1:1 gegen Iran Wie Portugal den Titel Titelkandidat verspielte

Portugal sah wie der sichere Sieger der WM-Gruppe B aus. Doch das Match gegen Iran verlief ungemütlich: Videobeweise, ein verschossener Elfmeter, am Ende nur ein dürftiges 1:1. Es folgt: ein verdammt schwerer Weg Richtung Finale.

Ronaldo, Pepe
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Ronaldo, Pepe

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Nein! Doch! Ooooh!: Europameister Portugal führte gegen Iran, Konkurrent Spanien lag im Parallelspiel gegen Marokko zurück. Alles sah nach einem lockeren Gruppensieg aus - der einen relativ leichten Weg bis ins Finale hätte bedeuten können. Dann verschoss Cristiano Ronaldo einen Elfmeter. Dann bekam Iran einen Handelfmeter in der Nachspielzeit zugesprochen. Gleichzeitig traf Spanien im Parallelspiel gegen Marokko. Und dann hatte Iran noch eine Riesenchance zum Siegtreffer, der Portugal ganz aus dem Turnier geworfen hätte. Soll Portugal sich jetzt freuen oder trauern?

Das Ergebnis: Das Spiel zwischen Iran und Portugal endete 1:1 (0:1). Hier geht es zum Spielbericht.

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Portugals Remis gegen Iran: Hauptsache, weiter

Die erste Hälfte: Gegen Marokko und Spanien war Iran extrem defensiv aufgetreten - und hatte damit immerhin drei Punkte geholt. Gegen Portugal brauchte das Team von Carlos Queiroz allerdings einen Sieg. So variierte die Mannschaft Phasen sehr tiefer Positionierung mit plötzlichen Vorstößen. Das Problem: Weder die defensive Ordnung noch die offensive Staffelung waren richtig gut umgesetzt. Das nutzte Portugal kurz vor dem Halbzeitpfiff zur Führung durch Ricardo Quaresma. Der hatte sich an der Seitenauslinie postiert, um Irans Abwehr in die Breite zu ziehen. Von dort aus spielte er einen Doppelpass mit Adrien Silva und schlenzte den Ball in den Torwinkel.

Ricardo Quaresma beim Torschuss zum 1:0
REUTERS

Ricardo Quaresma beim Torschuss zum 1:0

Was war, was ist, der Außenrist: Der menschliche Fuß und der ihm angepasste Schuh sind eigentlich dafür prädestiniert, Fußbälle zu treten, indem sie mit der Innenseite gespielt werden. Dieser sogenannte Innenrist ist nämlich konkav geformt, was optimale Kontrolle über die Flugbahn des Balls gewährleistet. Aber genau wie es Menschen gibt, die gerne ohne Helm und freihändig Motorrad fahren, gibt es auch Menschen, die den Ball lieber mit der Außenseite des Fußes spielen. Diese ist nicht konkav geformt. Mit ihr den Ball zu treten, ist wie mit dem Griff des Messers Zwiebeln zu schneiden. Es sei denn, man ist Ricardo Quaresma. Oder Mats Hummels. Dessen Instagram-Profil heißt @aussenrist15. Aber auch Hummels musste neidlos anerkennen, dass Quaresma in der Fußballwelt der Außenseiter schlechthin ist.

Die zweite Hälfte: Portugal musste gegen eine limitierte Mannschaft wie Iran eigentlich nur noch sicher stehen und irgendwann vorne ein Tor erzielen. Nach 53 Minuten schien dieser Plan aufzugehen, als Cristiano Ronaldo im Strafraum von Irans Kapitän Ehsan Hajsafi gefoult wurde. Schiedsrichter Enrique Cáceres aus Paraguay erkannte das erst nach Ansicht der Videobilder. Aber er erkannte es. Ronaldo jedoch scheiterte mit dem Strafstoß an Keeper Alireza Beiranvand.

Hatte er hier noch Pech, konnte der Weltfußballer in der 83. Minute von Glück sagen, dass er für einen Frustschlag gegen Morteza Pouraliganji nur Gelb sah, weil Cáceres (erneut nach Videobeweis) keine Tätlichkeit erkannt haben wollte. Es folgte die Nachspielzeit. Und (natürlich nach Ansicht der Videobilder) ein Handelfmeter, bei dem Cédric der Ball aus sehr kurzer Distanz an den Arm geköpft wurde - eine harte Entscheidung. Aber Karim Ansarifard verwandelte vom Punkt. Anschließend traf Vahid Amiri noch das Außennetz. Es hätte also sogar noch schlimmer kommen können für Portugal.

Dieser Weg wird kein leichter sein: Wäre es beim 1:0 für Portugal geblieben, oder beim 2:1 für Marokko im Parallelspiel - Portugal wäre Tabellenerster gewesen. Und das hätte bedeutet, dass die vier vermeintlich stärksten Teams des Turniers - Brasilien, Deutschland, Spanien und Frankreich - alle erst im Finale auf den Europameister hätten treffen können. Unter diesen Umständen hätte Portugal sehr weit kommen können mit seinem nicht sehr attraktiven, aber recht effektiven Fußball. Russland, Kroatien, Belgien wären denkbare Gegner auf dem Weg ins Endspiel gewesen. So aber droht Portugal der Pfad Uruguay, Frankreich, Brasilien. Kaum vorstellbar, dass die Mannschaft, die sich gegen Iran und Marokko so schwertat, das schafft.

Iran - Portugal 1:1 (0:1)
0:1 Quaresma (45.)
1:1 Ansarifard (90., Elfmeter)
Iran: Beiranvand - Rezaeian, Pouraliganji, Hosseini, Hajsafi (56. Mohammadi) - Ezatolahi (76. Ansarifard) - Jahanbakhsh (70. Ghoddos), Ebrahimi, Amiri, Taremi - Azmoun
Portugal: Rui Patrício - Cédric, Pepe, José Fonte, Raphaël Guerreiro - Ricardo Quaresma (70. Bernardo Silva), Adrien Silva, William Carvalho, João Mário - André Silva (90. Guedes), Cristiano Ronaldo
Gelbe Karten: Hajsafi, Azmoun / Raphaël Guerreiro, Ricardo Quaresma, Cristiano Ronaldo, Cédric
Schiedsrichter: Cáceres (Paraguay)
Zuschauer: 41.685 (in Saransk)



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gibmichdiekirsche 26.06.2018
1. Knallrot
Im Großen und Ganzen machen die Schiris einen mich überraschend guten Job. Deutlich bessere Leistungen als noch vor 4 Jahren. Auch der Video"beweis" gibt bislang nicht viel Grund zum Meckern - anders als in der Bundesliga. So weit, so gut. Aber wenn Ronaldos Schlag keine knallrot-würdige Tätlichkeit war, dann fällt mir nix mehr ein. Eigentlich mag ich die Portugiesen, aber nach diesem Spiel mögen ihnen die Uruguayer (die ich ebenfalls mag) im Achtelfinale die Ohren lang ziehen. Außerdem sollte man als amtierender Europameister in einer solch prekären Tabellensituation mehr als einen Punkt gegen den Iran einfahren bzw. deutlich mehr für einen Sieg investieren. Nach dem starken 3:3 gegen Spanien zu Beginn kam leider so gut wie nix mehr.
FaselFaselFasel 26.06.2018
2. Es wäre schön gewesen
...hätte Mehdi noch das 2-1 für Iran gemacht und Portugal somit aus dem Turnier geschossen hätte. Und morgen dreht Messi dann mit Argentinien auf und innerhalb von 24 Stunden dreht sich die Messi--Ronaldo-Diskussion in die völlig andere Richtung.
auf_dem_Holzweg? 26.06.2018
3. Portugal hat nur das geliefert
was sie können. Und das ist leider nicht viel. Die haben ihren Superstar, der zugleich das Glück gepachtet hat. Letzteres war in beiden ersten Spielen ergebnisrelevant. Jetzt hat das Glück man nicht so getickt wie geplant und schon wird es eng. Gut dass aber Mannschaften, wie beispielsweise Deutschland auch mal etwas von Ronaldos Glückskuchen abbekommen haben!
hansgustor 26.06.2018
4. Mieses Spiel
Leider haben sich beide Seiten mehr auf das Schauspielern verlassen als auf ihr Fußballkönnen. Den "Schlag" von Ronaldo konnte ich nicht erkennen. Sein Gegenspieler hat sich mit vollem Gewicht in seine Richtung fallen lassen, Ronaldo hat sich versucht davon zu befreien und leicht dass Gesicht des Gegners berührt. Der Gegner hat dann auch erst einen Moment überlegt, bevor er zu einem weiteren theatralischen Sturz angesetzt hat. Der Schiedsrichter hätte Karten für die Schwalben verteilen sollen, dann wäre es ein besseres Spiel geworden.
ge1234 26.06.2018
5. Schwaches Spiel!
Ein unansehnliches Spiel mit einem ansehnlichen Treffer! Viele versteckte und offene Fouls, ewiges Lamentieren! Gerade die Iraner fielen damit auf! Lächerlich und extrem nervend, für jeden Pups den Videobeweis heranzuziehen, der auf diese Weise das Spiel kaputt macht. Die gelbe Karte für CR7 geht in Ordnung, für eine rote Karte hat das Foul (keine Tätlichkeit) nicht gereicht. Der Handelfmeter war ein schlechter Witz!
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