Letztes: Christiano Ronaldo hat ganz viel mehr an Seiten, die ihn zum Spott so vieler machen. Ein Topspieler mit unendlich vielen Facetten. Wäre er ein deutscher Fussballer , man würde ihm uneingeschränkt huldigen.
gerechtzz 01.07.2018
3.
Ronaldo wollte Cavanis Abgang beschleunigen. Das war keine Nettigkeit. Sieht man daran, dass er ihn direkt zur Aussenlinie drängelt, statt ihn quer übers Feld humpeln zu lassen.
rimaldo 01.07.2018
4. Uruguay war Favorit
Sogar bei den Wettanbietern war Uruguay Favorit, nur SPON hatte es nicht mitbekommen.
Schiri-Schreck 01.07.2018
5. nur mal so
Kann mir jemand erklären, wieso ein Schiri aus Lateinamerika dieses Spiel gepfiffen hat???
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