Deutschland im WM-Finale So hart wird es gegen die Argentinier

Deutschland gegen Argentinien - die Rollen sind verteilt: Das DFB-Team geht als Favorit ins Finale, dennoch droht ein harter Fight gegen die defensiv extrem starken Südamerikaner. Denn sie werden alles anders machen als Brasilien.

Aus Porto Seguro berichtet

Argentiniens Nationalspieler Lavezzi: Knallharte Defensive
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Argentiniens Nationalspieler Lavezzi: Knallharte Defensive


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Das Leichteste ist, über die Favoritenrolle zu sprechen. Die wird Deutschland nach der 7:1-Halbfinalgala gegen Brasilien nicht mehr loswerden, da kann Bundestrainer Joachim Löw noch so sehr vor dem Endspielgegner Argentinien warnen. Die Überzeugung besonders in der Heimat, dass Deutschland gegen die Südamerikaner den Titel in jedem Fall holt, ist gewaltig. Aber auch wenn es klappen sollte: Es wird am Sonntag (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: ARD) eine sehr zähe Angelegenheit werden.

Die Argentinier haben gegen die Niederlande, so merkwürdig das klingt, ihre Qualitäten gezeigt. Nicht alle, aber viele - und die liegen vor allem darin, Tore zu verhindern. "Sie haben eine unglaublich starke Defensive", hatte Löw schon nach dem Brasilienspiel gesagt. Dass die Argentinier in ihren drei K.o.-Runden-Spielen kein einziges Gegentor kassiert haben, sagt viel aus.

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Sieg gegen die Niederlande: Jubel in Weiß und Blau
Die deutsche Mannschaft wird auf ein Team treffen, das vermutlich alles genau anders machen wird als der Halbfinalgegner Brasilien. Die Argentinier werden nicht mit fliegenden Fahnen in die deutschen Angriffe hineinlaufen, sie werden versuchen, den Strafraum zur verbotenen Zone zu machen, sie werden auf Konter lauern, um sie dann über Lionel Messi und Gonzalo Higuaín auszuspielen. Sie werden geduldig sein.

Ein ähnliches Spiel wie 1990 könnte es werden

Genau das wird auch das Team von Löw aufbringen müssen: Geduld. Vieles spricht dafür, dass die Partie ähnlich verlaufen könnte wie das WM-Endspiel 1990. Auch damals ging Deutschland als Favorit in das Spiel. Auch damals hat Argentinien all seine Verteidigungsstrategien auszuspielen versucht. Es hat 85 Minuten gedauert und eines Fallers von Rudi Völler im Strafraum bedurft, um die Südamerikaner zu besiegen.

Am probatesten wäre es, die Argentinier mit ihrer groß gewachsenen Innenverteidigung auszukontern, aber diesen Gefallen werden die Argentinier ihnen nicht machen. Oder nur für den Fall, dass Deutschland ein frühes Tor gelingt. In den vergangenen Spielen haben die Deutschen das geschafft: Gegen Frankreich fiel der erste Treffer nach 17 Minuten, gegen Brasilien nach elf. So etwas erleichtert die Sache gewaltig.

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Rechnen sollte man damit nicht. Die Abwehrzentrale mit dem alten Recken Martin Demichelis und Ezequiel Garay mag nicht die schnellste dieser WM sein, aber beide sind extrem zweikampf- und kopfballstark. Das DFB-Hausmittel dieses Turniers, einen Eckball oder Freistoß hoch in den Strafraum zu spielen und so früh zu einem Treffer zu kommen, dürfte gegen die Südamerikaner wenig verfangen. Eventuell ist ein Typ wie Mario Götze, der im Auftaktspiel gegen Portugal (4:0) gegen Pepe und Bruno Alves zu überzeugen wusste, der richtige Mann, um die Abwehrhünen nervös zu machen.

Nur Iran hat Argentinien wirklich in Verlegenheit gebracht

Den Ball flach nach vorn bringen, rotieren lassen, schnell kombinieren - das dürften Rezepte sein, mit denen man auch der massiven Deckung der Argentinier beikommt. Bis jetzt allerdings hat dies noch keine Mannschaft bei diesem Turnier geschafft. Das Team, das die Argentinier am meisten in Verlegenheit brachte, war Iran. Wobei Messi und Co. den Außenseiter der Gruppenphase wohl auch deutlich unterschätzten - es war ein ähnliches Spiel, wie es die Deutschen gegen die Algerier zu überstehen hatten. Eine Blaupause für eine deutsche Taktik ist daraus nicht abzulesen.

Was die Argentinier bei all ihrer defensiven Ordnung so unberechenbar macht, ist die Tagesform von Lionel Messi. Der Superstar der Albiceleste schleicht auch bei dieser WM manchmal über den Platz, Kopf nach unten, ein Bild der Mutlosigkeit. Im nächsten Augenblick tritt er an, zieht drei Gegenspieler auf sich, öffnet den Raum für seine Teamkollegen - und schon ist es passiert. Wie im Achtelfinale gegen die Schweiz.

Vor Messi noch in irgendeiner Form warnen zu müssen, sollte nicht mehr nötig sein. Louis van Gaal, der Coach der Niederländer, hat es dennoch getan und vor dem Halbfinale gesagt, am wichtigsten sei es, dass seine Spieler "in jeder Sekunde ein Auge darauf haben, wo Messi gerade ist". Das ist ein Ratschlag, den kann er jetzt an Joachim Löw weiterreichen. Nur einmal dagegen zu verstoßen, heißt schon, das WM-Finale verlieren zu können.

Niederlande - Argentinien 2:4 (0:0) n.E.
Niederlande: Cillessen - Vlaar, de Vrij, Martins Indi (ab 46. Janmaat) - Kuyt, de Jong (ab 62. Clasie), Blind - Wijnaldum, Sneijder - Robben, van Persie (ab 96. Huntelaar)
Argentinien: Romero - Zabaleta, Demichelis, Garay, Rojo - Biglia, Mascherano - Pérez (ab 81. Palacio), Messi, Lavezzi (ab 101. Rodriguez) - Higuain (ab 82. Agüero)
Schiedsrichter: Cüneyt Cakir (Türkei)
Elfmeterschießen:
Romero hält gegen Vlaar
0:1 Messi
1:1 Robben
1:2 Garay
Romero hält gegen Sneijder
1:3 Agüero
2:3 Kuyt
2:4 Maxi Rodriguez
Zuschauer (in São Paulo): 63.267
Gelbe Karten: Martins Indi, Huntelaar - Demichelis
Torschüsse: 7 / 7
Ecken: 4 / 4
Ballbesitz in Prozent: 54 / 46

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Zum Autor
Peter Ahrens ist Redakteur im Sportressort von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Peter.Ahrens@spiegel.de

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insgesamt 142 Beiträge
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Seite 1
Pango 10.07.2014
1. Messi hier, Messi da
Wo sind denn seine ach so "genialen Momente"bei Weltmeisterschaften? Seine Nationalmannschafts-Torquote ist auch nicht besser, als die von dem als "Chancentod" verschrienen Gomez! Wer hat denn den amtierenden WM-Rekordtorschützen im Team? Wer hat denn den WM-Top-Torschützen bei den verbliebenen Mannschaften? Große Namen? Geschenkt. Diese künstliche Überhöhung von Milchbubi Messi hilft keinem. Argentinien hat 2-3 Stars: Wir haben 11 + x
mischpot 10.07.2014
2. 9 : 0
nachdem die Deutschen Spieler jetzt wissen, dass die Argentinier alles anders machen werden als die Brasilianer, können Sie sich ja darauf einstellen. So war doch die These des Artikels?
fast_weise 10.07.2014
3. ich hoffe
dass Löw wie bei den Standards noch einmal lernfähig ist. Messi sollte in den ersten 20 Minuten von jedem einmal auf Die Socken bekommen, Gelbsperren drohen ja nicht mehr... der Rest der Argentinier mag verteidigen können, aber auch nicht mehr. Di Marias Ausfall ist nur schwer für sie zu kompensieren. Özils Einsatz ist nur dann zu rechtfertigen, wenn er endlich mal mutig in die Verteidiger dribbelt und Freistösse sowie Gelbe provoziert. Argentinien wird nicht spielen wollen, nur gewinnen, daran muss man sich orientieren. Aber man sollte auch bedenken, bei den Holländern ware noch eine Prise Hassmotivation dazugekommen, "Rache für 74" oder so ähnlich, aber, und da lege ich mich fest, erreichen unsere Spieler halbwegs Normalform, sollten die Chancen eher bei der deutschen Elf liegen. Es sei den der Fluch sticht, dass Europäer noch nie eine WM in Amerika gewonnen haben...
Nemetz 10.07.2014
4. Warnung!
den Titel 'abgezockteste Mannschaft' hat sich Argentinien bereits verdient: Jedes einzelne Spiel bis Halbfinale genau mit 1 Tor Unterschied gewonnen, gegen unsere westlichen Nachbarn aus dem Kaeseland dann im 11-m-Schiessen. Jeder Einwurf, jede Ecke gegen Argentinien muss erarbeitet werden. Die sind nicht so dumm wie Brazil, uns ins offene Messer zu laufen. Geduld, hohe Konzentration von der 1. Minute an. Unsere Chancen werden kommen!
butch82 10.07.2014
5. Kein Thema wenn...
Zitat von sysopDPADeutschland gegen Argentinien - die Rollen sind verteilt: Das DFB-Team geht als Favorit ins Finale, dennoch droht ein harter Fight gegen die defensiv extrem starken Südamerikaner. Denn sie werden alles anders machen als Brasilien. http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-finale-das-muss-deutschland-gegen-argentinien-beachten-a-980337.html
...wir in der ersten Halbzeit 1:0 in Führung gehen, gibts den 4. Stern. Versprochen.
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