Argentiniens Verteidiger Demichelis Plötzlich WM-Finalist

Martín Demichelis hatte kaum Hoffnung, bei der WM in Brasilien spielen zu dürfen. Nun könnte der Argentinier sogar im Finale gegen Deutschland auflaufen. Mit der DFB-Elf hat der frühere Bayern-Profi noch eine Rechnung offen.

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Eigentlich hatte er damit gerechnet, jetzt im Urlaub zu sein. Stattdessen wurde Martín Demichelis für die WM nominiert. Und dürfte im Endspiel gegen Deutschland am Sonntag (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD) sogar in Argentiniens Startelf stehen. Je älter er wird, desto rasanter scheinen sich die Dinge für ihn zu verändern. Nicht nur, weil der 33-Jährige bis zum Viertelfinale gar nicht eingesetzt wurde. Noch vor rund einem Jahr war er kurz davor, seine Karriere in seiner Heimat ausklingen zu lassen.

Die Rückkehr zu River Plate war im Grunde schon sicher. Sein Vertrag beim FC Málaga war ausgelaufen, in Buenos Aires würde er nur drei Blocks vom Stadion entfernt wohnen. Ein paar Jahre noch kicken, aber ganz entspannt, schien Demichelis sagen zu wollen. Dann ging es plötzlich doch ganz schnell: Erst ein Vertrag bei Atlético Madrid, sieben Wochen später der Wechsel zu Manchester City. Premier League, Champions League, die große Fußball-Welt. Entspannung? Sicher nicht.

In England fragten sich viele, was Trainer Manuel Pellegrini mit diesem angeblich abgehalfterten Innenverteidiger wollte. Diesem Demichelis, der doch schon Jahre zuvor beim FC Bayern ausgemustert worden war. Mangelnde Klasse für die ganz großen Titel hieß es damals in München.

Demichelis gehörte schon zum Bayern-Inventar

Bei den Bayern hatte sich der Argentinier lange als "Sohn des Hauses" gefühlt, auch wenn der Anfang schwer war. 2003 wechselte er als 22-Jähriger von River Plate nach München, doch wegen Verletzungen und der großen Konkurrenz konnte sich Demichelis zunächst nicht etablieren. Das änderte sich unter Trainer Felix Magath, im defensiven Mittelfeld war er Leistungsträger, gewann zweimal das Double aus Meisterschaft und Pokal.

Danach war Demichelis auch unter Ottmar Hitzfeld gesetzt, nun in der Innenverteidigung. "Michu" gehörte schon zur viel zitierten Bayern-Familie, er war in München nicht mehr wegzudenken. Dann wurde Louis van Gaal Trainer. "Seit dem ersten Augenblick, als van Gaal kam, fing alles an zu stinken", sagte Demichelis später.

Zwar war er in van Gaals erstem Jahr noch Stammspieler, doch nur, weil es dem Niederländer an Alternativen mangelte. Das machte van Gaal deutlich - schon vor dem Champions-League-Finale 2010, in dem Demichelis und Daniel van Buyten in der Innenverteidigung von Inter Mailands Diego Milito vorgeführt wurden.

Für van Gaal war die Niederlage eine willkommene Möglichkeit, Demichelis loszuwerden. Er degradierte ihn und ließ ihn solange nicht spielen, bis der Argentinier nur noch weg wollte. Anfang 2011 folgte im Alter von 30 Jahren der Wechsel zum FC Málaga unter seinem alten River-Plate-Coach Pellegrini. Er zeigte zweieinhalb Jahre ordentliche Leistungen für einen ordentlichen Klub, um große Titel ging es aber nicht mehr. Der Karriereausklang in der Heimat erschien logisch.

Rache an van Gaal ist schon gelungen

Doch Demichelis hatte noch nicht genug und ging zu Atlético. Für ein Jahr, das wohl letzte in Europa. Und dann erkannte Pellegrini, seit wenigen Wochen in Manchester, dass er Verstärkung für die Defensive brauchte. Die "Citizens" zahlten gut fünf Millionen Euro für Demichelis.

Der Notnagel wurde wieder zum Stammspieler, bestritt 27 Spiele in der Premier League und vier in der Champions League. Auch hier musste Demichelis das ein oder andere Mal als Sündenbock herhalten. Anfang Februar beim 0:1 gegen Chelsea half er im Mittelfeld aus und war gegen die schnellen Techniker der Londoner überfordert. Zwei Wochen später traf ManCity auf den FC Barcelona und Demichelis musste einem leidtun. Er wirkte noch langsamer als gegen Chelsea, kam gegen Lionel Messi zu spät und sah die Rote Karte. Manchester schied im Achtelfinale der Champions League aus.

So einer soll zum WM-Kader eines Mitfavoriten gehören? Demichelis erholte sich zwar schnell von diesen desaströsen Auftritten, aber seine Chancen, während des Turniers in Brasilien im Urlaub zu weilen, bezifferte er damals auf 95 Prozent - trotz der gewonnenen Meisterschaft in England.

Es kam wieder anders: Überraschende Nominierung, dann im endgültigen Kader. In der Vorrunde durfte Demichelis nur zugucken, im Achtelfinale auch, im Viertelfinale stand er überraschend in der Startelf. Auch mit neuer Kurzhaar-Frisur organisierte er die Abwehr souverän.

An seinem Dämon van Gaal konnte er sich im Halbfinale rächen - und nun vielleicht am nächsten? Auch mit der DFB-Elf hat Demichelis nämlich noch eine Rechnung offen: Beim 0:4-Debakel gegen Deutschland im WM-Viertelfinale 2010 stand Demichelis ebenfalls in der Startelf.

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
axelmueller1976 12.07.2014
1. Hallo sysop was soll denn das?
Zitat von sysopAFPMartin Demichelis hatte kaum Hoffnung, bei der WM in Brasilien spielen zu dürfen. Nun könnte der Argentinier sogar im Finale gegen Deutschland auflaufen. Mit der DFB-Elf hat der frühere Bayern-Profi noch eine Rechnung offen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-finale-deutschland-gegen-argentinien-martin-demichelis-ist-dabei-a-980714.html
Demichelis war einmal gut, dann aber nur noch 2.Wahl bei Bayern.
ephlang 12.07.2014
2. erfolgsgeschichte ist das nun nicht.....
und Rechnung offen oder nicht,darum geht es nicht bei einer WM, er muss nur gut spielen und das tat wohl er nie wirklich
tylerdurdenvolland 13.07.2014
3. Lächerlich....
deMichelis war Anfangs wirklich gut, aber in seinen letzten Jahren bei Bayern einfach völlig indiskutabel. Verglichen mit ihm war selbst der späte vanBuyten noch Weltklasse. Langsam, unbeweglich und Fehlpass-König, und dazu völlig unfähig ein Spiel zu lesen. Vielleicht hat er es ja gemerkt und dazu gelernt. Aber die Bayernspieler die ihn noch kennen, wissen schon wie sie gegen ihn zu spielen haben----
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