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Fußball-WM vor Weihnachten: Lasst die Fifa zahlen

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WM-Baustelle in Doha: Blatter steht fest zu Katar

Eine Fußballweltmeisterschaft kurz vor Weihnachten: Die Verlegung des Turniers in Katar 2022 ist der nächste Schritt in einer gigantischen Farce. Der Fehler wird die Fifa viel Geld kosten. Gut so.

Die Entscheidung der Fifa wirkt absurd, aber sie war zwangsläufig: Eine Fußballweltmeisterschaft bei Temperaturen über 50 Grad - das geht nicht. Selbst wenn in den Stadien dank moderner Technik erträgliche Bedingungen geherrscht hätten, für Hunderttausende Fans hätte die Wüste von Katar hohe gesundheitliche Risiken bedeutet. Seit Monaten arbeitete der Weltverband Fifa deshalb an einer Lösung, und diese lautet nun: Die WM findet im November und Dezember statt. Zudem soll das Turnier um einige Tage gekürzt werden, sagt Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke.

Alle sechs Kontinentalverbände hätten den Vorschlag unterstützt, so Valcke in Doha. Also auch die Uefa. Der europäische Verband hatte sich lange gegen den Termin vor Weihnachten gesträubt und den Januar favorisiert. Das jedoch hätte eine Kollision mit den Olympischen Winterspielen bedeutet - was die Fifa früh ausgeschlossen hatte.

Endgültig entscheiden muss nun das Fifa-Exekutivkomitee im März, die Zustimmung der Funktionäre gilt als sicher. Damit steht dem Verband nur noch ein Gegner im Weg, allerdings ein mächtiger: Die europäischen Klubs sind geschlossen gegen eine vorweihnachtliche WM. Der Termin mitten in der Saison sprengt den gesamten Spielplan - und das nicht nur in einer Spielzeit. Die Saison 2021/2022 müsste früher beginnen, die Runde nach dem WM-Jahr später starten. Ein gigantischer Umbau des Fußball-Kalenders.

Neuvergabe der WM scheint ausgeschlossen

Für Karl-Heinz Rummenigge ist klar, dass die Klubs die Kosten dafür nicht tragen werden: "Wir sind nicht bereit dazu", sagt der Bayern-Boss. Er steht an der Spitze der European Club Association (ECA), dem Lobbyverband der mächtigsten Fußballklubs. Sein Wort hat Gewicht, bei der WM in Brasilien stellten die europäischen Vereine 75 Prozent der Spieler.

Die englische Liga wird die Einnahmenausfälle am deutlichsten spüren. Sie wird im Falle einer Winter-WM auf den Boxing Day verzichten müssen. Am 26. Dezember findet sonst immer ein Spieltag der Premier League statt, der weltweit ausgestrahlt wird und sehr lukrativ ist. Der gerade neu verhandelte TV-Vertrag sieht vor, dass die englischen Klubs pro Saison 2,3 Milliarden Euro kassieren.

Rummenigges Äußerungen zeigen jedenfalls, dass die Klubs hohe Entschädigungen von der Fifa verlangen werden. Und das zu Recht. Warum sollten die Vereine für die Fehlentscheidung zahlen, die WM nach Katar zu vergeben?

Denn eines ist auch klar: Mit der Verlegung in den Winter ist es so gut wie ausgeschlossen, dass die Fifa ihre Meinung noch ändert und Katar die WM wieder entzieht. Verbandsboss Joseph Blatter, der im Mai seine Wiederwahl feiern dürfte, steht trotz der Skandale und Menschenrechtsverletzungen fest zu dem Emirat.

Mitleid mit der Fifa muss angesichts der drohenden Forderungen übrigens niemand haben. Bei der WM in Brasilien erzielte der Verband Einnahmen in Höhe von 3,3 Milliarden Euro. Nach Abzug der Kosten blieb fast die Hälfte als Gewinn übrig, insgesamt 1,62 Milliarden Euro.

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insgesamt 104 Beiträge
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1. Schadenersatzforderungen
schnappodil 24.02.2015
Sehr interessant dürfte neben den Forderungen der Profi-Ligen auch sein, ob auch die Bewerber, die Katar bei der Vergabe unterlegen sind, klagen und ihre Kosten einfordern. Schließlich hat mit Katar ein Land die WM bekommen, das (wie nun auch von FIFA Seite attestiert) die zuvor gestellten Anforderungen nicht erfüllen kann.
2.
lieber_incognito 24.02.2015
De Vereine sollten nicht Entschädigungen von der FIFA verlangen, sondern einfach ihre Spieler nicht freigeben. Wenn die ganzen großen Weltstars nicht vor den Kameras auf den Spielfelder erscheinen, interessieren sich auch nur halb so viele Menschen auf der Welt für diesen Schwachsinn. Wenn aber nur halb so viele Leute das sehen wollen, werden auch die Werbeeinnahmen entsprechend sinken. Die großen Sponsoren müssen jetzt schon mit ihrem Ausstieg drohen. Dann hat sich das ganz schnell erledigt.
3. Muss man dazu wirklich noch etwas sagen?
phiasko76 24.02.2015
Vielleicht mit Olli`s Worten: Wir brauchen Eier! Niersbach und die anderen großen Europäischen Verbände sollen endlich Rückgrat zeigen und Blatter und der FIFA Mafia androhen, dass sie Ihre Nationalmannschaften nicht zur WM schicken, wenn diese in Quatar stattfindet. Punkt.
4. WM-Quali in Europa
decebalus911 24.02.2015
Auch die WM-Quali, die nach der EM 20 beginnt, muss in weniger als einem Jahr durch sein. Zumindest wenn sie erst nach der WM beginnt. Normalerweise geht sie bis Nov/Dez, diesmal müsste sie spätestens Juni/Juli 2021 abgeschlossen sein.
5. Warum nicht vor Weihnachten ?
berviola 24.02.2015
Da alle Teilnehmer eh Profis sind , ist es doch egal, wann gespielt wird. Katar wird eine gigantische WM ausrichten, Geld spielt da keine Rolle ! Deutschland kann weder Flughafen , Bahnhof oder Elbphilharmonie bauen , dann schon lieber Katar !!!
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