WM-Aus des Titelverteidigers Jetzt beginnt die neue Spanien-Ära

Spaniens WM-Aus ist spektakulär, die Kritik am Team groß. Es heißt: Die Dominanz der Spanier im Weltfußball sei jetzt gebrochen. Das stimmt nicht. Manch ein Star ist über seinen Zenit hinaus. Doch schwächer wird das Team dadurch nicht - im Gegenteil.

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Die Schlagzeilen waren leicht vorherzusehen. Spaniens spektakuläres WM-Aus: Das war's mit der Dominanz im Weltfußball. Die Niederlage gegen Chile, das Turnierende schon nach dem zweiten Gruppenspiel: Das Ende einer Ära ist gekommen. Der Tod des Tiki-Taka, er ist da. Endlich. Sagen viele.

Sie liegen alle falsch.

Dass Spanien bei der WM kolossal versagt hat, lässt sich nicht bestreiten, auch wenn bei der Bewertung gern die Klasse der Gegner außer Acht gelassen wird - die Niederlande und Chile werden auch anderen Teams Probleme bereiten.

Klar ist auch, dass manche Schlüsselfigur der Spanier abgebaut hat. Xavi, 34, wirkte beim 1:5 gegen die Niederlande dem Tempo nicht mehr gewachsen. Gegen Chile blieb er erstmals seit 2008 in einem WM- oder EM-Spiel ohne Einsatz. Xabi Alonso, 32, war gegen Chile der schwächste Mann auf dem Platz, Iker Casillas, 33, patzte bei der WM mehrfach.

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Spaniens Niederlage gegen Chile: Der blamierte Weltmeister
Zu urteilen, die beiden Profis seien über ihren Zenit hinaus, hieße jedoch, ihre Leistungen bei Real Madrid zu ignorieren, wo die beiden als Stammspieler die Champions League gewannen - übrigens in einem spanischen Duell gegen Stadtrivale Atlético.

Xavis Zeit ist vorbei - die Thiagos beginnt erst noch

Zumindest Xavis Zeit scheint vorbei, da haben die Kritiker recht. Was sie aber übersehen, sind die großartigen jungen, hungrigen Spieler, die bereitstehen, um die Nachfolge der Stars anzutreten.

Bayern Münchens Thiago, 23, besitzt das Potenzial, irgendwann besser zu sein als der Xavi. Sein verletzungsbedingtes Fehlen wiegt schwer, das erfuhr vor Spanien auch schon der FC Bayern.

Koke, 22, zeigte bei Atlético Madrid eine überragende Saison, er steht auf dem Zettel der Topklubs in Europa. Isco, 22, reift bei Real zu einem Weltklassespieler, und David de Gea, 23, wird Casillas im Tor beerben. Sie alle haben zudem bereits große Titel mit ihren Vereinen gewonnen.

Es sind diese Jungstars, die gemeinsam mit etablierten Weltklassespielern wie Andrès Iniesta (30), Sergio Busquets (25) oder Sergio Ramos (28) das Gerüst der spanischen Mannschaft bilden können. Es bedarf gar keiner Tabula rasa. Nicht die ganze Elf muss ersetzt werden; es gilt, sie punktuell zu verstärken.

Und dieses Tiki-Taka? Es ist so viel darüber gesprochen worden, dass der Begriff längst an Schärfe verloren hat und für eine abstrakte Vorstellung von langweiligem Ballgeschiebe steht. Dass ein Verein wie Bayern München offenbar an den Erfolg dieser Spielweise glaubt, zeigt, dass sie sich nicht überlebt hat. Spaniens Trainer, ob er Vicente del Bosque heißen wird oder nicht, wird keine neue Taktik erfinden müssen. Er muss sie nur neu justieren.

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Spanien in der Einzelkritik: Das traurige Bild des "heiligen Iker"
Das WM-Aus markiert das Ende einer Ära einzelner Superstars, aber nicht das der spanischen Nationalmannschaft. Ganz im Gegenteil. Wenn in zwei Jahren das nächste große Turnier, die EM 2016 ansteht, führt der Titel wieder über Spanien.



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Freidenker10 19.06.2014
1. optional
Und hoffentlich ohne Tikitaka! Hoffe das sich unsere Bundesligisten die WM Spiele ansehen und merken, dass man auch gegen das Bayern Geschiebe mit etwas Kampfgeist bestehen kann!
auf_dem_Holzweg? 19.06.2014
2. das Ende des Standfussballs
denn das war das Problem der Spanier gestern: sie mussten auf einmal laufen! Standfussball war jetzt 6 Jahre schön und gut, aber endlich ist Shcluss damit. Es darf wierder gelaufen werden und damit Bewegung ins Spiel kommen. Mein Tip für die nächste spanische Mannschaft: übt wieder das Laufen wie alle anderen auch! Dann werdet ihr auch wieder gewinnen!
ovit 19.06.2014
3. hmm
Zitat von sysopGetty ImagesSpaniens WM-Aus ist spektakulär, die Kritik am Team groß. Es heißt: Die Dominanz der Spanier im Weltfußball sei jetzt gebrochen. Das stimmt nicht. Manch Star ist über seinen Zenit hinaus. Doch schwächer wird das Team dadurch nicht - im Gegenteil. http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-aus-fuer-spanein-gegen-chile-kommentar-zum-titelverteidiger-a-976045.html
1. die bildunterschrift ist falsch. im artikel steht es dann richtig. 2. iniesta ist in 2 jahren 32. sein letztes großes turnier vermutlich. bei der nächsten wm könnte er der nächste xavi sein. 3. isco ist in der laufenden saison bei real immer mehr zum bankspieler geworden. die weltklassenkarriere könnte also auch ins stocken geraten. 4. sich mal eben eine neue goldene generation aus dem kreuz zu schneiden, wird auch den spaniern schwer fallen. innenverteidigung, sturm könnten die nächsten baustellen werden.
torstenschäfer 19.06.2014
4. Tikitaka
Spanien ist nicht am tiki-taka gescheitert, sondern an dem Glauben, mit einem Spielsystem über Jahre hinweg alle anderen schlagen zu können. Eine derartige taktische Unflexibilität rächt sich. Real hat Barca im Pokal ausgehebelt, Real hat Bayern ausgehebelt. Schon vor Jahren hat Italien mit ein, zwei langen Pässen auf Balotelli Deutschland rausgekickt. In München werden sie sich überlegfen müssen, ob das Dogma des neuen Trainers auf Dauer angemessen ist.
louisdefunes 19.06.2014
5. Blablabla
Ich musste zwei Mal hinschauen ob das wirklich kein trotziger spanischer Autor geschrieben hat. Der Kommentar hat für mich ähnliche Qualität wie Beckenbauers berühmtes WM-Zitat: "diese Mannschaft wird über Jahre nicht zu schlagen sein" blablabla
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