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DFB-Sieg gegen Irland: Selbstkritik statt Euphorie

Aus Dublin berichtet

Der Sieg fiel deutlich aus, dennoch offenbarte das deutsche Team in Irland Schwächen. Eine Entwicklung war allerdings deutlich erkennbar. Spieler und Verantwortliche stellen sich nun selbstkritisch den Problemen.

Irland vs. DFB: Doppelter Reus, überforderte Iren Fotos
AFP

Fast wäre Joachim Löw der Zugang zur Pressekonferenz verwehrt worden. Eine junge Medienbetreuerin der irischen Nationalmannschaft erkannte den deutschen Bundestrainer nicht und verlangte nach seinem Ausweis. Löw lachte den Vorfall einfach weg und durfte nach wenigen Worten dann doch aufs Podium.

Der Nationaltrainer, der noch am Tag vor dem Spiel gegen Irland mit seiner Kritik an Außenverteidiger Marcel Schmelzer wenig souverän gewirkt hatte, stand an diesem Abend in Dublin wieder mehr über den Dingen. Der 6:1 (2:0)-Sieg seiner Mannschaft muss sich nach den Querelen der vergangenen Tage für ihn wie eine Befreiung angefühlt haben. "Natürlich tat das heute gut", gab auch Toni Kroos nach der Partie zu. Der zu Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselte Mittelfeldspieler des FC Bayern München hatte mit zwei sehenswerten Toren großen Anteil am Erfolg.

Doch anders als nach den Siegen gegen die Niederlande (3:0) im vergangenen November oder dem Galaauftritt gegen Österreich (6:2) drei Monate zuvor brach diesmal kein Spieler in Jubel aus. "Man muss das Spiel richtig einordnen. Das war heute absolut kein guter Gegner", sagte Kroos.

Tatsächlich waren die Iren das mit Abstand schwächste Team in den bislang drei Partien der WM-Qualifikation. Selbst die Färöer hatten mehr Kompaktheit und deutlich gefährlichere Angriffe gezeigt als die Elf der italienischen Trainerlegende Giovanni Trapattoni.

Dessen weitgehend auf Zerstörung ausgerichtetes Konzept ging nur eine gute halbe Stunde auf. Nach dem ersten Gegentor verfielen die Iren in Orientierungslosigkeit, am Ende resignierten sie. "Unsere Mannschaft hat die Präsenz, die Ausstrahlung, die Körpersprache gezeigt, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen", lobte Löw, "zuletzt gegen Österreich waren wir nicht in dieser Verfassung."

Zahlreiche Schwächen in der ersten halben Stunde

Bei den Deutschen lief dennoch nicht alles über 90 Minuten rund. Ohne die zwei überragenden Einzelaktionen des Dortmunder Angreifers Marco Reus, mit denen er für die 2:0-Führung sorgte, hätte das DFB-Team wohl noch weitere Tage mit bohrenden Fragen zur Mannschaftsstimmung und -geschlossenheit kämpfen müssen. Denn in der ersten halben Stunde des Spiels offenbarte die deutsche Nationalmannschaft erneut etliche der vor allem nach dem Halbfinals-Aus bei der EM gegen Italien kritisierten Schwächen. Das Team bekam kaum Zugriff aufs Spiel.

"Es ist schon lustig, dass man nach einem 6:1 noch irgendwelche schwierigen Phasen erklären muss", sagte Kroos. Der 22-Jährige, der für den angeschlagenen Sami Khedira ins Spiel gekommen war, konnte eben diese Phasen aber auch nicht abstreiten. Kroos musste in den ersten 30 Minuten von der Bank aus beobachten, dass das deutsche Umschaltspiel eigentlich nicht existierte, dass das geforderte Pressing völlig ausblieb und dass die Pässe in die Spitze weder Präzision noch Tempo hatten.

In der zweiten Halbzeit präsentierte sich die DFB-Elf dann höchst effizient. Doch ein Indikator dafür, dass die Mannschaft ihre EM-Depression endgültig überwunden hat, war dies nicht. Irland agierte nach der Pause ganz schwach. "Wir wussten, dass der Gegner irgendwann müde sein würde und dann einbricht, wenn wir den Ball lange genug laufen lassen", sagte Kroos. "Dass wir dann aber so zugeschlagen haben, hat mich schon gefreut. Heute haben wir endlich mal unsere Chancen genutzt", ergänzte Stürmer Miroslav Klose, der gegen die physisch schwachen und technisch überforderten Iren zum 4:0 getroffen hatte.

Mit Effizienz und Aufwand

Und tatsächlich war die zuvor immer wieder angemahnte Effizienz vor dem gegnerischen Tor einer der positiven Aspekte des DFB-Auftritts in Dublin. Der andere bestand in dem erhöhten Einsatz, den das Team zeigte. "Wir haben zwar in den ersten beiden Quali-Spielen gegen die Färöer und in Österreich sechs Punkte geholt, aber uns läuferisch etwas geschont. Das haben wir heute viel besser gemacht", so Klose.

Doch mit dieser Entwicklung ist sogleich die dritte Erkenntnis des Abends verbunden: Das DFB-Team ist noch keineswegs so gefestigt, wie viele Experten vor der EM angenommen hatten. Es gibt weiterhin Probleme in der Spielstruktur.

So sind wohl auch die mahnenden Worte von Team-Manager Oliver Bierhoff zu verstehen. "Wir dürfen jetzt nicht in Euphorie verfallen. Es ist ja nicht alles gut, nur weil wir gewonnen haben." Und Bastian Schweinsteiger sagte: "Wir müssen jetzt noch intensiver weiterarbeiten und den nächsten Schritt machen, um einen Titel zu gewinnen."

Wenn diese Selbstkritik und das offene Ansprechen von Defiziten die Erkenntnis nach dem EM-Aus und den damit verbunden Krisentagen ist, hat dieses DFB-Team einen riesigen Schritt nach vorne gemacht.

Irland - Deutschland 1:6 (0:2)
0:1 Reus (32.)
0:2 Reus (40.)
0:3 Özil (55., Foulelfmeter)
0:4 Klose (58.)
0:5 Kroos (61.)
0:6 Kroos (83.)
1:6 Keogh (90.+2)
Irland: Westwood - Coleman, O'Shea, O'Dea, Ward - McCarthy, Andrews, Fahey (ab 52. Long) - McGeady (ab 69. Keogh), Walters, Cox (ab 84. Brady) Deutschland: Neuer- Boateng, Mertesacker, Badstuber, Schmelzer - Khedira (ab 46. Kroos), Schweinsteiger - Müller, Özil, Reus (ab 66. Podolski) - Klose (ab 72. Schürrle)
Schiedsrichter: Rizzoli (Italien)
Zuschauer (in Dublin): 40.000
Gelbe Karten: O'Dea, Long / Reus, Badstuber

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insgesamt 63 Beiträge
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1.
eduardschulz 13.10.2012
Zitat von sysopDPADer Sieg fiel deutlich aus, dennoch offenbarte das deutsche Team in Irland Schwächen. Eine Entwicklung war allerdings deutlich erkennbar. Spieler und Verantwortliche stellen sich nun selbstkritisch den Problemen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-qualifikation-dfb-elf-siegt-ueber-irland-a-861084.html
Was ist daran neu? Verbale Selbstgeißelung ist quasi in Deutschland erfunden worden.
2. optional
itm_royal 13.10.2012
Weiter so Jungs
3. naja..
ja-sager 13.10.2012
zu Selbstritik gehört auch Selbstvertrauen. So wie die Presse über Löw und seine Spieler hergezogen hat, wundere ich mich nicht über schwächere Leistungen einzelner Spieler, die damit nicht gut umgehen können. Das ist der Ansatzpunkt. Spielerisch ist unsere NM nicht schlechter als Spanien, vor allem aber viel besser als Italien. Ein wenig mehr Selbstvertrauen und man muss sich keine Sorgen machen.
4. um Vorne zu sein
ofelas 13.10.2012
Zitat von eduardschulzWas ist daran neu? Verbale Selbstgeißelung ist quasi in Deutschland erfunden worden.
Auch ihre Bewertung dazu ist sehr deutsch, eine kritische Selbstbetrachtung ist nun mal die Vorraussetzung fuer eine Sollkonzeption. Nur die Gesellschaften die einen solchen Prozess des Neuerfindens meistern haben eine hoehere Position in unsere Welt erlangt und behalten. Ja, die Balance zwischen einer Selbstkasteiung und Endsiegjubel faellt uns doch sehr schwer.
5. optional
Rahvin 13.10.2012
Wenn den Worten und großspurigen Ankündigungen auch einmal Taten folgen würden. Alles redet vom Titel: Bei großen Turnieren verliert die deutsche Mannschaft dann gegen die Seniorenauswahl aus Italien. Gegen Spanien will man es sich wohl eher nicht ausmalen, was die Truppe als Leistung anbieten würde. Wenn man gegen die Faröer (ok, die gewannen mal gegen Österreich) und Irland gewinnt, kann man schon mal vom Titel träumen.
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Das deutsche Aufgebot
Tor: Manuel Neuer (Bayern München), Ron-Robert Zieler (Hannover 96), Marc-André ter Stegen (Borussia Mönchengladbach)

Abwehr: Philipp Lahm, Jérôme Boateng, Holger Badstuber (alle Bayern München), Heiko Westermann (Hamburger SV), Marcel Schmelzer (Borussia Dortmund), Benedikt Höwedes (Schalke 04), Per Mertesacker (FC Arsenal)

Mittelfeld: Mario Götze, Marco Reus (beide Borussia Dortmund), Mesut Özil, Sami Khedira (beide Real Madrid), Toni Kroos, Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger (alle Bayern München), André Schürrle (Bayer Leverkusen), Lukas Podolski (FC Arsenal)

Angriff: Miroslav Klose (Lazio Rom)
Deutschlands Spiele in der WM-Qualifikation
Datum Gegner Austragungsort
07.09.2012 Färöer (3:0) Hannover
11.09.2012 Österreich (2:1) Wien
12.10.2012 Irland (6:1) Dublin
16.10.2012 Schweden (4:4) Berlin
22.03.2013 Kasachstan (3:0) Astana
26.03.2013 Kasachstan (4:1) Nürnberg
06.09.2013 Österreich (3:0) München
10.09.2013 Färöer (3:0) Tórshavn
11.10.2013 Irland (3:0) Köln
15.10.2013 Schweden (5:3) Solna

Die deutschen Gruppengegner in der WM-Qualifikation
Schweden
Die größten WM-Erfolge liegen für Schweden schon Jahrzehnte zurück. 1958 wurde das Team Zweiter, 1950 und 1994 jeweils Dritter - seitdem aber bleibt der Weltranglisten-19. hinter seinen hohen Erwartungen auf internationaler Ebene zurück. Zuletzt jedoch zeigten die Schweden wieder Klasse - als sie in Berlin ein 0:4 gegen Deutschland zu einem 4:4 aufholten.

Bilanz gegen Deutschland: 12 Siege, 9 Unentschieden, 14 Niederlagen; 57:65 Tore.
Irland
Zu hause eine Macht, auswärts eher harmlos. Auch unter dem italienischen Star-Trainer Giovanni Trapattoni konnten die Iren ihr Image als liebenswerte Verlierer nicht loswerden. Seit Juli 2008 ist "Trap" im Amt. Bei der WM 2002 trotzte Irland in der Vorrunde den Deutschen ein 1:1 ab. Auch in der Qualifikation für die EM 2008 hatte es die DFB-Elf mit Irland zu tun, siegte zu Hause 1:0 - in Dublin gab es nur ein 0:0, in der Qualifikation im Oktober 2012 siegte die Löw-Elf in Dublin 6:1. Irland war bisher dreimal bei Weltmeisterschaften (1990, 1994, 2002), bei der WM 1990 scheiterte das Team erst im Viertelfinale. Die meisten Spieler spielen in der englischen Premier League.

Bilanz gegen Deutschland: 5 Siege, 4 Unentschieden, 8 Niederlagen; 27:26 Tore
Österreich
Die Alpenrepublik war zuletzt der Lieblingsgegner des DFB, seit knapp 25 Jahren hat Deutschland keine Partie mehr gegen Österreich verloren. Darunter waren vier Gastspiele in Wien. Von den insgesamt 36 Duellen sind aber zwei unrühmlich in Erinnerung geblieben: Die "Schmach von Cordoba" 1978 und die "Schande von Gijón" 1982. Österreich spielt um die achte WM-Teilnahme - seit 1998 blieb nur die Zuschauerrolle.

Bilanz gegen Deutschland: 9 Siege, 6 Unentschieden, 22 Niederlagen; 52:78 Tore.
Färöer-Inseln
Fußball ist auf der Inselgruppe im Nordatlantik angesagt wie kaum ein anderer Sport - aber auf schwachem Niveau. Bei nicht einmal 50.000 Einwohnern hat der irische Nationaltrainer Brian Kerr nicht viele personelle Alternativen. So bleiben Achtungserfolge des Weltranglisten-112. Ausnahmeerscheinungen. Die einzigen beiden Spiele gegen die deutsche Nationalmannschaft waren derartige: Im Rahmen der EM-Qualifikation 2004 tat sich das Team des damaligen Teamchefs Rudi Völler sowohl beim 2:0 auswärts als auch beim 2:1 daheim schwer. Eine Überraschung gelang den Färöern im Juni 2010 mit einem 2:0 über Estland.

Bilanz gegen Deutschland: 0 Siege, 0 Unentschieden, 2 Niederlagen; 1:4 Tore.
Kasachstan
Seit 1994 ist Kasachstan Mitglied der Fifa und wartet seither auf die Teilnahme an einem großen Turnier. Das Land liegt zu 90 Prozent in Asien. Deutschland hat eine makellose Bilanz gegen den Fußball-Zwerg - das Löw-Team gewann beide Duelle in der Qualifikation zur EM 2012 (3:0, 4:0). Der Auftritt in der Hauptstadt Astana bedeutet wieder Reisestrapazen samt rund fünfeinhalb Flugstunden für die DFB-Auswahl. Namhafte Spieler hat das Land nicht zu bieten, bis auf wenige Ausnahmen - etwa Heinrich Schmidtgal, der in der 2. Bundesliga für die SpVgg Greuther Fürth aufläuft.

Bilanz gegen Deutschland: 0 Siege, 0 Unentschieden, 4 Niederlagen; 1:13 Tore.

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