DFB-Sieg gegen Färöer Die glanzlosen Vier

Reus, Özil, Götze und Müller - mit einem offensiven Mittelfeld-Quartett wollte Deutschland die Färöer durcheinanderwirbeln. Doch es fehlten Ideen, auch haperte es an der Abstimmung. Joachim Löw wird wohl bald wieder mit einem anderen System spielen lassen.

Von Nils Lehnebach

DPA

Hamburg - Es war eine Aktion mit Symbolcharakter: Mario Götze dribbelte in den Strafraum, umspielte zwei, drei, vier Gegenspieler - und niemand griff ihn an. Irgendwann war er so nah vor dem Tor, dass er einfach schoss. Mit einer Einzelaktion leitete Götze Deutschlands Auftaktsieg in der WM-Qualifikation ein, am Ende stand es 3:0. Mesut Özil erzielte die weiteren Treffer beim 500. Sieg in der deutschen Länderspielgeschichte.

Die DFB-Elf spielte gegen die Färöer deutlich offensiver als zuletzt, neben dem einzigen defensiven Mittelfeldspieler Sami Khedira lief im Mittelfeldzentrum Götze auf. Zusammen mit Özil, Thomas Müller und Marco Reus bildete er damit eine offensive Viererreihe. Das Quartett sollte für Torgefahr sorgen, vor allem aber sollte es spielerischen Glanz verbreiten.

Das erste Ziel wurde erreicht, das zweite nicht.

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Deutschland kam vor allem durch Einzelaktionen wie bei Götzes Führungstreffer, Flanken und Kontern zu seinen zahlreichen Chancen. Kombinationen, Doppelpässe und überraschende Spielzüge gab es gegen den defensiv stehenden Gegner aber nicht zu sehen. Gerade die Außenspieler agierten zu statisch, es fehlten überraschende Laufwege und Pässe.

"Das Spiel heute ist nicht der Maßstab für die anderen Gegner", sagte Bundestrainer Joachim Löw. Im zweiten Qualifikationspiel wartet am Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) mit Österreich ein Gegner von ganz anderer Qualität. Ein Gegner, der deutlich mehr Gegenwehr bieten wird und der Deutschland noch weniger Möglichkeiten zum Kombinieren geben dürfte.

Gegen die Färöer übernahmen im Zentrum Götze und Özil abwechselnd die etwas defensivere Rolle, der jeweils andere rückte dann häufig bis auf die Höhe von Sturmspitze Miroslav Klose vor. Doch gerade Özil hinterließ dabei nur selten einen guten Eindruck. Seine Pässe waren meist ungenau, Geistesblitze hatte er nicht. Generell war das Zusammenspiel verbesserungswürdig. "Als Mesut Özil in der zweiten Halbzeit öfter mal Platz hatte, rannten alle Spieler einfach in die Mitte rein. Da müssen wir noch an den Details arbeiten", so Löw. Özils Bilanz stimmte am Ende dank seiner zwei Treffer aber dennoch.

Auch die Abstimmung mit Klose funktionierte nur selten. Meist kamen die Pässe auf ihn entweder zu steil oder in den Rücken, wirklich passend waren sie fast nie. "Es war sehr schwer für uns, da durchzukommen. In der ein oder anderen Situation hätten wir konsequenter sein müssen", sagte Götze.

Löws Geduld ist gefordert

Wie viele andere Entwicklungen im Weltfußball ist auch das 4-1-4-1-System von den Spaniern perfektioniert worden. Beim 1:0-Triumph im EM-Finale 2008 gegen Deutschland setzte Trainer Luis Aragonés auf Marcos Senna als einzigen Abräumer vor der Abwehr. Davor wirbelten mit Xavi, Cesc Fàbreags, Andrés Iniesta und David Silva vier offensive Spielmacher, allesamt wendig, technisch herausragend und mit der Fähigkeit, den entscheidenden Pass spielen zu können. Deutschland hat diese Spieler auch - nur sind die noch nicht so weit wie ihre Vorbilder.

Löw hat das System mit nur einem defensiven Mittelfeldspieler nun zum zweiten Mal ausprobiert. Schon beim ersten Versuch war es nicht aufgegangen, in der EM-Vorbereitung verlor das DFB-Team mit dieser Formation 3:5 gegen die Schweiz. Der Bundestrainer weiß, dass er seine Mannschaft taktisch weiterentwickeln muss, um endlich einen Titel zu gewinnen.

Das Einstudieren eines neuen Spielsystems fordert Geduld. Die Qualifikationsgruppe mit den Gegnern Färöer, Schweden, Irland, Österreich und Kasachstan ist machbar. So machbar, dass man neben der obligatorischen Qualifikation für die WM an taktischen Details arbeiten könnte. Löw dürfte das System mit einem Sechser dennoch dauerhaft nur als Alternative - und nicht als erste Option - ansehen. Denn es würde zugleich bedeuten, dass Sami Khedira oder Bastian Schweinsteiger dauerhaft keinen Stammplatz hätten. Dieses Opfer dürfte ihm zu groß sein.

Deutschland - Färöer 3:0 (1:0)
1:0 Götze (29.)
2:0 Özil (54.)
3:0 Özil (72.)
Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Hummels, Badstuber - Khedira - Müller (Schürrle 67.), Özil, Götze (Draxler 87.), Reus - Klose (Podolski 75.)
Färöer: Nielsen - Naes, Faerö, Baldvinsson, Justinussen - Benjaminsen, Hansson - Samuelsen (Elttör 65.), Holst - Udsen - Edmundsson (Klaemint Olsen 85.)
Schiedsrichter:
Madden (Schottland)
Zuschauer: 30.000
Gelbe Karten: Lahm - Baldvinsson

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insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
atherom 08.09.2012
1. Der Kapitän hat jetzt den Weltmeistertitel als Ziel avisiert.
Nach der Weltmeisterschaft 2014 werden diese Worte, wie nach der Euro 2012, relativiert werden. Wo es nach dem Sieg gegen Griechenland wörtlich hiess: wer kann uns noch stoppen (Italien). 3:0 gegen Faröer: wer kann uns noch stoppen?
patricka1 08.09.2012
2. Nils Lehnebach...
Zitat von sysopDPAReus, Özil, Götze und Müller - mit einem offensiven Mittelfeld-Quartett wollte Deutschland die Färöer durcheinander wirbeln. Doch es fehlten Ideen und Abstimmung. Joachim Löw wird wohl bald wieder mit einem anderen System spielen lassen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,854637,00.html
[QUOTE=sysop;10913380]Reus, Özil, Götze und Müller - mit einem offensiven Mittelfeld-Quartett wollte Deutschland die Färöer durcheinander wirbeln. Doch es fehlten Ideen und Abstimmung. Joachim Löw wird wohl bald wieder mit einem anderen System spielen lassen. ...hat keine Ahnung von Fussball! Bitte jemanden mit Sachverstand ueber Sport berichten lassen! Ist die Arbeitslosenquote schon so niedrig, dass man aus Verzweiflung jeden nimmt, auch wenn er gerade mal einen Satz geradeaus schreiben kann?
na,na,na 08.09.2012
3. Ich kanns nicht mehr lesen
immer diese Nörglerei von selbsternannten Sportquatschern, es genügt doch dass Deutschland 3:0 gewonnen hat. Warum also noch auf die einzelnen Spieler draufhauen. Noch nie etwas von Fair-Play gehört.
nudelhuber 08.09.2012
4. Färinger...
heissen die Bewohner der Färöer-Inseln übrigens… Ansonsten kann ich dem Artikel auch anderweitig auch nicht so ganz folgen. Hätte die Mannschaft nur die Hälfte ihrer Chancen verwertet wäre ein lockeres 6-0 oder 7-0 herausgekommen…also kann es nicht ideenlos gewesen sein gegen eine Mannschaft, die mit allen Spieler wie im Handball um den 16er gestanden hat. Da trifft es der kicker wohl besser: Über 90 Minuten zeigte die DFB-Elf Einbahnstraßenfußball, strahlte mit viel Ballbesitz Dominanz aus und generierte reihenweise Torchancen. Naja, ist ja auch ein Fachblatt..war SPON im Bereich Sport eher noch nie gewesen
teekaysevenfive 08.09.2012
5. Entschuldigung...aber!
Was schreiben Sie da eigentlich? So: "Als Mesut Özil in der zweiten Halbzeit öfter mal Platz hatte, rannten alle Spieler einfach in die Mitte rein. Da müssen wir noch an den Details arbeiten" hat Joachim Löw das wörtlich nicht gesagt. Der Satz, dass sich bei Kontern mit entstehenden Freiräumen zu viele Spieler in die Mitte bewegt haben, fiel weder im Zusammenhang mit dem Namen Özil, noch sagte er "einfach" in die Mitte. Das klingt kopflos. So hat es Löw nicht ausgedrückt. Warum schreiben Sie hier immer so einen Unsinn und kennzeichnen Aussagen als wörtliche Zitate, die so nie gefallen sind? Leider entsprechen die Beiträge auf der Online Seite des Spiegels schon seit Jahren nicht mehr dem Qualitätsanspruch der Printausgabe und von ordentlichem Journalismus. Entweder ist das ein Generationenproblem oder eins der Personalauswahl, aber hier muss Spiegel Online endlich nachbessern, wenn man sich vom Boulevar abgrenzen möchte.
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