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Prognose von Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger: "Die WM wird nicht in Katar stattfinden"

Zwanziger: "Das würde niemand verantworten wollen" Zur Großansicht
AFP

Zwanziger: "Das würde niemand verantworten wollen"

Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger überrascht mit einer deutlichen Aussage zur Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Nicht nur für die Spieler, auch für die Fans sei das Risiko zu groß, sagt der Fifa-Funktionär.

Hamburg - Kein Thema wird derzeit im Fußball-Weltverband Fifa so intensiv diskutiert wie die WM 2022 in Katar. Noch acht Jahre sind es bis zum Turnier in dem Emirat, doch in den kommenden Monaten entscheiden die Funktionäre, ob die WM überhaupt wie geplant stattfindet. Es wird eine Verlegung in den Winter erwogen, doch auch eine Neuvergabe scheint alles andere als ausgeschlossen.

Diese Position teilt auch Theo Zwanziger. Der 69-Jährige ist Mitglied im Exekutivkomitee der Fifa, er warnt vor den gesundheitlichen Risiken für Spieler und Fans. "Persönlich glaube ich, dass die WM 2022 am Ende nicht in Katar stattfinden wird", sagte Ex-DFB-Präsident Zwanziger der "Sport Bild".

Er spielt dabei auf die klimatischen Bedingungen in dem Wüstenstaat an: "Die Mediziner sagen - und das habe ich im Protokoll festhalten lassen -, dass sie nicht verantworten können, dass im Sommer unter diesen Bedingungen eine WM stattfindet."

Die WM finde nicht nur in den Stadien statt, auch die Fans seien in der Hitze unterwegs. "Der erste lebensbedrohliche Vorfall würde sofort zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen führen. Das würde niemand im Fifa-Exko verantworten wollen", sagte Zwanziger.

Mögliche Entscheidung im Frühjahr 2015

Die Fifa wollte die Äußerung des deutschen Funktionärs nicht kommentieren. "Wie von Herrn Zwanziger selbst hervorgehoben, ist es seine persönliche Meinung", hieß es.

Bei einem Gipfeltreffen Anfang September hatten Fifa-Funktionäre den Vertretern der europäischen Spitzenklubs eine Verlegung der WM in die Wintermonate nahegelegt. Bei der European Club Association, dem Lobbyverband der Top-Klubs, stieß das auf wenig Begeisterung. Die Vereinschefs fürchten negative Folgen für den Spielkalender in mehreren Saisons.

Auch wegen der Menschenrechtssituation in Katar ist die WM 2022 seit der Vergabe heftig umstritten. Zahlreiche ausländische Arbeitskräfte sollen wie Sklaven behandelt worden sein, es gab Unfälle mit Todesopfern. Außerdem muss sich Katar immer noch mit Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit der WM-Vergabe auseinandersetzen. Die Ethikkommission der Fifa soll im Frühjahr 2015 ein abschließendes Urteil ihrer Untersuchungen fällen.

cte/dpa/sid

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insgesamt 113 Beiträge
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1.
l.augenstein 22.09.2014
Erstaunlich, dass man für die Feststellung der unzumutbaren klimatischen Bedingungen in Katar so lange benötigt. Aber diese ganzen Funktionärsbonzen haben sich bei ihren Katarbesuchen wahrscheinlich nur in klimatisierten Räumen und Autos aufgehalten und haben keine Ahnung, wie sich 40° C und mehr anfühlen.
2. Australien
Malshandir 22.09.2014
Also ich denke Australien waere ein sehr guter Ersatz. Also Katar sollte gesperrt werden wegen der Korruption.
3.
Immanuel_Goldstein 22.09.2014
Zwanziger hat vermutlich Recht. Ich prognostiziere darüber hinaus, dass die WM 2018 nicht in Russland stattfinden wird, wenn Russland weiter die FIFA-Regularien ignoriert und das FIFA-Mitglied Ukraine zerschlagen will. Außerdem ist Russland für die Fans nicht sicher und es existiert keinerlei Rechtssicherheit.
4. Wohl wahr
Herr Hold 22.09.2014
Zitat von l.augensteinErstaunlich, dass man für die Feststellung der unzumutbaren klimatischen Bedingungen in Katar so lange benötigt. Aber diese ganzen Funktionärsbonzen haben sich bei ihren Katarbesuchen wahrscheinlich nur in klimatisierten Räumen und Autos aufgehalten und haben keine Ahnung, wie sich 40° C und mehr anfühlen.
Das ist aber nur die eine Seite der Medaillie. Ich finde es viel erstaunlicher, dass über Jahrhunderte-altes Wissen, "in der Wüste ist es heiß", verloren gehen konnte. Gut, dass Wissenschaftlter das nun wieder ans Licht gebracht haben.
5.
Claudia_D 22.09.2014
Zitat von l.augensteinErstaunlich, dass man für die Feststellung der unzumutbaren klimatischen Bedingungen in Katar so lange benötigt. Aber diese ganzen Funktionärsbonzen haben sich bei ihren Katarbesuchen wahrscheinlich nur in klimatisierten Räumen und Autos aufgehalten und haben keine Ahnung, wie sich 40° C und mehr anfühlen.
Die ganzen Funktionärsbonzen wurden von den Scheichs ausreichend geschmiert, nix anderes...
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Die Präsidenten der Fifa
Amtszeit Präsident
1904-1906 Robert Guérin (Frankreich)
1906-1918 Daniel B. Woolfall (England)
1921-1954 Jules Rimet (Frankreich)
1954-1955 Rodolphe W. Seeldrayers (Belgien)
1955-1961 Arthur Drewry (England)
1961-1974 Stanley Rous (England)
1974-1998 João Havelange (Brasilien)
seit 1998 Joseph Blatter (Schweiz)


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