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WM-Auslosung: Willkommen in der Hammer-Duselgruppe

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WM-Auslosung in Brasilien: Tamtam und Tanzeinlagen Fotos
DPA

Deutschland blieb bei der WM-Auslosung das Schlimmste wieder einmal erspart. Die Gruppengegner sind zwar unangenehm, aber die echten Prüfsteine kommen erst spät in der K.o.-Phase. Mehr als die Kontrahenten beschäftigt den DFB das Klima in den Austragungsorten.

Gruppe A
Brasilien
Kroatien
Mexiko
Kamerun
Gruppe B
Spanien
Niederlande
Chile
Australien
Gruppe C
Kolumbien
Griechenland
Elfenbeinküste
Japan
Gruppe D
Uruguay
Costa Rica
England
Italien
Gruppe E
Schweiz
Ecuador
Frankreich
Honduras
Gruppe F
Argentinien
Bosnien-Herz.
Iran
Nigeria
Gruppe G
Deutschland
Portugal
Ghana
USA
Gruppe H
Belgien
Algerien
Russland
Südkorea
Von dem früheren Bundestrainer Helmut Schön gibt es eine hübsche Anekdote. Weil er wusste, dass er die Auslosung zur WM 1978 verpassen würde, schickte er schon vorweg seinen Kommentar zu den Gegnern an die Öffentlichkeit: "Es hätte schlimmer kommen können, aber auch besser. Das passt immer." Es passt auch im Dezember 2013.

Die Nationalmannschaft hat mit Portugal, den USA und Ghana zwar keine leichten Gegner erwischt. Aber sie hat es immerhin erheblich besser getroffen als zum Beispiel die Engländer, die mit Italien und Uruguay zwei mögliche Titelanwärter vorgesetzt bekommen haben. Deutschland dagegen ist irgendwo mittendrin zwischen den gängigen Etiketten "Dusel"- und "Hammergruppe" gelandet. Bei den Ansprüchen, die das DFB-Team mittlerweile an sich selbst stellt, kann das Ziel eigentlich nur Gruppensieg heißen.

Auch weil es allesamt Gegner sind, die für Bundestrainer Joachim Löw und sein Team keine unbekannte Größe darstellen. Gegen die Portugiesen, gegen die das DFB-Team am 16. Juni in Salvador den Auftakt machen wird, hat man auch bei der EM 2012 die Eröffnung gespielt. Die USA hat man erst im Sommer als Testspielgegner gehabt. Zudem dürfte Joachim Löw nichts mehr taktisch überraschen, was von seinem früheren Chef Jürgen Klinsmann kommt. Und Ghana war bereits 2010 der letzte Gruppengegner und wurde 1:0 besiegt.

Gegen Portugal 2012 extrem schwergetan

Zu der Ambivalenz dieser Gruppe gehört allerdings auch, dass man die Geschichte der Gegner auch anders herum erzählen könnte: Gegen Portugal hat sich die Elf 2012 enorm schwergetan, bis der 1:0-Erfolg hergestellt war. Zudem steht mit Cristiano Ronaldo womöglich der dann amtierende Weltfußballer auf der anderen Seite.

Die USA hat die deutsche Nationalmannschaft, zugegeben damals ein echtes B-Team, auf der Testspielreise relativ locker 4:3 besiegt, klarer, als es das Endresultat aussagt. Und Ghana mit einem überragenden Kevin-Prince Boateng war bei der WM in Südafrika über weite Strecken ebenbürtig. Mesut Özil machte mit seinem Traumtor damals den Unterschied aus.

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Deutsche Gruppengegner: Klinsmann, Cristiano Ronaldo, Boateng
"Das sind machbare Aufgaben, wir sind der Favorit", hat Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff die Richtung relativ forsch vorgegeben. Zu diesem Selbstbewusstsein gehört auch, dass sowohl Bierhoff als auch Löw sich anschließend mehr Gedanken darüber machten, wo gespielt wird und nicht gegen wen. Das Klima in den Hitzezentren Fortaleza und Recife scheint den Verantwortlichen mehr Kopfzerbrechen zu machen als die Gegner.

Machbar - das war ohnehin das Wort des Abends. Der Bundestrainer nahm es in den Mund, auch der frühere Bayernstar Giovane Elber sprach davon - allerdings im Hinblick auf den Gastgeber Brasilien. Das gilt jedoch nur für die Gruppenphase - anschließend trennen sich die Perspektiven der zwei Favoriten. Während Brasilien schon relativ früh Spanien oder die Niederlande als Gegner bekommen kann, heißt es für die Elf von Joachim Löw: Vor dem Halbfinale kann man weder auf Brasilien, Spanien und die Niederlande treffen - noch auf Italien, den ewigen Angstgegner.

Klinsmanns Laune deutlich gedämpft

Während der Bundestrainer dementsprechend weitgehend entspannt reagierte - "ich akzeptiere es so, wie es gekommen ist" - , war bei seinem alten Spezi Jürgen Klinsmann die Laune deutlich verhaltener: "Es ist eine der schwersten Aufgaben der gesamten Auslosung", so der frühere Bundestrainer, bei der Beurteilung zwischen der "Wahnsinnsgruppe" und "Hammergruppe" schwankte.

Gerade die Partie gegen Deutschland sei eine "echte Herausforderung", so Klinsmann. Schon im Vorfeld hatte er geunkt: "Alles, nur nicht Deutschland." Dass er anschließend anfügte, "wir trauen uns trotzdem das Weiterkommen zu", war wohl eher dem notorischen US-Optimismus geschuldet. Tatsächlich bräuchte das US-Team schon einen optimalen und die Löw-Elf einen schwachen Tag, wenn Deutschland dieses Spiel verlieren sollte.

Wesentlich cooler als der US-Teamchef gab sich Ghana-Star Kevin-Prince Boateng. Mit Deutschland als Gegner sei ein Wunsch für ihn in Erfüllung gegangen, sagte der Schalker der "Sport Bild": Erneut trifft er also wie 2010 auf seinen Bruder Jérôme. Der geschwisterliche Zweikampf war 2010 emotional zwar erheblich aufgeladener, nachdem Boateng zuvor DFB-Kapitän Michael Ballack so gefoult hatte, dass dieser nicht zum Turnier reisen konnte. Aber Brisanz hat die Partie auch 2014. Ghana mit seiner Physis, eventuell auch mit Vorteilen bei der Hitze, ist nicht zu unterschätzen.

Das gilt sicher auch für die Portugiesen, deren Teamleistung allerdings zuletzt so stark vom Auftritt Ronaldos abhing wie nie zuvor. Ohne ihn wäre das Team in der Relegation gegen die Schweden vermutlich gescheitert, zudem hat sich Trainer Paulo Bento bisher nicht wirklich als Strategie-Genie erwiesen. Portugal wird der Löw-Elf wahrscheinlich Probleme bereiten, unlösbar sind diese aber nicht.

Machbar eben. So wie das gesamte Projekt WM-Titel.

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insgesamt 64 Beiträge
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1. na bitte.....
zulu1980 06.12.2013
ich wusste es ja laut überheblicher presse ist löws elf ja jetzt schon im finale... abwarten und tee trinken
2. in der Gruppe...
RedEric 06.12.2013
...muss man auch erst mal weiterkommen. so natürlich ist das nicht.
3. Italien wird gewinnen
Kottan 06.12.2013
Du brauchst in dieser Vorrunde vor allem hitzefeste Spieler mit starken Nerven. Und Ruhe. Und viel Wasser. Frühes Pressing wird zu späten Niederlagen führen. Spätes Pressing wird zu knappen Siegen führen. Die Italiener werden gewinnen.
4. Jones - boateng - pepe
blogaktivist 06.12.2013
Meine Hoffnung: Die Allemans nach der Vorrunde ausgeknockt.
5. Keine Macht dem Titel!
Mac_Beth 06.12.2013
Brasilien in Gruppe A, Spanien in Gruppe B, Frankreich Gruppe E, Argentinien Gruppe F und Deutschland Gruppe G. Was für ein Glück wir doch alle haben mit der Auslosung! Damit ist ja gewährleistet, dass es erst ab dem Viertelfinale so richtig spannend wird. Viel Zeit zum Fernsehen schauen.
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1998 Frankreich Frankreich
1994 USA Brasilien
1990 Italien Deutschland
1986 Mexiko Argentinien
1982 Spanien Italien
1978 Argentinien Argentinien
1974 Deutschland Deutschland
1970 Mexiko Brasilien
1966 England England
1962 Chile Brasilien
1958 Schweden Brasilien
1954 Schweiz Deutschland
1950 Brasilien Uruguay
1938 Frankreich Italien
1934 Italien Italien
1930 Uruguay Uruguay


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