Gesichter Russlands Roman, der Touristenpolizist

In Moskau patrouillieren Touristenpolizisten wie Roman Stepanow. Er ist Ansprechpartner für Gäste, während der WM vor allem für Fans. Der Versuch einer Begegnung mit der Vorzeigepolizei.
Ekaterina Anokhina

In Moskau patrouillieren Touristenpolizisten wie Roman Stepanow. Er ist Ansprechpartner für Gäste, während der WM vor allem für Fans. Der Versuch einer Begegnung mit der Vorzeigepolizei.

Von  und Ekaterina Anokhina (Fotos)


[STECKBRIEF]
Roman Stepanow aus Sergijew Posad
Dienstort Moskau
36 Jahre
Beamter der Touristenpolizei, Rang Kapitan, wie es auf Russisch heißt, entspricht im Deutschland dem Polizeihauptmann

Ekaterina Anokhina

Wenn man Roman Stepanow, Kapitan bei der Touristenpolizei in Moskau, trifft, ist man nie allein. Zum einen ist da sein Kollege Feliks Tokarenko. Zum anderen ist da Swetlana vom Innenministerium. Und die weicht einem nicht von der Seite. Fragen ausschließlich zur Arbeit, gebietet sie streng. Dass auch das Grenzen hat, zeigt sich schnell.

SPIEGEL-Korrespondentin Christina Hebel mit den Touristenpolizisten Roman Stepanow und Feliks Tokarenko; immer mit dabei: Swetlana vom Innenministerium (r.)
Ekaterina Anokhina

SPIEGEL-Korrespondentin Christina Hebel mit den Touristenpolizisten Roman Stepanow und Feliks Tokarenko; immer mit dabei: Swetlana vom Innenministerium (r.)

Ekaterina Anokhina

Wie lange geht Ihr Dienst, Roman?

12 Stunden am Tag.

Wie viele Tage in der Woche arbeiten Sie?

Roman will antworten, Swetlana geht dazwischen. Roman sei nicht befugt, solche Fragen zu beantworten, sagt sie. Das sei nur der Leiter der Einheit.

Er darf nicht sagen, wie viele Tage er arbeitet?

Nein, sagt Swetlana.

Ekaterina Anokhina

Es hat Wochen gedauert, dieses Treffen mit Mitgliedern der Touristenpolizei zu organisieren.

Erste Telefonate begannen im Mai mit dem für die Touristenpolizei zuständigen Innenministerium, die schriftliche Anfrage ging am 18. Mai für ein Treffen Mitte Juni raus. Lange kommt keine Antwort, dann eine Absage, obwohl alle Fristen eingehalten wurden. Als man darauf hinweist, überlegen es sich die Behörden offenbar doch noch einmal, schließlich sind die Touristenstreifen so etwas wie die Vorzeigeeinheit der Polizei. Einen Tag vorher wird das Treffen am Roten Platz auf der Manege im Zentrum Moskaus schließlich bestätigt.

"Ein Fest für alle, ohne Grenzen": Die Touristenpolizei erklärt einem kolumbianischen Fan den Weg
Ekaterina Anokhina

"Ein Fest für alle, ohne Grenzen": Die Touristenpolizei erklärt einem kolumbianischen Fan den Weg

Die Touristenpolizei begann ihre Arbeit in der russischen Hauptstadt 2014, nachdem Innenminister Wladimir Kolokolzew in Israel gesehen hatte, wie solche Touristenstreifen arbeiten. Zu zweit patrouillieren seitdem Beamte jeweils an wichtigen touristischen Punkten in Moskau, auf dem Roten Platz etwa oder auf der Twerskaja Straße. Sie sehen aus wie normale Polizisten, tragen aber das Abzeichen "Tourist Police" auf der Uniform.

Abzeichen der Touristenpolizei
Ekaterina Anokhina

Abzeichen der Touristenpolizei

Sie sollen vor allem für Touristen ansprechbar sein. Die Beamten werden extra kommunikativ geschult, auch zur Geschichte ihrer Stadt, sprechen neben Russisch auch Englisch, lächeln, wenn man sie anspricht - keine Selbstverständlichkeit unter russischen Sicherheitskräften.

Während der WM sind solche Einheiten auch in anderen Turnierstädten unterwegs, etwa Sankt Petersburg und Wolgograd.

Kollege Feliks, 28 Jahre, beantwortet Fragen und macht Selfies mit Fans
Ekaterina Anokhina

Kollege Feliks, 28 Jahre, beantwortet Fragen und macht Selfies mit Fans

Ekaterina Anokhina

"Wieso ist der Rote Platz geschlossen?", ist die Hauptfrage an diesem Tag. Dort hat eine Veranstaltung stattgefunden, es wird noch Technik abgebaut, alles ist abgesperrt. "Morgen ist er vermutlich wieder auf", sagt Roman einer enttäuschten russischen Touristin mit ihrer Tochter, die dort Fotos machen wollte. Nicht die einzige an diesem Tag.

Daumen hoch: Australische Fans bitten die Beamten zum Foto
Ekaterina Anokhina

Daumen hoch: Australische Fans bitten die Beamten zum Foto

Ekaterina Anokhina

Roman erzählt, dass er seit 2010 bei der Polizei arbeite, davor habe er bei der Armee gedient. "In der Armee habe ich mein Vaterland verteidigt, hier kann ich Menschen helfen", sagt er.

Inzwischen ist klar, dass der Polizist nicht nur recht gut Englisch, sondern auch Deutsch spricht. Ob er deshalb als Gesprächspartner ausgewählt wurde, ist nicht klar. Angeblich hat er sich die Sprache allein beigebracht. Jedenfalls plaudert es sich auf Deutsch gleich etwas ungezwungener, und Swetlana steht ein wenig abseits.

Er selbst spiele kein Fußball, er boxe, erzählt Roman. Die WM sei gut für sein Land, nicht nur ein wichtiger Schritt für die Infrastruktur Russlands mit den zwölf neuen Stadien, sondern auch für die Entwicklung des Sports, sagt der Polizist. "Das Turnier zeigt unserer Jugend, dass Sport gut ist für den Geist und die Gesundheit."

Ekaterina Anokhina

Und die Stimmung sei sehr gut. "Alle sind fröhlich, die Fans feiern, das ist gut", sagt er. Und weiter: "Die WM ist nicht nur Sport, sondern ein Fest - und zwar für alle, ohne irgendwelche Grenzen, das stärkt die Freundschaft unter den Völkern." Roman erklärt einer älteren Frau, wo sich argentinische Fans aufhalten könnten, sie will ein Foto für ihren Sohn machen.

"Die Fans machen, was wir sagen": Polizisten Roman (r.) und Feliks
Ekaterina Anokhina

"Die Fans machen, was wir sagen": Polizisten Roman (r.) und Feliks

Ekaterina Anokhina

Ein Foto vor der Uhr, die den Countdown zur WM runtergezählt hat, sei nicht möglich, mischt sich Swetlana nun doch wieder ein. Dort haben sich zahlreiche Fans versammelt, aus Peru und Argentinien, halten Flaggen noch, singen. Das würde die Kamera des Staatsfernsehens stören. Man versteht nicht so recht, was sei meint. Die Beamten Roman und Feliks gehen ein Stück weiter.

Als Dienstältester trägt Roman eine Kamera neben seiner Marke, die während seines Dienstes alles aufzeichnet, dazu Funkgerät und Schlagstock. Mehr an Ausrüstung ist er nicht befugt zu zeigen.

Die Kamera
Ekaterina Anokhina

Die Kamera

Roman, worauf achten sie auf Ihren Rundgängen?

"Das darf ich nicht sagen. Wir erstatten regelmäßig Bericht, per Funk, aber auch persönlich."

Wie arbeiten Sie mit den anderen Sicherheitskräften, der Polizei und nun während der WM der Nationalgarde zusammen?

"Das darf ich nicht sagen."

Wenn Fans in der Öffentlichkeit Alkohol trinken, was verboten ist, wie reagieren Sie?

"Ich sage ihnen, dass das nach den russischen Bestimmungen nicht geht."

Sollten Fans sehr betrunken sein, etwa nach einem Sieg ihrer Mannschaft, was dann?

"Wenn ich den Menschen etwas sage, dann verstehen sie das. Sie machen, was ich sage."

Verstehen sie, dass im Westen viele Angst haben, in der politisch angespannten Lage nach Russland zu kommen?

"Nein, wir sind freundlich. Niemand muss hier Angst haben. Ich verstehe nicht, warum die Menschen Angst haben. Wir tun alles, um das Image unserer Polizei und unseres Landes zu verbessern."

Im Mai hatten Tausende im Zentrum Moskaus nach einem Aufruf des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny gegen Präsident Wladimir Putin protestiert, die Polizei nahm Hunderte fest. Der Ruf der Sicherheitsbehörden hängt auch mit solchen Bildern von Polizeieinsätzen gegen Demonstranten zusammen.

Wie sehen sie das, Roman?

Er überlegt lange, dann sagt der Polizist:

"Ich kann diese Frage nicht beantworten."

Roman und Feliks müssten jetzt weiter, sagt Swetlana. Das Treffen sei zu Ende. "Alles Gute", verabschiedet sich Roman. Wenige Meter weiter erscheint ein Vorgesetzter, Roman übergibt Protokolle, erstattet Bericht. Gern würde man jetzt hören, was er ihm zu sagen hat.

Roman erstattet Bericht bei einem Vorgesetzten
Ekaterina Anokhina

Roman erstattet Bericht bei einem Vorgesetzten

SPIEGEL ONLINE

Mitarbeit: Tatiana Chukholmina



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