Thesen zum WM-Achtelfinale Warum Portugal gegen Uruguay ausscheiden wird

Während Portugal mit Minimalaufwand durch die Vorrunde kam, dominierte Uruguay seine Gruppe. Die Südamerikaner sind genau dort stark, wo der Europameister schwächelt. Drei Gründe für Portugals Ausscheiden.

Stürmer Cavani (l.) mit Abwehrchef Godín
AFP

Stürmer Cavani (l.) mit Abwehrchef Godín

Von Philip Dehnbostel und Michel Massing


1. Die schwachen Leistungen in den letzten beiden Spielen

Im letzten Gruppenspiel gegen Iran tat sich Portugal sehr schwer und hätte um ein Haar den Achtelfinaleinzug verpasst. Der Europameister kam trotz 73,4 Prozent Ballbesitz nur zu vier Schüssen auf das gegnerische Tor. In der zweiten Hälfte war es sogar nur ein Torschuss. Ihr einziger Treffer direkt vor der Pause war eine herausragende Einzelleistung von Ricardo Quaresma.

Im Spiel gegen Marokko war Portugal keineswegs besser aufgetreten, allein das Ergebnis las sich beim 1:0-Erfolg besser. In diesem zweiten Gruppenspiel kamen die Portugiesen auf zwei Torschüsse in der gesamten Partie. Schon in diesem Spiel bauten sie in der zweiten Hälfte deutlich ab, blieben ohne Torschuss und siegten dank eines Kopfballs von Cristiano Ronaldo aus der 4. Minute. Führt man sich die Spiele gegen Iran und Marokko vor Augen, sorgt ein Blick auf das Achtelfinale gegen Uruguay für eine klare Prognose: Portugal wird gegen die Celeste ausscheiden.

Cristiano Ronaldo
AFP

Cristiano Ronaldo

2. Edinson Cavani und Luis Suárez

Mit einem furiosen 3:3 gegen Spanien war Portugal in die WM gestartet. Gegen den großen Konkurrenten der Gruppe zeigte Portugal durchaus einige seiner Stärken, etwa das gefährlich Konterspiel. Allerdings fiel auch das teilweise arg lässige Abwehrverhalten auf, das drei Gegentore zur Folge hatte. Wäre Ronaldo nicht kurz vor Schluss ein Freistoßtreffer gelungen, der Start in die WM wäre misslungen.

Die defensiven Mängel setzten sich in den folgenden Partien gegen die Kleinen der Gruppe fort, schienen sogar schlimmer geworden zu sein. Vor allem Marokko sorgte mit seinem direkten Spiel für Szenen, die Trainer Fernando Santos nicht gefallen konnten. Immer wieder tauchten die Marokkaner im Strafraum Portugals auf und kamen aus guten Positionen zum Abschluss (elf Schüsse aus dem Strafraum).

Sowohl Iran als auch Marokko hatten gegen den Europameister gute Tormöglichkeiten, verfügten aber nicht über die Qualität im Angriff, diese auch zu nutzen. Im Achtelfinale heißen die gegnerischen Angreifer Edinson Cavani und Luis Suárez.

Luis Suárez (l.) und Edinson Cavani
AFP

Luis Suárez (l.) und Edinson Cavani

3. Godín und die starke Defensive

Uruguay musste in drei Gruppenspielen noch keinen Gegentreffer hinnehmen. Zusammen mit Kroatien sind sie das einzige Team dieser WM, das mit weißer Weste dasteht. Exemplarisch für die starke Abwehrleistung der Himmelblauen steht Kapitän Diego Godín von Atlético Madrid. In den drei Spielen gehörte er immer zu den besten Zweikämpfern seines Teams (er gewann 73,3 Prozent seiner Zweikämpfe gegen Ägypten, 62,5 Prozent gegen Saudi-Arabien und 70 Prozent gegen Russland).

Ob nun gemeinsam mit Vereinskollege José Giménez oder wie im letzten Spiel gegen Russland mit Sebastián Coates, Godín war nicht zu überwinden. In drei Spielen ließ die Defensive Uruguays nur sechs Schüsse auf das Tor zu. Besonders stark zeigte sich die Innenverteidigung beim Abwehren von Flanken. Uruguays Gegner konnten in drei Spielen erst einen Torabschluss per Kopf anbringen - und das bei 37 Hereingaben aus dem Spiel.

Nach holprigen, aber effizienten Auftritten in der Gruppenphase trifft der Europameister nun auf eine Mannschaft ohne Gegentor, die mit Diego Godín einen der besten Abwehrspieler des Turniers aufbieten kann und deren gesamtes Defensivkonstrukt über viele Jahre gewachsen ist. Als Tabellenerster der Gruppe hätte Portugal gegen Russland sehr gute Chancen gehabt. Gegen Uruguay wird Portugal ausscheiden.



insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
torflut 26.06.2018
1. Schaum na mal
... aber eine Unbekannte bleibt. Sie nennt sich CR7 und führt dazu, dass ich auf dieses AF dennoch sehr gespannt bin!
ollis.post 26.06.2018
2.
Und wenn Portugal dennoch gewinnt? Denkt der Redakteur: „Tja, Pech gehabt“ und arbeitet am nächsten Tag weiter. Hoffentlich nicht mehr im Sport Ressort.
Klangstof 26.06.2018
3. "La Celeste"...
...ist der korrekte Spitzname für Uruguay. Die "Albiceleste" (Weiß-Himmelblaue) sind die Argentinier. Ansonsten würde ich auch vom Gefühl her sagen, dass Uruguay eine gute Chance hat, die Portugiesen nach Hause zu schicken. Uruguay hat in 2018 alle Länderspiele inkl. den drei Gruppenspielen zu Null gewonnen. Die Defensive, von Godin organisiert, ist schon ein Prachtstück, allerdings waren die Gruppengegner im internationalen Maßstab nur zweit- bzw. drittklassig. Dennoch finde ich die Offensive von Uruguay gefährlicher, eiskalter. An der Weltklassequalität von Suarez und Cavani gibts keine Zweifel. Am Ende ist es aber so, dass das nächste Spiel immer das schwerste ist. Von den taktischen Voraussetzungen wird es aber sicher kein Leckerbissen mit Hacke, Spitze, 1-2-3 sondern wohl eher ein Abnutzungskampf und vielleicht auch hier und da mit Krampf. Ein knappes Ergebnis dürfte wohl sicher sein, egal in welche Richtung.
Nonvaio01 26.06.2018
4. ich denke es gibt keinen favoriten
in diesem spiel. Portugal hat probleme wenn Team tief stehen und kontern. darum auch das 3-3 gegen Spanien, da die nicht tief stehen hatte man platz. Uruguay wird eine kontrollierte offensive spielen, wo die abwehr nicht an der mittellinie steht (spanien). Ich tippe auf Elfmeter schiessen.
zauberer2112 26.06.2018
5. Na und?
CR7 wird dennoch der ewige weltbeste Weltfußballer aller Zeiten bleiben und selbstverständlich nach dem Finale zum besten Spieler des Turniers gekürt werden. Wer sonst?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.