WM in Russland Was macht eigentlich Wladimir Putin?

Als Russlands Nationalmannschaft spektakulär Spanien besiegte, fehlte Wladimir Putin im Stadion - der Präsident macht sich rar bei der WM. Er kann es, weil sein Plan aufgeht.

Putin-Poster im WM-Stadion
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Putin-Poster im WM-Stadion

Aus Rostow am Don und Moskau berichtet


Einer fehlt - und das ausgerechnet bei diesem historischen Sieg: Wladimir Putin ist nicht im Luschniki-Stadion in Moskau, als die russische Mannschaft im Elfmeterschießen gegen den Favoriten Spanien gewinnt und ins Viertelfinale der WM einzieht. Der Jubel ist überschwänglich, überall in diesem riesigen Land feiern die Menschen ausgelassen den unerwarteten Erfolg.

In der Kabine gratulieren Premier Dmitrij Medwedew, sein Stellvertreter und Witalij Mutko den Spielern, ausgerechnet Mutko, der wegen des staatlich organisierten Dopingsystems als Sportminister zurücktreten musste.

Die Presse überschlägt sich. "Hurrraaaa. Du bist der Kosmos, Stas" schreibt "Sportexpress" über Trainer Stanislaw Tschertschessow. Die "Komsomolskaja Prawda" titelt "Fantastischer Sieg", "Weiter so!" , "Iswestija" und "Kommersant" sind sicher: "Wir schaffen das!".

Putin kommt nur am Rande in den Berichten vor, er lässt Kreml-Sprecher Dimitrij Peskow sprechen. Der teilt mit, dass der Präsident zweimal Trainer Tschertschessow angerufen habe, einmal vor dem Spiel gegen Spanien und einmal nach dem Erfolg, um ihn dazu zu beglückwünschen. Natürlich habe sich Putin das Spiel "von Anfang bis Ende" angeschaut, nur leider habe es der Zeitplan des Staatschefs ihm nicht erlaubt, selbst ins Stadion zu kommen. Der Präsident sei sehr beschäftigt.

Das war er bereits gegen Ägypten (3:1), da weilte er beim weißrussischen Autokraten Alexander Lukaschenko in Minsk. Und auch beim 0:3 gegen Uruguay war Putin nicht im Stadion. Amtsgeschäfte, hieß es.

Anders als viele dachten, nutzt der russische Präsident als Gastgeber der WM das Turnier bisher nicht für große Auftritte.

Kronprinz Mohammed bin Salman, Fifa-Präsident Gianni Infantino, Wladimir Putin (v.l.)
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Kronprinz Mohammed bin Salman, Fifa-Präsident Gianni Infantino, Wladimir Putin (v.l.)

Nur zwei öffentliche Termine hat er im Zusammenhang mit der WM wahrgenommen. Bei der Eröffnung am 14. Juni hielt er eine kurze Rede und zeigte sich an der Seite des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, dem er nach dem 1:0 die Hand reichte, am Ende stand es 5:0 für Russland.

Am Donnerstag kickte er auf dem Roten Platz einen Ball in ein Tor. Später eröffnete Putin im Fußballpark mit Fifa-Präsident Gianni Infantino, Lothar Matthäus und dem Brasilianer Ronaldo ein Spiel zwischen zwei Kindermannschaften.

Infantino, Putin, Matthäus
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Infantino, Putin, Matthäus

Zudem wurde bekannt, dass er den ehemaligen Fifa-Präsidenten Joseph Blatter empfing, den er persönlich nach Russland eingeladen hatte. Blatter ist von der Fifa gesperrt.

Dass Putin inmitten des WM-Trubels so betont seiner Arbeit nachgeht, ist wohl kein Zufall. Demonstrativ traf er sich während der WM vor wenigen Tagen mit dem US-Sicherheitsberater John Bolton in Moskau, wenig später verkündete der Kreml, dass sich der russische Präsident mit Donald Trump in Helsinki treffen werde, einen Tag nach Ende der WM. Allein die Ankündigung ist ein großer Erfolg, Putin wollte dieses Treffen schon sehr lange.

Auch das Fußballturnier hat sich für ihn jetzt schon absolut gelohnt:

  • Außenpolitisch: Die Bilder des modernen Russlands, die nun aus den WM-Städten um die Welt gehen, verbessern das angeschlagene Image. Russland präsentiert sich als gut organisierter und freundlicher Gastgeber, der die Fans willkommen heißt und ihnen sogar das ermöglicht, was russische Bürger sonst nicht kennen: Man darf jetzt Alkohol auf offener Straße trinken, man darf auf Denkmäler und Laternen klettern, auf Rasenflächen in den Städten schlafen - und die Innenstädte zu Dauerpartyzonen machen. Städte wie Saransk oder Jekaterinburg hatten wohl noch nie so viele ausländische Gäste auf einmal zu Besuch.
  • Innenpolitisch: Putins Beliebtheitswerte sind zuletzt auch in Umfragen kremlfreundlicher Institute gesunken, teilweise auf ein Niveau wie vor der Krim-Annexion. Aber immer noch bewerten mehr als 70 Prozent aller befragten Russen seine Arbeit positiv. So wie Nina Sapolskaja, die auf dem Markt im südrussischen Rostow am Don Sonnenblumenöl verkauft: "Der Präsident bemüht sich sehr. Diese schöne WM haben wir ihm zu verdanken." Ihre Kolleginnen um sie herum nicken. Putin habe ihrer Stadt so viel gegeben: nicht nur das neue Stadion, sondern auch die vielen neuen Straßen.

Dass nun die russische Mannschaft so erfolgreich abschneidet, sorgt für gute Stimmung im Land - und die kann Putin gebrauchen, denn die Beschlüsse, das Rentenalter und die Mehrwertsteuer anzuheben, beunruhigen auch Nina Sapolskaja und ihre Kolleginnen. Auch wenn sie dafür eher Medwedews Regierung als Putin verantwortlich machen, haben Hunderttausende bereits gegen die Reform der Rente unterschrieben. Bei Protesten am Sonntag in mehreren russischen Städten versammelten sich allerdings nur wenige Tausend Menschen.

Die meisten Russen feiern lieber ihren Fußballsommer. Überall im Land sind nun russische Fahnen zu sehen. Bei Fans aus anderen Ländern hat man sich abgeschaut, wie man den weiß-blau-roten Erfolg feiert, malt sich die Nationalfarben ins Gesicht, trötet in Vuvuzelas, bittet brasilianische und mexikanische Fans mit aufs Selfie. Es wird derzeit viel gelacht auf Russlands Straßen. Die Fangesänge sind im Vergleich mit den südamerikanischen oder afrikanischen Fußballgästen noch ausbaufähig, aber immerhin singen sie nun auf den Straßen den Klassiker "Katjuscha".

Ob Putin da nun bald einstimmen wird, ist nicht bekannt. Ob er zum Viertelfinalspiel der russischen Mannschaft gegen Kroatien nach Sotschi reist, seiner zweiten Heimat am Schwarzen Meer, ist noch unklar. Bisher sei das nicht vorgesehen, sagt sein Sprecher. Aber der Zeitplan des Präsidenten könnte sich noch ändern.

Mitarbeit: Tatiana Sutkovaja



insgesamt 19 Beiträge
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Havel Pavel 02.07.2018
1. Er ist ja wohl kein Fussballpräsident
Der Präsident eines solch grossen Landes wird wohl kaum die Zeit dazu haben sich intensiv mit Football zu beschäftigen, sondern währenddessen wichtigere Aufgaben wahrzunehmen haben. Sollten die Russen in das Endspiel kommen wird er wohl sicherlich präsent sein!
fixik 02.07.2018
2.
Ich verstehe auch nicht warum jemals was anders erwartet wurde. Frau Merkel hat ihre WM gebraucht und das auch wie zu erwarten war ausgenutzt. Die WM ins Russland ist aber nunmal nicht Putins WM, wie die WM in Deutschland Merkels WM war. Alles andere wäre absolut unlogisch. Fußball ist Volkssport in Deutschland. Damit kann man Werbung machen. Derselbe Effekt in Russland ist sehr begrenzt. Der zweiter Grund wurde hier bereits genannt. Der Wladimir hat über 70 % Zustimmung. Da kämpft man dann nicht mehr im 2-3 % mehr oder weniger. Wladimir braucht die WM nicht. Ist dazu eh seine letzte Amtszeit. Nochmal darf er nicht antreten und danach ist er wohl zu alt. PS: Was hier für Sachen erzählt werden, die sind mit alle neu. Seit wann darf man in Russland auf der Straße kein Alkohol trinken? Habe ich immer gemacht. Wieso darf man nicht auf eine Laterne klettern? Habe ich jetzt nie gemacht, wie kommt man aber auf die Idee, dass man das nicht darf? Wieso sollte man nicht auf dem Rasen übernachten dürfen? Zu Besoffene werden schon mal rausgefischt. Auch hier in Deutschland. Aber wie oft passiert das schon? Ist mir persönlich noch nie passiert. Auch niemanden den ich kenne. Es gibt diese Ausnüchterungszellen. Aber da muss man wohl richtig besoffen sein um dahin zu landen. Mich hat noch nie ein Polizist dort jemals überhaupt nur angesprochen. Egal wie sehr ich gefeiert habe. Egal um wieviel Uhr. Man muss sich nur normal benehmen. Dann darf man auch um 3 Uhr Nachts auch in der Stadt feiern. So ein Verbot höre ich nämlich auch zum ersten Mal. Irgendwann wird auf manchen Straßen kein Alkohol mehr verkauft. Ist aber normal kein Hindernis. In Clubs wird Alkohol immer verkauft. An der Tankstelle oder im Kiosk vielleicht nicht. Nicht Nachts. Was wohl stimmt, dass die Polizisten jetzt im Moment leicht lockerer sind. Das sind ja auch nur Menschen. Die haben selber gute Laune. Da drückt man wohl eher ein Auge zu.
alex300 02.07.2018
3. Alle wissen, gegen Kroatien
hat Russland kaum eine Chance. Ist aber auch jetzt egal. Russland hatte seine große Finale gegen Spanien. Alles, was jetzt kommt, ist eigentlich schon aus dem Jenseits. Wunder passieren manchmal. Aber doch nicht so oft. Und Putin will sich nicht mit einer Niederlage identifizieren. Lieber gratuliert er der Mannschaft nach der WM!
fixik 02.07.2018
4.
@alex-3000 Gegen Spanien gab es kaum eine Chance. Gegen Kroatien stehen die Chancen gar nicht mal so schlecht, auch wenn Kroatien leichter Favourit sind. Und Putin wird auch nicht mit einer Niederlage identifiziert. Er spielt ja nicht mit. Genau wie ihn niemand mit einem Sieg gegen Spanien identifiziert hat. Putin spielt halt nicht. Er gewinnt hier nicht, er verliert hier nicht. Wieso er selten dabei ist, ist eigentlich auch klar. Das ist halt nur eine Fußball-WM. Die Sache jetzt nicht überbewerten. Hier hat Putin nichts zu gewinnen. Außerdem hat er die Wahl vor kurzem gewonnen. Mit 70 % der Wählerstimmen. Das ist seine letzte Amtszeit. Wozu jetzt noch irgendwelche PR-Auftritte? PR ist vorbei. Zumal wieviel PR bringt Fußball schon in Russland? Das ist kein Volkssport dort. Die gute Stimmung in einem Monat eh verflogen. Sollte irgendein Politiker es irgendwie schaffen mit der Fußball-WM Paar % an Zustimmungswerten zu gewinnen, wird er diese in einem Monat eh wieder verlieren. In einem Monat haben die meisten in Russland schon vergessen, dass es da eine Fußball-WM gab. Es war eh von Anfang an klar, dass für Putin die WM keine Priorität hat. Vielleicht für Medvedev. Er braucht Paar nette Bilder. Ob man aber mit Fußball an Ansehen gewinnen kann, dass bezweifele ich. Die sbornaja kann mit Sicherheit an Ansehen gewinnen. Für Politiker sehe ich da nicht, dass da was zu holen ist. Dass Medvedev überhaupt dabei ist, das ist Wohl Pflichtprogramm. Gehört dazu. Glücklich sieht er im Stadium auch nicht aus. Wohl eher Nachsitzen für ihn. Vielleicht die kleine Hoffnung irgendwie doch was von dem Glanz abzubekommen.
simonweber1 02.07.2018
5. Naja
Zitat von alex300hat Russland kaum eine Chance. Ist aber auch jetzt egal. Russland hatte seine große Finale gegen Spanien. Alles, was jetzt kommt, ist eigentlich schon aus dem Jenseits. Wunder passieren manchmal. Aber doch nicht so oft. Und Putin will sich nicht mit einer Niederlage identifizieren. Lieber gratuliert er der Mannschaft nach der WM!
bei dieser WM kann man mit angeblich fussballtechnisch, logischen Gedankengängen oft daneben liegen, wie man sehen konnte .Niemand hätte ein Pfifferling auf Russland im Spiel gegen Spanien gesetzt. Kroatien, das in der Vorrunde seht gut gespielt hat, hat gestern auch nicht gerade überzeugt. Die Menschen in Russland haben Fussball für sich entdeckt und es herrscht eine euphorische Stimmung. Da würde ich einen "glücklichen" Sieg gegen Kroatien nicht unbedingt ausschließen. Selbst wenn Russland das Spiel verliert, haben sie mehr erreicht als eingeplant war.
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