WM-Berichterstattung ARD-Sportkoordinator kritisiert Philipp Lahm

Für die Fußball-WM in Russland hatte die ARD Philipp Lahm als Experten engagiert. Doch der Sender war mit der Arbeit des Ex-Nationalspielers offenbar nicht immer zufrieden.

Lahm in Moskau mit der WM-Trophäe
REUTERS

Lahm in Moskau mit der WM-Trophäe


ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky hat Philip Lahm für seine Expertentätigkeit während der Fußballweltmeisterschaft in Russland kritisiert. "Philipp Lahm in unserem Team zu haben war aufgrund seiner Erfahrung sicher sehr belebend", sagt Balkausky dem Magazin "Sport Bild". "Manchmal hätten wir uns aber noch mehr von diesem Erfahrungsschatz und noch deutlichere Einschätzungen gewünscht."

Man werde mit Lahm "sicherlich noch einmal grundsätzlich über unsere gemeinsamen Sendungen sprechen", sagte Balkausky. Bislang habe es dazu allerdings noch keine Möglichkeit gegeben.

Lahm hatte nach dem WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft mit seiner deutlichen Kritik an Bundestrainer Joachim Löw für Aufsehen gesorgt. In einem Statement auf dem sozialen Netzwerk LinkedIn schrieb er: "Ich bin überzeugt davon, dass Jogi Löw seinen kollegialen Führungsstil der letzten Jahre ändern muss, wenn er mit der neuen Generation von Nationalspielern wieder Erfolg haben möchte." Auch in der ARD hatte sich der 34 Jahre alte frühere Fußballer des FC Bayern München für eine Änderung von Löws Führungsstil ausgesprochen.

Über diese deutlichen Worte sagte Balkausky nun, dass der Abstand nach dem Aus Lahm wohl geholfen habe, "manche Dinge jetzt klarer formulieren zu können als noch vor zwei Wochen".

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Lob für Lahm kam hingegen von Ottmar Hitzfeld und Felix Magath - wenn auch nicht für seine WM-Berichterstattung. Die beiden trauen Lahm zu, beim Neuaufbau der deutschen Nationalmannschaft eine tragende Rolle einzunehmen. "Philipp war immer ein Perfektionist, der an die Leistungsgrenze gegangen ist und ein Vorbild innerhalb der Mannschaft war. Mit seinem Ehrgeiz und seiner Kompetenz könnte er weiterhelfen", sagte Hitzfeld bei Sport1. Magath ergänzte dort: "Er hat genügend Erfahrung im Fußball gesammelt. Nicht nur der Bundesliga, sondern auch der Nationalmannschaft würde ein Philipp Lahm daher guttun."

Lahm hatte in der ARD auf die Frage, ob er einen Posten im Deutschen Fußball-Bund (DFB) anstrebe, geantwortet: "Das kann man definitiv so sehen." Lahm ist derzeit für den Verband als Botschafter der deutschen EM-Bewerbung 2024 tätig. Er hatte seine Karriere im Nationalteam nach dem deutschen WM-Sieg 2014 in Brasilien beendet.

aar/dpa/sid



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aurichter 18.07.2018
1. Der DFB
sollte, vorausgesetzt er will, Hansi Flick als Assistenztrainer zurückholen. Das Gespann Löw/Flick hat m.E. sehr gute Ergebnisse zusammen erreicht. Schneider/Sorg scheinen der NM nichts wesentlich beibringen zu können. Weshalb diese beiden Herren dort wirken ist mir ein Rätsel. Weder Schneider noch Sorg haben auch nichts außergöhnliches vorzuweisen. Schon die Körpersprache von Schneider auch bei Länderspielen spricht Bände. Herzbeschwerden will und darf ja nicht, da hat die "Regierung" wohl etwas dagegen, wäre jedoch imho ein tolles Gespann, vor allem, weil Hrubesch gerade zu jungen Nachwuchsspielern einen guten bis sehr guten Draht hat.
poitierstours 18.07.2018
2. Lahm war lahm
Nie auf dem Platz. Aber als er nach dem Spiel um Platz 3 nochmals von den guten Moderatoren im WM-Studio nach seiner Kritik gefragt worden ist, war er mehr ausweichend als bei "Butter bei die Fische geben". Nun braucht man für die eigene Meinungsbildung nicht unbedingt die Bestätigung von PhilipLahm. Aber es beschleichen einem die Befürchtungen, dass so die Aufarbeitung des DFB mit dem sportlichen Desaster der Nationalmannschaft von statten gehen wird. Bloß keine echte Außenkritik zur Wahrnehmungserweiterung zulassen. Der DFB will keine kommunizierenden Röhren, wozu auch die Fußballöffentlichkeit gehört, der DFB praktiziert allenfalls kommunizierten Röhren.
harryklein 18.07.2018
3. Unprofessionell
Was ist das für eine neuerliche Mode, alles öffentlich auszutragen? Abgesehen davon, dass ich die Kritik auch inhaltlich daneben finde, gibt es wohl keinen Grund, seine Mitarbeiterbeurteilung der Sportbild mitzuteilen. Sehr schlechter Stil.
jean-baptiste-perrier 18.07.2018
4. So tun, als ob!
Für eine seriöse kritische Berichterstattung und Hinterfragung bedarf es Unabhängigkeit. Doch ist es doch eher so, dass ARD und ZDF (und andere Medien) mit dem DFB gemeinsam ein Produkt namens Fußball verkaufen (man denke an sogenannte dreiminütige "Vorberichte" in der Tagesschau, die in Wirklichkeit pure Werbung sind). Da wäre substantielle Kritik ja geradezu geschäftsschädigend. Deshalb findet sie auch nicht statt. Wenn jemand wie Michael Palme (früher kritischer Kommentator im ZDF) wüsste, was für einen weichgespülten Quatsch seine heutigen "Nachfolger" (wie z.B. "Glückwunsch"-Büchler) von sich geben, dürfte er in seinem Grab rotieren (R.I.P.). Man betrachte mal Gerhard Delling (ARD) oder Katrin Müller-Hohenstein (ZDF), wenn sie zur Audienz beim Bundestrainer vorgelassen werden. Die kriegen leuchtende Augen und freuen sich wie Kinder, dass sie mit dem Bundestrainer sprechen dürfen und stellen dementsprechend "Fragen" unterhalb des Schülerzeitungs-Niveaus, weil sie lieber den Bundestrainer anhimmeln. Jetzt so zu tun, als ob man von (ausgerechnet) Phillip Lahm schärfere Kritik beim Rumshakern am See mit Jessy Wellmer erwartet hätte, ist die pure Heuchelei.
torflut 18.07.2018
5. Löw & Co haben fertig
Löw & Co haben fertig, so dass ein echter Neuanfang mit unverbrauchten Gesichtern starten kann. Lahm bringt eine natürliche Autorität und eine glaubhafte Vorbildrolle ins Geschäft ein. Ich würde ihn gerne in einer maßgeblichen DFB-Rolle sehen! Ob das gleich der Löw-Posten sein muss sei dahin gestellt. Mein Wunsch wäre es, eine deutsche N11 zu erleben die tatsächlich konsequent nach Eignung und Leistung aufgestellt wird!
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