WM-Botschafterin Hamm "Frauenfußball ist nicht dort, wo er sein könnte"

Sie war eine der besten Fußballerinnen. Als WM-Botschafterin will Mia Hamm dafür sorgen, dass die Endrunde 2011 in Deutschland bekannter wird. Mit dem Magazin "11FREUNDE" sprach die Amerikanerin über den Stellenwert des Frauenfußballs, Kinder und zukünftige Stars.

Ex-US-Nationalspielerin Hamm: "Ich brauchte den Abstand zum Spiel"
REUTERS

Ex-US-Nationalspielerin Hamm: "Ich brauchte den Abstand zum Spiel"


Frage: Mia Hamm, was können Sie als Botschafterin des Deutschen Fußball-Bundes für die WM 2011 erreichen?

Hamm: Ich hoffe, die Sache Frauenfußball auf ein anderes Level heben zu können, noch mehr Leute zu diesem Sport zu holen und neugierig zu machen.

Frage: Was war der Anreiz, nach fünf Jahren Fußball-Abstinenz zurückzukommen?

Hamm: Ich brauchte den Abstand zum Spiel, um mir zu überlegen, was ich tun will. Mit meinen zweijährigen Zwillingen ist es schön im Park …

Frage: … aber …

Hamm: … die Chancen, die sich mit der WM in Deutschland auftun, sind großartig und spannend. Und wer hat da die Verantwortung sich einzubringen, wenn nicht wir Ehemaligen?

Frage: Auf dem Platz waren Sie eine Offensivspielerin. Treiben Sie jetzt den Frauenfußball ebenso offensiv voran?

Hamm: Wir Fußballerinnen haben eine große Verantwortung, die männliche Profis nicht haben. Mein Mann Nomar Garciaparra ist Profi-Baseballer bei den Oakland Athletics. Wenn er auf den Platz geht, spielt er einfach. Er denkt dabei nicht über seinen Sport nach, denn dieser hat bereits ein Level erreicht, bei dem er aus sich selbst heraus funktioniert.

Frage: Das ist bei Fußballerinnen anders?

Hamm: Oh, ja. Wenn du als Fußballerin auf den Platz gehst, musst du dir bewusst sein, dass dein Spiel, deine Art, den Sport zu leben, eine Wirkung darauf hat, wie er gesehen wird. Der Frauenfußball ist noch nicht dort, wo er sein könnte.

Frage: Wollten Sie selbst nie Trainerin sein?

Hamm: Nein, dazu bin ich zu ungeduldig. Ich liebe es, Mannschaften, Spielerinnen und ihren Stil zu beobachten und zu sehen, wie sie sich entwickeln. Deshalb ist es aufregend, die deutsche Frauenfußballtradition mit amerikanischem Wettbewerbswillen zu verbinden. Das ist jetzt meine Aufgabe.

Frage: Wissen Sie, was Ihre früheren Mitspielerinnen inzwischen machen?

Hamm: Ja, viele ehemalige Mannschaftskolleginnen wie Brandi Chastain oder Kristine Lilly sind inzwischen auch Mütter, und die meisten haben Töchter. Wenn es also soweit ist, werden wir eine Mannschaft bilden.

Das Interview führte Kathrin Steinbichler



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