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Khedira, Özil und Co.: Der Titel-Jahrgang 2009

Aus Rio de Janeiro berichtet

Deutschlands Goldene Generation: Von Malmö nach Rio Fotos
DPA

Sie bilden das Gerüst der deutschen Mannschaft: Sechs Spieler, darunter Sami Khedira und Mesut Özil, wurden 2009 U21-Europameister. Mit einem Triumph im WM-Finale werden sie zur Goldenen Generation.

SPIEGEL ONLINE Fußball
Dass Mesut Özil und Sami Khedira sich gut verstehen, ist unverkennbar. Özil läuft seit Jahren nach jedem Länderspiel hinter seinem Freund aus dem Stadion, das breite Kreuz von Khedira schützt den schüchternen Techniker vor lästigen Journalistenfragen. Und Khedira spielt gerne den Bodyguard.

Der Mittelfeldspieler von Real Madrid ist 27 Jahre alt, Özil ist 25. In Fußballerjahren bezeichnet man solch einen Altersunterschied als "einen Jahrgang". Khedira und Özil spielten bereits in den Jugendmannschaften des DFB zusammen. Dort freundeten sie sich an, wurden zu Vertrauten. Vor allem das Jahr 2009 schweißte die beiden Mittelfeldspieler zusammen. Khedira lief damals als Kapitän der U21-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Schweden auf, Özils Stern als Spielmacher ging während des Turniers auf.

Gemeinsam mit Mats Hummels, Benedikt Höwedes, Jérôme Boateng und Manuel Neuer feierten sie den ersten deutschen U21-Europameistertitel. England wurde im Finale besiegt, der Trainer hieß Horst Hrubesch, das deutsche Nachwuchsteam erlebte sein Sommermärchen.

Auf der Tribüne im schwedischen Malmö saßen Joachim Löw und Oliver Bierhoff. Sie schwärmten anschließend davon, welches Potenzial diese Mannschaft habe. Hrubesch sagte, dass ein "Großteil dieser Spieler es in den internationalen Spitzenbereich" schaffen würde. Er behielt Recht.

Sechs Spieler von damals werden, sollten keine Verletzungen dazwischenkommen, am Sonntag das WM-Finale gegen Argentinien im Maracanã-Stadion bestreiten (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Die Jahrgänge 1986 bis 1988 bilden mittlerweile das Grundgerüst der A-Nationalmannschaft. Neuer im Tor, Hummels und Boateng in der Innenverteidigung, davor Khedira auf der defensiven Mittelfeldposition und Mesut Özil als offensiver Freigeist. Es sind Spieler, die sich ihr halbes Leben lang als Gegner und Mitspieler begegnet sind. Sie kennen sich nicht nur aus der U21-Nationalmannschaft, sondern auch aus vielen anderen Juniorenteams.

"Natürlich ist das ein Vorteil, wenn man die Lauf- und Passwege des anderen genau kennt", sagt Boateng. Aber es ist nicht nur das Spielerische, es sind nicht nur die Bewegungsabläufe, die diese Spieler zu einer Einheit machen. Es sind auch sechs Akteure, die für extrem viel modernes Deutschland stehen. Nach dem U21-Nationalmannschaftstitel wurde der deutsche Fußball national und international für sein neues Gesicht gefeiert. Khedira, Özil und Boateng standen aufgrund der Herkunft ihrer Eltern sinnbildlich für eine offene, tolerante Gesellschaft. Deutschland wurde für die Einbindung von Migrantenkindern in den Profifußball bejubelt, die Spieler wurden mit gesellschaftspolitischen Debatten konfrontiert. Eine ganz schöne Last für drei Talente, die am Anfang ihre Fußballerkarrieren standen.

"Goldene Generation? Müssten erst mal was gewinnen"

2010, bei der WM in Südafrika, waren bereits vier der ehemaligen U21-Akteure A-Nationalspieler (nur Hummels und Höwedes fehlten). Die Welt feierte Deutschland für seinen Jugendstil, für sein neues, freches Gesicht. Bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine standen sogar sieben ehemalige Jugend-Europameister im deutschen Kader. Der Dortmunder Marcel Schmelzer, den Löw vor dieser WM nach längerer Verletzungspause gestrichen hatte, gehörte damals auch noch dazu. Die ehemaligen Hrubesch-Schüler wurden nun erstmals als Goldene Generation bezeichnet, wodurch auch die Fallhöhe nach der ernüchternden Halbfinalepleite gegen Italien extrem hoch wurde. "Goldene Generation? Dafür müssten wir erst mal etwas gewinnen. Bisher sind wir immer nur Zweiter oder Dritter geworden", sagte Boateng anschließend.

Es wirkt, als hätten all die Triumphe und Tragödien der vergangenen Jahre die ehemaligen U21-Spieler näher zusammengeführt. "Wir haben gemeinsam gelernt, die Dinge richtig einzuordnen. Hier hebt niemand nach einem Sieg ab und keiner verzweifelt an einer Niederlage. Wir gehen mit unseren Leistungen sehr sachlich um", sagte Hummels, der neben Khedira und Neuer mittlerweile sogar zu den Wortführern in der Nationalmannschaft geworden ist.

Die ehemaligen Juniorennationalspieler werden wohl auch in Zukunft das Grundgerüst der Nationalmannschaft stellen. Sie sind alle zwischen 25 und 27 Jahren alt, mindestens eine Welt- und Europameisterschaft können sie noch problemlos gemeinsam spielen.

Selbst wenn es am Sonntag nicht reichen sollte - die Spieler hätten noch Zeit für den ganz großen Triumph.

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insgesamt 47 Beiträge
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1.
Crom 11.07.2014
Sind wir schon Weltmeister oder gibt es kein Konjunktiv mehr? "Mit einem Triumph im WM-Finale *würden* sie zur Goldenen Generation." Adidas druckt schon den 4.Stern, SPON glaubt das Ergebnis schon zu kennen. Ich hoffe, man schirmt die Spieler vor derlei Presse ab. Meistens geht ein anderes Team als Weltmeister ins Finale als wieder heraus.
2. Ich gönne es dieser...
NervösesHemd 11.07.2014
Zitat von sysopDPASie bilden das Gerüst der deutschen Mannschaft: Sechs Spieler, darunter Sami Khedira und Mesut Özil, wurden 2009 U21-Europameister. Mit einem Triumph im WM-Finale werden sie zur Goldenen Generation. http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-finale-deutschland-gegen-argentinien-generation-khedira-und-oezil-a-980519.html
Mannschaft so sehr, weil es verdient. Die Fakten in dieser WM-Bilanz sind eindeutig: Deutschland hat die WM-Qualifikation souverän runtergespielt und sich 2013 als Gruppenerster ohne Niederlage qualifiziert. In der Vorrunde der WM 2014 dann eine vergleichsweise schwere Gruppe überstanden, wieder ohne Niederlage. Das Achtelfinale gewonnen, das Viertelfinale gewonnen, Halbfinale mit 7:1 gewonnen. Nicht ein Spiel verloren, in zig Spielen. Das ist weltmeisterlich und ich wünsche diesen Spielern und diesem wirklich guten Trainer, dass sie diese Serie zu Ende spielen. Zugleich steht diese Generation für das moderne Deutschland: Sami Khedira, Mesut Özil. Erfolgreiche Fußballspieler, in Deutschland aufgewachsen, mit nicht deutschen Wurzeln. Beide sympathisch und bescheiden. Eine wunderbare Geschichte, ein Spiegel unserer Gesellschaft!
3. Schöner Bericht!
made1973 11.07.2014
Also Männer (für mich sind es keine Jungs mehr), vergoldet eure Leistung, am besten bei dieser UND der nächsten WM in Rußland. Einen Europameistertitel habt ihr schon erreicht, aber einer mit der A-Mannschaft würde sich auch gut sehen lassen. Wenn das alles nicht gelingen sollte, auch nicht schlimm, dann seid ihr nicht schlechter als die Generation vor euch. Und an das 7:1 gegen Brasilien wird man sich ohnehin mehr erinnern als an einen Weltmeistertitel, oder??? Am Sonntag gilts - Ruhm und Ehre oder wieder 'nur' Vizeweltmeister ... wir sind gespannt.
4. ...
Currie Wurst 11.07.2014
Da drängen sich zwei interessante Fragen auf: 1. nachdem wir 2013 vergleichsweise schlecht abgeschnitten haben: wohin geht dann die Reise jetzt ? 2. Was ist eigentlich bei England als damaliger Finalgegner schief gelaufen, dass da nix bei rumkommt ?
5.
karlo85 11.07.2014
Zitat von CromSind wir schon Weltmeister oder gibt es kein Konjunktiv mehr? "Mit einem Triumph im WM-Finale *würden* sie zur Goldenen Generation." Adidas druckt schon den 4.Stern, SPON glaubt das Ergebnis schon zu kennen. Ich hoffe, man schirmt die Spieler vor derlei Presse ab. Meistens geht ein anderes Team als Weltmeister ins Finale als wieder heraus.
Sprachlich ist das schon in Ordnung. Der Konjunktiv in ihrer Anmerkung bezieht sich nur darauf, ob die Spieler nach dem Weltmeistertitel eine goldene Generation werden würden, oder eben nicht. Die Formulierung, dass diese Spieler mit dem Triumph im Finale zu einer goldenen Generation werden ist insofern in Ordnung, da die Schlussfolgerung ja auf der Annahme beruht, dass sie den Titel holen werden. (Triumph im Finale)
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2010 Südafrika Spanien
2006 Deutschland Italien
2002 Japan und Südkorea Brasilien
1998 Frankreich Frankreich
1994 USA Brasilien
1990 Italien Deutschland
1986 Mexiko Argentinien
1982 Spanien Italien
1978 Argentinien Argentinien
1974 Deutschland Deutschland
1970 Mexiko Brasilien
1966 England England
1962 Chile Brasilien
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