WM in Südafrika Fifa diskutiert über Ersatzausrichter

In vier Jahren soll der neue Weltmeister auf dem schwarzen Kontinent ermittelt werden. Doch Südafrika wird das Turnier möglicherweise wieder entzogen. Das Land am Kap der Guten Hoffnung ist im Zeitplan weit hinterher. Alternativen sind bereits im Gespräch.


Hamburg - Wie der sid berichtet, ist hinter den Kulissen des WM-Endspieles in Berlin ernsthaft diskutiert worden, einen Ersatzausrichter für Südafrika 2010 zu finden. Ein Kandidat ist demnach die USA. Dort fand die WM 1994 statt. Aber auch Deutschland als Ausrichter der überaus erfolgreichen WM 2006 könnte erneut Gastgeber werden. Die Chance dafür wird allerdings als gering eingestuft.

Südafrikas Präsident Thabo Mbeki (l.): "Werden Zusagen halten"
REUTERS

Südafrikas Präsident Thabo Mbeki (l.): "Werden Zusagen halten"

In Südafrika laufen die Vorbereitungen auf das Spektakel derweil alles andere als auf Hochtouren. Das gilt für den Bau und die Modernisierung der Stadien, aber vor allem für die landesweite Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. Obwohl die Südafrikaner schon am 15. April 2004 den Zuschlag erhielten, ist noch mit keinem der vier geplanten Stadion-Neubauten begonnen worden. In Kapstadt ist noch nicht einmal geklärt, wo die Arena denn genau stehen soll, berichtet der sid weiter.

Mängel wurden außerdem bei der geplanten Unterbringung festgestellt. Für die Delegationen aus 31 Gastländern und die bis zu 500. 000 erwarteten WM-Touristen existieren zu wenig adäquate Unterkünfte. Die Höhe des finanziellen Zuschusses durch die Regierung ist offenbar auch noch nicht fix. "Ich bin ein schlechter Rechner, da müssen sie unseren Finanzminister fragen. Aber wird werden unsere Zusagen halten", versicherte Südafrikas Staatspräsident Thabo Mbeki.

Fifa-Präsident Joseph S. Blatter hält nach außen hin weiter an Südafrika fest. "Die Welt vertraut ihnen. Die Fifa-Familie steht hinter ihnen", sagte er bereits am vergangenen Freitag bei der Vorstellung des offiziellen Logos für 2010. Inzwischen gibt es aber immer mehr Zweifler daran, ob Südafrika als Ausrichter taugt. Das gab Fifa-Vizepräsident und Afrika-Verbandschef Issa Hayatou bereits indirekt zu. "Ich weiß, was auf den Fluren und Gängen der Fifa gesprochen wird", erklärte der Kameruner vielsagend.

Daher soll sich der Blick schon auf die USA richten, die in der Lage sind, binnen weniger Jahre den Aufwand für ein Turnier dieser Ausmaße zu stemmen. Die Stadien stehen, die Infrastruktur ist vorhanden. Das gilt auch für das Knowhow zur Organisation des Ticketings und zur Bewältigung der Sicherheitsanforderungen. Deutschland werden dagegen wenig Aussichten eingeräumt, zumal sich auch das deutsche WM-OK nicht vorstellen kann, in vier Jahren wieder Ausrichter zu sein.

Dass eine Entscheidung über eine neue Vergabe in Kürze erfolgt, scheint jedoch unwahrscheinlich. Da Blatter eine dritte Amtszeit anstrebt und 2007 in Zürich wiedergewählt werden möchte, braucht er auch die Stimmen der Afrika-Vertreter.

mt/sid



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