Streit um WM in Katar Zwanziger will Fifa-Ermittler von Schweigepflicht entbinden

Ex-DFB-Chef Theo Zwanziger fordert die Veröffentlichung des Garcia-Reports, der die Vergabe der WM 2018 und 2022 untersuchte. Er will den US-Ermittler nach Informationen von SPIEGEL ONLINE von seiner Schweigepflicht entbinden lassen.

Ex-DFB-Präsident Zwanziger: "Brauchen mehr Öffentlichkeit"
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Ex-DFB-Präsident Zwanziger: "Brauchen mehr Öffentlichkeit"

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Hamburg - Theo Zwanziger forciert die Veröffentlichung des sogenannten Garcia-Reports. Der ehemalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat nach Informationen von SPIEGEL ONLINE am Freitagmorgen einen Antrag beim Weltverband Fifa gestellt, wonach der Sonderermittler Michael J. Garcia seine Ermittlungsergebnisse zur Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 öffentlich machen soll.

Zwanziger möchte erreichen, dass Garcia von seiner Schweigepflicht, der er nach dem Artikel 36 des Fifa-Ethikreglements unterliegt, entbunden wird. "Wir brauchen mehr Öffentlichkeit und Transparenz in dieser Sache. Wir müssen endlich tätig werden", sagt Zwanziger SPIEGEL ONLINE.

Sollte sein Antrag, der im Dezember beim Treffen des Fifa-Exekutivkomitees in Marokko zur Abstimmung gestellt wird, angenommen werden, liegt es ausschließlich in Garcias Verantwortung, auf welche Weise er seine Ergebnisse veröffentlicht. "Das wäre vergleichbar mit den Prozessen in der allgemeinen Gerichtsbarkeit. Auch bei Anklagebehörden wird in Strafverfahren die Öffentlichkeit informiert, wenn dies das öffentliche Interesse verlangt und die Betroffenen zuvor unterrichtet sind", sagt Zwanziger SPIEGEL ONLINE.

Nach der derzeitigen Verbandsrechtsprechung der Fifa ist Garcia lediglich zur Weitergabe seiner Ermittlungsergebnisse an die vorsitzende Kammer der Fifa-Ethikkommission berechtigt. Verstößt er gegen diese Anordnung, droht ihm eine Suspendierung.

Garcia und der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert trafen sich am Donnerstag in Zürich, um über die Bewertung des Garcia-Reports zu sprechen. Beide haben eine unterschiedliche Auffassung davon, wie stichhaltig Garcias Belege sind. Der Amerikaner sprach zuletzt von "unvollständigen und fehlerhaften" Informationen in der 42-seitigen Stellungnahme des Münchner Richters. Eckert hatte in einem Ergebnisbericht geurteilt, dass weder bei der Vergabe der WM 2018 an Russland noch bei der Entscheidung für die WM 2022 in Katar Korruption eine entscheidende Rolle gespielt habe.

Nun einigten sich die beiden Kammer-Vorsitzenden der Fifa-Ethikkommission in Zürich darauf, dass eine dritte Person die Ermittlungen und das Urteil bewertet: Der Italiener Domenico Scala, ein weiteres hochrangiges Fifa-Mitglied und Vorsitzender der Audit- und Compliance-Kommission, werde "vollständige Kopien aller Berichte" erhalten, teilten der frühere US-Bundesanwalt und der deutsche Richter Eckert in einer gemeinsamen Stellungnahme mit. Scala werde dann entscheiden, "wie viele dieser Informationen dem Fifa-Exekutivkomitee offengelegt werden sollten".



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insgesamt 26 Beiträge
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mattijoon 21.11.2014
1. Eine Ethikkommission
die die FIFA untersuchen soll, von der FIFA eingesetzt, FIFA Funktionaeren unterstellt. So eine Ethikkommission taugt vielleicht als Propagandainstrument ("Leute, ist alles sauber hier"), der Rest ist eine Farce. Schoen aber, dass mit Theo Zwanziger jemand spricht, dessen Wort ein gewisses Gewicht im Fussball hat.
treime 21.11.2014
2. Eine Farce.
Es wird immer peinlicher für die Fifa. Die alten Säcke retten Macht und Zugang zu ihren "Geldquellen" mehr als offensichtlich so lange es nur geht. Nett, was Zwanziger versucht. Aber ein Beschuldigter soll darüber entscheiden, ob Beweise gegen ihn veröffentlicht werden? Das wird niemals passieren. Die UEFA sollte komplett aus der Fifa raus, ein klares Zeichen setzen. WM in Russland und Katar? Gerne ohne Europa. Dann lieber zwei EU Turniere in größerem Stile.
donadoni 21.11.2014
3. Ach Gott Herr Zwanziger...
...ich dachte, er wäre schon lange in der Rente.Man wundert sich, dass er sich immer noch mal meldet und es sich jemand findet, der seine Einwürfe veröffentlicht. SPON tut das sehr oft, auch jetzt wieder.Und man wundert sich, dass Zwanziger offenbar nicht weiß, dass Geld überall eine Rolle spielt. Umsonst ist der Tod. Oder weiß es Zwanziger und er spielt den Ahnungslosen?Natürlich floss bei den Vergaben der WM Geld, 2006 zu Gunsten des DFB denn nicht? Wer wollte das glauben?
funatiker 21.11.2014
4. egal wie es ausgeht,
die westliche Welt verliert. Sollten die Weltmeisterschaften nicht in Russland und in Kathar stattfinden, wird der Aufschrei im Russischen Block und in der arabischen Welt riesig werden. Beides Kulturkreise die Bestechungen eher positiv gegenüber stehen, oder als selbstverständlich oder als nötiges Übel angesehen werden. Finden sie doch in den beiden Ländern statt, wird der schlechte Beigeschmack bleiben, kaum Stimmung in Stadien, kaum ausländische Besucher. Und dann Heimmanschaften,die gute Chancen haben über die Hauptrunde nicht hinaus zu kommen...
raber 21.11.2014
5. Fifa-Bericht vollständig freigeben
Was für ein deutscher Richter dieser Herr Eckert! Er ist eine der Ausnahmen die solch eine Farce zulassen. Kann er als Richter suspendiert werden weil er solche Zustände fördert statt für Gerechtigkeit zu sorgen? Wahrscheinlich denken sich nun viele, dass deutsche Richter wie Herr Eckert sind. Der Vorschlag von Herrn Zwanziger ist richtig. Er hat nichts mehr zu verlieren und trotzdem ist es in diesem Falle bemerkenswert, dass er sich für Wahrheit und Gerechtigkeit einsetzt. Wie festzustellen, tun dies nicht alle. Es ist nicht nur die Vergabe an Katar und Russland sehr faul in diesem korrupten Fifa-Laden. Nachforschungen über andere Fifa-Vorgänge sollten auch sofort eingeleitet werden.
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