DFB-Elf in Nordirland "Eine richtig knackige Aufgabe"

Mit Nordirland wartet am Abend der unangenehmste Gegner der WM-Qualifikation auf die deutsche Mannschaft. Für die Elf von Joachim Löw beginnt mit diesem Spiel die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft.

Nordirische Fußball-Nationalmannschaft
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Nordirische Fußball-Nationalmannschaft

Aus Belfast berichtet


Man muss dieses Spiel nicht künstlich hoch schreiben. Zur Charakterfrage, zur Reifeprüfung, zum Härtetest. Schließlich hat das DFB-Team die WM-Qualifikation so gut wie sicher, daran würde selbst eine Niederlage am Abend im Windsor Park bei den Nordiren (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL) nichts ändern. Der eine fehlende Punkt zur WM-Teilnahme würde dann im Heimspiel gegen Aserbaidschan geholt werden müssen.

Aber die Partie in Belfast ist nach dem Confed-Cup-Finale gegen Chile im Juli die ambitionierteste Anforderung, die der Weltmeister Deutschland seit der EM in Frankreich im Vorjahr zu bestreiten hat. Möglicherweise ist es sogar die einzige Partie zwischen EM und WM, bei der die Elf von Joachim Löw an ihre Grenzen gehen muss. Wenn Mats Hummels vor der Partie sagt: "das wird eine richtig knackige Aufgabe für uns", dann hat der Nationalspieler von Bayern München das schon recht realistisch eingeschätzt.

Die Nordiren sind Gruppenzweiter hinter dem DFB-Team, theoretisch könnte man Deutschland sogar noch überholen, wenn die Löw-Elf beide ausstehenden Spiele verlieren würde. Was angesichts des letzten Gegners Aserbaidschan ja oben bereits mehr oder weniger ausgeschlossen wurde. Aber auch als Zweiter hat sich die Mannschaft glänzend verkauft: 19 Punkte hat das Team von Trainer Michael O'Neill bisher auf der Habenseite, nimmt man die Hinspielniederlage in Deutschland aus, hat die Mannschaft in sieben Spielen kein einziges Gegentor kassiert.

In welcher Form reisen die Bayernspieler an?

Auf der anderen Seite tritt die DFB-Auswahl ohne die Weltmeister Manuel Neuer, Mesut Özil, Benedikt Höwedes, Mario Götze und Sami Khedira an. Mario Gomez und Timo Werner, die für die Tore zuständig wären, fehlen ebenso. Joachim Löw hat zwar sechs Spieler von Rekordmeister Bayern München nominiert, aber es gab sicherlich schon bessere Zeitpunkte, um auf einen Bayern-Block zu setzen. Von Borussia Dortmund, der bislang konstantesten und besten deutschen Bundesligamannschaft, ist keiner mit von der Partie.

Die Turbulenzen bei den Bayern um die Trennung von Trainer Carlo Ancelotti hätten "überhaupt keinen Einfluss" auf die Nationalmannschaft, hat Löw am Mittwoch geradezu kategorisch verkündet. Und auch Hummels hat es eher als wohltuend bezeichnet, nach den "aufreibenden Wochen" in München jetzt wieder in ruhigen Fahrwassern beim DFB zu sein. Aber sonst wurde immer eher anders herum argumentiert: Wenn es gut lief im Verein, wurde dies als Rückenwind für die Nationalmannschaft dargestellt, demnach dürfte die schlechte Stimmung in München sich nicht zwingend leistungsfördernd auswirken.

Er freue sich "riesig" auf das Spiel, die Atmosphäre, das "fantastische Publikum", hat Löw betont. Und tatsächlich hat es die Mannschaft unter Löw oft genug gezeigt, dass sie dann auch in der Lage ist, die Herausforderung anzunehmen. Es brauchte dann allerdings oft die Spieler Neuer, Özil oder Khedira mit ihrer Ruhe und Erfahrung, um sich wieder aufs gewohnte Niveau hochzuspielen. Sie werden im Windsor Park fehlen.

Thomas Müller
Getty Images

Thomas Müller

So wird es wohl wieder auf Thomas Müller ankommen, das große Fragezeichen im deutschen Fußball im Moment. Keiner weiß wirklich, ob der Bayern-Spieler, der immer so tut, als belaste ihn nichts, wirklich nur in einem Leistungsloch steckt oder ob es hier um etwas Dauerhafteres geht.

Eine Strähne, die nach Jahren gerissen ist und die einfach nicht wieder zusammenwachsen will, so sehr sich der Nationalspieler auch bemüht. Im Wiedergutmachungs-Länderspiel gegen Norwegen, als Fans und Mannschaft die große Versöhnung feierten, hat Müller sich als Vorbereiter profiliert. Sofern es Andere gibt, die dann die Tore schießen, ist das auch sehr in Ordnung. Aber angesichts der Ausfälle in der Offensive ist in Belfast auch wieder der Torschütze Müller gefragt. Für ihn wird es in jedem Fall ein wichtiges Spiel werden.

Knapp wird es im Windsor Park zugehen, davon gehen alle Beobachter aus, das glaubt auch die deutsche Delegation. Bislang hat die Löw-Elf in der Qualifikation nichts anbrennen lassen, gegen die Tschechen haben sie ein nur ein Gegentor zugelassen, was das alles wert ist, wird man am Abend schon etwas besser einordnen können. Es sind noch acht Monate und neun Tage bis zum Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft, aber ein kleines bisschen fängt die WM an diesem Abend bereits an.



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