WM-Qualifikation in Österreich Ein Sündenbock ist zu wenig

Marcel Schmelzer bekam schnell den Schwarzen Peter zugeschoben: Er sollte schuld sein am schwachen deutschen WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich. Doch so einfach ist es nicht. Die miserable Defensivleistung lag nicht nur an dem Dortmunder Spieler, der gesamten Mannschaft fehlte die Grundordnung.

Aus Wien berichtet


Schon beim Anpfiff konnte man erahnen, dass Marcel Schmelzer irgendetwas gehörig missverstanden haben musste. Der Linksverteidiger stand auf Höhe der Mittellinie, während seine Kollegen den Anstoß ausführten - ungefähr 20 Meter von seinem eigentlichen Arbeitsplatz entfernt. Und über die gesamte Spieldauer des schmeichelhaften 2:1-Siegs der DFB-Elf gegen Österreich sollte sich dieser Zustand nicht ändern. Schmelzer war fast nie dort, wo er eigentlich sein sollte. Er gab eine unglückliche Figur ab.

Doch es wäre zu einfach, die gesamte Schuld für das ungeordnete, verunsicherte und passive Defensivverhalten der deutschen Nationalmannschaft an Schmelzer festzumachen. Der Dortmunder erwischte zwar einen schlechten Tag, ließ den Österreicher Marko Arnautovic immer wieder über die linke Seite durchbrechen und in den Strafraum eindringen. Aber schon die Tatsache, dass Schmelzer und Kollegen eben jenen Arnautovic noch vor knapp drei Wochen im Bundesligaspiel gegen Werder Bremen recht gut im Griff hatten, zeigt: Die Defensivprobleme des DFB-Teams haben an diesem Abend im Ernst-Happel-Stadion nicht nur an Schmelzers Schwächen gelegen.

Schlechte Raumaufteilung, fehlende Grundordnung

"Ich finde, es ist zu einfach, auf einer Position herumzuhacken", sagte Schmelzer nach der Partie. In der Tat zeigte das Spiel deutlich, dass die Balance in der deutschen Nationalmannschaft nach wie vor nicht stimmt. "Wir haben als Team nicht kompakt genug gespielt, das war das Problem", so Schmelzer. Und Kapitän Philipp Lahm sagte: "Wir hatten heute keine gute Raumaufteilung."

Es war auffällig, wie häufig Schmelzer von seinen Mitspielern allein gelassen wurde. Während Vereinskollege Marco Reus in der ersten Halbzeit noch viele Wege in die Defensive mitgegangen war, offenbarte der in der zweiten Halbzeit eingewechselte BVB-Spieler Mario Götze völliges Desinteresse an der Abwehrarbeit. Der 20-Jährige unterstützte Schmelzer weder durch frühes Pressing, noch durch tiefes Zurückrücken in den Abwehrverbund.

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Auch die Innenverteidiger Holger Badstuber und Mats Hummels standen häufig zu weit von ihren Kollegen auf den Außenpositionen entfernt. "Wir haben in dieser Konstellation noch nicht oft zusammengespielt. Mit Marcel ist vieles neu. Wir brauchen wohl einfach Zeit, um Vertrauen und Abläufe aufzubauen", versuchte sich Badstuber an einer Erklärung.

Gute Vereinsspieler können sich in der DFB-Elf nicht entfalten

Als Schmelzer nach dem Spiel gefragt wurde, ob er bei Borussia Dortmund ein anderes Selbstvertrauen habe als im Nationalteam, antwortete er unverblümt: "Ja. Ich glaube auch, dass man das sieht. Ich habe zwar heute versucht, mein Spiel hier einzubringen, aber es hat nicht so geklappt, wie ich das wollte." Woran das genau lag, konnte der 24-Jährige jedoch nicht beantworten. Dafür wolle er erst noch die Videoanalyse sehen.

Die wird auch der Bundestrainer heranziehen müssen, um herauszufinden, warum die besten deutschen Vereinsspieler in der Nationalmannschaft nicht harmonierten - und das nicht zum ersten Mal. Warum sie sich mehr hemmten, als sich gegenseitig zu unterstützen und zu beflügeln. Löw wird sich fragen müssen, warum selbst der sonst so sichere Torwart Manuel Neuer etliche Unsicherheiten zeigte und warum sich das DFB-Team - wie schon beim EM-Aus gegen Italien, bei der Niederlage gegen Argentinien und selbst beim Sieg gegen die Färöer - immer wieder auskontern ließ.

Es reicht nicht, wenn der Bundestrainer darauf hofft, dass Schmelzer "bald ein internationales Niveau" erreichen werde. Damit macht auch er es sich zu einfach. Die gesamte Mannschaft ist noch lange nicht auf WM-Niveau, viel Arbeit liegt vor Löw und seinem Team. Zwei Jahre haben sie noch Zeit - keine Ewigkeit.

Österreich - Deutschland 1:2 (0:1)
0:1 Reus (44.)
0:2 Özil (52.)
1:2 Junuzovic (57.)
Österreich: Almer - Garics, Prödl, Pogatetz, Fuchs - Baumgartlinger (85. Janko), Kavlak - Arnautovic, Junuzovic, Ivanschitz (75. Jantscher) - Harnik (55. Burgstaller)
Deutschland: Neuer - Lahm, Hummels, Badstuber, Schmelzer - Khedira, Kroos - Müller, Özil, Reus (46. Götze) - Klose (75. Podolski)
Schiedsrichter: Kuipers (Niederlande)
Zuschauer (in Wien): 47.500 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Prödl, Fuchs, Baumgartlinger - Lahm (2)

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insgesamt 95 Beiträge
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Seite 1
blitzunddonner 12.09.2012
1. aber in einem punkt war dann doch allein unterirdisch: ...
Zitat von sysopAFPMarcel Schmelzer bekam schnell den Schwarzen Peter zugeschoben: Er sollte schuld sein am schwachen deutschen WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich. Doch so einfach ist es nicht. Die miserable Defensivleistung lag nicht nur an dem Dortmunder Spieler, der gesamten Mannschaft fehlte die Grundordnung. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,855322,00.html
... er hatte nicht die haare schön. in jungen fussballerjahren war er da anders drauf. google-bilder zeigen das. *g*
tatortreiniger 12.09.2012
2. WM-Qualifikation
Zitat von sysopAFPMarcel Schmelzer bekam schnell den Schwarzen Peter zugeschoben: Er sollte schuld sein am schwachen deutschen WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich. Doch so einfach ist es nicht. Die miserable Defensivleistung lag nicht nur an dem Dortmunder Spieler, der gesamten Mannschaft fehlte die Grundordnung. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,855322,00.html
Ich denke, jetzt rächt sich Löws Experimentierfreude. Man muss einer Mannschaft (oder besser: Team) eben auch die Zeit lassen zusammenzuwachsen. Es ist zwar zu begrüßen, dass in der Hauptsache die Mannschaft als Ganzes im Vordergrund steht und man sich nicht - so wie früher - von ein oder zwei Spielern abhängig machen möchte. Trotzdem darf man nicht andauernd den Kader umstellen.
Weiher66 12.09.2012
3. Keine Gurkentruppe
Ich bin immer wieder überrascht, dass bei Analysen des deutschen Spiels die Qualität des Gegners außer Acht gelassen wird. Österreichs hat gestern auf einem hohen Niveau gespielt. Viele der Nationalspieler kicken in der Bundesliga - und dort bei starken Vereinen. Warum können wir nicht damit leben, dass starker Gegner guten Fußball spielen? Die Frage ist doch: War die Vorarbeit von Arnautovic zum Anschlusstreffer ein Fehler von Götze und Schmelzer oder mehr eine Klasseleistung des Österreichers? Ich lege mich fest: das zweite.
ramaas 12.09.2012
4. Sündenbock
Das Gegentor fiel deswegen, weil Schmelzer und Götze sich im Wege standen und gegenseitig störten. Lahm auf seiner Seite war auch nicht viel besser und machte einige Fehler. Hummels hatte den Anfangsschnitzer, warf sich dann aber einige Male mutig dazwischen. Die ganze Mannschaft wirkte irgendwie leblos, und Weltklasseformat hat die Mannschaft sowieso nicht. Einige scheinen sich auch zurück zu entwickeln, wie Podolski, der in dieser Form in der Nationalelf nichts zu suchen hat.
henryxz 12.09.2012
5. Ändert sich nix
Nach dem 0:1 habe ich den Ösis beide Daumen gedrückt. Hätte mir ab da gewünscht, dass wir eine richtige Packung bekommen. Denn so ändert sich wieder (!) nix.
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