WM-Qualifikation Pflichtsieg für Deutschland - Pfiffe gegen Gomez

Vier Tore, wenig Glanz: Die deutsche Nationalmannschaft hat die Pflichtaufgabe in der WM-Qualifikation gegen Liechtenstein ohne Mühe gelöst. Richtig unzufrieden war Mario Gomez - der Stürmer konnte seine torlose Serie im DFB-Trikot auch gegen den klaren Außenseiter nicht beenden.


Hamburg - Deutschland siegte 4:0 (2:0) gegen Liechtenstein und feierte den vierten Sieg im fünften Spiel der Qualifikation zur WM 2010 in Südafrika. Mit 13 Punkten bleibt das Team von Bundestrainer Joachim Löw vor Russland (9 Punkte) Spitzenreiter der Gruppe 4. Die Tore gegen Liechtenstein erzielten Michael Ballack (4. Minute), Marcell Jansen (9.), Bastian Schweinsteiger (48.) und Lukas Podolski (50.). Im Mittelpunkt stand auch ein Spieler, der kein Tor erzielte: Mario Gomez. Der Stürmer wartet seit nunmehr 13 Spielen auf einen Treffer in der Nationalmannschaft - und musste sich von den Zuschauern in Leipzig teilweise laute Pfiffe gefallen lassen. Auch gegen den klar unterlegenen Außenseiter Liechtenstein ist es dem Stuttgarter nicht gelungen, seine negative Serie zu beenden. "Es ist sehr, sehr bitter. Ich hatte mir viel vorgenommen, hatte auch viele Chancen und habe nicht getroffen. Ich weiß auch nicht, woran es liegt. Keine Ahnung", zeigte sich Gomez nach dem Spiel ernüchtert.

Dabei hatte die Partie für den 23-Jährigen vielversprechend begonnen: Nach nicht einmal 20 Sekunden hatte Gomez die erste Möglichkeit, setzte einen Kopfball aber knapp am linken Pfosten vorbei.

So war es Ballack vorbehalten, in der vierten Minute für den ersten echten Höhepunkt zu sorgen: Nach einer Flanke von Schweinsteiger jagte der 32-jährige Mittelfeldmann den Ball aus 15 Metern per Volleyschuss ins Netz. Keeper Peter Jehle war gegen den harten Schuss des DFB-Kapitäns ohne Chance - obwohl der Ball genau über seinen Kopf hinweg ins Tor flog.

Den zweiten Treffer hätte Liechtensteins Schlussmann kurz darauf allerdings verhindern müssen: Jehle konnte einen Schuss Podolskis nicht festhalten, so dass Jansen den Abpraller aus kurzer Distanz zum 2:0 ins Netz beförderte (9. Minute). Die Stimmung im Stadion war zu diesem Zeitpunkt blendend: Zwei Tore in neun Minuten - in diesem Rhythmus hätte es für die 43.400 Zuschauer weitergehen können. Sie erwarteten nichts anderes als einen hohen Sieg.

Tatsächlich dominierte die deutsche Mannschaft die Partie in der Folge nach Belieben - nur Tore fielen bis zur Pause keine mehr. Ballack und Co. nahmen Tempo aus dem Spiel und mussten sich Mitte der ersten Hälfte erstmals vereinzelte Pfiffe von den Rängen gefallen lassen.

Die Unmutsbekundungen schienen ihre Wirkung nicht zu verfehlen: Kurz vor der Halbzeit drehten die Deutschen noch einmal auf, die besten Chancen in dieser Phase vergaben Podolski, der zweimal knapp neben das Tor zielte (39./43.), und Jansen, der mit einem Kopfball nur die Latte traf (40.).

Unmittelbar nach dem Seitenwechsel durften die Fans dann endlich wieder jubeln: Schweinsteiger (48.) und Podolski (50.) erhöhten mit einem Doppelschlag auf 4:0 für die DFB-Auswahl. Anschließend wiederholte sich jedoch das Geschehen aus der ersten Hälfte. Die DFB-Elf, die das Hinspiel im September vergangenen Jahres 6:0 gewonnen hatte, zeigte nicht die letzte Entschlossenheit, das Ergebnis noch deutlich zu erhöhen - sehr zum Leidwesen von Mario Gomez.

Der mühte sich redlich, war immer anspielbar und bereitete das 4:0 durch Podolski vor. In der 68. Minute traf er bei einem Versuch aus der Distanz den Ball nicht richtig und jagte das Spielgerät deutlich über die Latte. Die Fans antworteten mit lauten Pfiffen. Löw wechselte Gomez trotzdem nicht aus, der Angreifer sollte bis zur letzten Sekunde die Chance bekommen, Selbstvertrauen zu gewinnen.

Tabelle Gruppe 4

Platz Land Spiele Tore Punkte
1. Deutschland 10 26:5 26
2. Russland 10 19:6 22
3. Finnland 10 14:14 18
4. Wales 10 9:12 12
5. Aserbaidschan 10 4:14 5
6. Liechtenstein 10 2:23 2
Beinahe wäre Gomez das siebte Länderspieltor noch geglückt, doch in der 85. Minute traf er nach einem Pass des eingewechselten Marko Marin nur den Pfosten - und musste sich erneut Pfiffe des Publikums anhören. "Jedem Menschen tut das weh. Das sind unsere Fans. Man muss sie aber auch verstehen. Ich treffe Woche für Woche in der Bundesliga und hier dann nicht", sagte Gomez.

Aufmunterung bekam er von seinem Teamkollegen Podolski. "Mario ist ein super Stürmer, er wird auch hier wieder seine Tore machen", sagte der Bayern-Profi. Die nächste Gelegenheit dazu kommt vielleicht schon am Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) im nächsten Spiel der WM-Qualifikation in Wales.

Löw gab sich zuversichtlich. "Mario Gomez hat viele Qualitäten und ist ein junger Spieler", sagte der Bundestrainer. Löw ließ allerdings offen, ob der Stürmer auch gegen Wales in der Startelf stehen wird.

Deutschland - Liechtenstein 4:0 (2:0)
1:0 Ballack (4.)
2:0 Jansen (9.)
3:0 Schweinsteiger (48.)
4:0 Podolski (50.)
Deutschland: Enke - Beck, Mertesacker, Tasci, Lahm - Schweinsteiger (ab 88. Rolfes), Ballack, Hitzlsperger (ab 78. Marin), Jansen (ab 64. Helmes) - Gomez, Podolski.
Liechtenstein: Jehle - Vogt, Martin Stocklasa, Michael Stocklasa, Oehri - Ritzberger, Ronny Büchel, Gerster, Rohrer - Frick, Thomas Beck (ab 74. Roger Beck).
Schiedsrichter: Ischtschenko (Ukraine)
Zuschauer (in Leipzig): 43.368 (ausverkauft)

hut/sid/dpa

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