Nach Schiedsrichterbeleidigung Messi für vier Spiele gesperrt

Argentiniens WM-Teilnahme ist stark gefährdet: Superstar Lionel Messi wurde von der Fifa für vier Spiele gesperrt. Brisant ist, dass Konkurrent Chile das belastende Video entdeckte und an den Verband schickte.

Lionel Messi mit Schiedsrichterassistent Emerson Augusto de Carvalho
AP

Lionel Messi mit Schiedsrichterassistent Emerson Augusto de Carvalho


Der Fußball-Weltverband Fifa hat Argentiniens Superstar Lionel Messi für vier WM-Qualifikationsspiele gesperrt. Er soll am Donnerstag beim Sieg der Albiceleste gegen Chile einen Schiedsrichterassistenten beleidigt haben. Damit muss Vizeweltmeister Argentinien die entscheidende Phase der WM-Qualifikation ohne seinen besten Spieler bestreiten.

Die Sperre greift bereits für das Quali-Spiel am Dienstagabend (22 Uhr MESZ) in La Paz. Messi fehlt auch gegen Uruguay am 31. August, gegen Venezuela am 5. September und gegen Peru am 5. Oktober. Erst beim Quali-Abschluss in Ecuador darf er wieder spielen.

Die Fifa begründete die drastische Maßnahme mit einem Verstoß gegen Artikel 57 der Disziplinarregeln. Zusätzlich muss Messi 10.000 Schweizer Franken zahlen. Überführt wurde Messi wohl durch TV-Bilder. Er soll dem brasilianischen Assistenten kurz vor dem Schlusspfiff obszöne Beleidigungen zugerufen haben.

Der Schiedsrichter selbst hatte allerdings von den Beschimpfungen nichts mitbekommen. Zumindest wurde der Vorfall nicht in seinem Spielbericht erwähnt. Offenbar schickte der chilenische Verband anschließend belastendes Videomaterial an die zuständige Konföderation Conmebol.

"Kopfschmerzen für die Nationalmannschaft"

"Das Fehlen Messis bedeutet ernsthafte Kopfschmerzen für die Nationalmannschaft", schrieb die Zeitung "Clarín". Argentinien ist extrem von Messi abhängig: In der WM-Quali hatte er mehrfach gefehlt, und das Nationalteam war zwischenzeitlich in der Tabelle weit abgerutscht. Nur selten überzeugte der zweimalige Weltmeister. So gab es zwei Heimniederlagen gegen Ecuador und Paraguay, zwei Remis gegen Peru und Venezuela sowie ein 0:3 beim Erzrivalen Brasilien. Immerhin gelang zuletzt ein 1:0-Sieg gegen Nachbar Chile - dank eines Elfmetertors von Messi.

Im Rennen um die Turnierteilnahme in Russland geht es sehr eng zu. Praktisch durch ist nur Brasilien mit dem immer stärker aufspielenden Neymar (30 Punkte). Vor dem gefürchteten Spiel im 3600 Meter hoch gelegenen La Paz hatte Argentinien hinter Uruguay (23 Punkte) als Dritter 22 Punkte. Dahinter lauern aber Kolumbien (21), Ecuador (20), Chile (20) und Paraguay (18). Die ersten vier Teams qualifizieren sich direkt für die WM-Endrunde 2018 in Russland. Der Fünfte muss in die Playoffs gegen ein Team aus Ozeanien.

Die Sperre ist der jüngste Tiefpunkt in Messis oft unglücklich verlaufener Nationalmannschafts-Karriere. Anders als mit dem FC Barcelona gelang ihm hier bisher kein großer Erfolg wie einst Diego Maradona, der das Team zum WM-Titel 1986 führte.

rae/dpa

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insgesamt 17 Beiträge
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inter90 28.03.2017
1. Sehr gut
Auch ein Weltfußballer steht nicht über allem
Guaranie 28.03.2017
2. Feigheit
Hab das Spiel gesehen und auch die Szene mit Messi. Man konnte sogar an den Lippen ablesen was er dem Linienrichter sagte. Nach dem Spiel waren sogar die argentinischen Reporter erstaunt über die Reaktion des Linienrichters und ihres Superlieblings. Was den Linienrichter anbelangt finde ich eine Schande dass er sich das gefallen lässt. Wer regelmässig Rugby anschaunt würde so etwas niemals sehen. Dort herrscht absoluter Respekt gegenüber dem Schiedsrichter und den Linienrichtern egal ob diese sich irren (dass ist Teil des Sports). Aber dass liegt wohl daran das Messi einen Sonderbonus als Superstar hat. Ich finde die Schiedrichter sollten im Fussball härter gegen verbale Attacken vorgehen die lassen sich viel zu viel gefallen.
wutbürger2010 28.03.2017
3. Genie und Wahnsinn
Man muss auch von einem Fußball-Millionär gerade gegenüber den Schiedsrichtern Respekt erwarten dürfen. Eigentlich muss man von einem Profi im Fußballgeschäft auch Professionalität im Umgang mit anderen Menschen erwarten. Vielleicht hat aber im entscheidenden Moment auch nur der eigenartige Bart zu sehr gezwickt....... ;-)
arrache-coeur 28.03.2017
4.
Tja, Messi will wohl seine Pubertät nicht nur optisch nachholen.
oschn 28.03.2017
5. Frings-WM2006
Haben doch die Italiener damals nach dem Spiel gegen Argentinien bei der WM2006 auch gemacht, wodurch Frings dann im Anschluss gesperrt wurde für das Spiel gegen Italien. Scheint nunmal die Mode zu werden, im Fußball.
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