Irlands Nationaltrainer: Trapattoni tobt nach "Nacht der Schande"

Die Kritik an Giovanni Trapattoni war schon vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland heftig - nach der 1:6-Klatsche droht dem Italiener endgültig das Aus als irischer Nationaltrainer. Doch "Trap" will sein Amt behalten, trotz seines Alters zeigt er sich äußerst kampfeslustig.

Giovanni Trapattoni: "Wir haben nur die Spieler, die wir haben!" Zur Großansicht
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Giovanni Trapattoni: "Wir haben nur die Spieler, die wir haben!"

Hamburg - 73 Jahre ist Giovanni Trapattoni alt, doch am späten Freitagabend führte sich der Trainer der irischen Nationalmannschaft auf wie ein Jungspund. Bei der Pressekonferenz nach dem desaströsen 1:6 (0:2) in Dublin gegen Deutschland brachte Trapattoni seine Dolmetscherin beinahe zur Verzweiflung. Mit rotem Kopf sprang der Italiener zwischen den Sprachen hin und her und gestikulierte dabei so heftig, dass seine junge Helferin sogar in Deckung gehen musste. Der Auftritt hatte mitunter Züge der legendären "Flasche leer!"-Wutrede aus seiner Zeit als Bayern-Trainer.

Auch wenn Trapattoni Probleme damit hatte, seine italienischen Emotionen in den Griff zu bekommen, die Botschaft des Trainers war eindeutig: Er bleibt. "Ich war Trainer in vier Ländern und bin dort Meister geworden", sagte er, nachdem ein Journalist ihn gefragt hatte, ob er nicht langsam seine Position überdenken wolle. "Deutschland ist das zweitbeste Team der Welt! Diese Spieler spielen in der Champions League, sie spielen in der Premier League und in den besten deutschen Mannschaften. Männer dieser Qualität haben wir nicht. Wir haben nur die Spieler, die wir haben!", sagte Trapattoni.

Dennoch: Der Druck auf ihn wächst. "Eine Horror-Show! Halloween kam zu früh", schrieb die "Irish Times": "Die Gespenster, Geister und langbeinigen Monster der Deutschen bescherten den Fans die fürchterlichsten 90 Minuten, an die man sich in Irland erinnern kann."

Irlands Zeitungen schreiben vom "Alptraum" und der "Nacht der Schande"

Der "Irish Independent" berichtete von einem "Alptraum an der Lansdowne Road". Es sei eine "Nacht der Schande" gewesen: "Schon wieder gedemütigt! Irland kassiert die höchste Heimniederlage seiner Geschichte." Die Frage nach der Zukunft Trapattonis wurde überall gestellt. "Es ist 'Traps' letztes verzweifeltes Aufbäumen", hieß es in einem Zeitungskommentar.

Aber dieses Aufbäumen war heftig. Trapattoni kämpfte, warf seine Arme in die Luft. "Ja, ich bin stolz auf diese Mannschaft. Die Spieler haben eine starke Mentalität. Sie spielen mit hundert Prozent Hingabe." Davon war gegen Deutschland allerdings wenig zu sehen, vor allem in der zweiten Halbzeit brach das Team zusammen.

Trapattoni hatte vor Spielbeginn schon Unangenehmes über sich lesen müssen. Spätestens seit dem EM-Fiasko, als sein Team mit drei Niederlagen aus drei Spielen sang- und klanglos ausgeschieden war, steht er in der Kritik. Als ein Angebot der Blackburn Rovers aus England kolportiert wurde, schrieb der "Herald", die Hoffnung, den Italiener loszuwerden, sei "für eine Nanosekunde" zurückgekehrt. Da der Italiener dafür aber - ein weiterer Seitenhieb - "den Glanz Mailands" verlassen müsste, sei diese Hoffnung auch schon wieder dahin.

Das 1:6 hat Trapattonis Position weiter arg geschwächt. Er und sein Stab seien zu teuer, der Stil, den er seiner Mannschaft verordnet hat, sei veraltet, er selbst sei nicht zum dringend erforderlichen Umbruch bereit. Und das sind nur einige der vielen Kritikpunkte. "Wir haben eben nicht die Möglichkeiten für eine andere Art des Spiels", sagte Trapattoni am Freitag.

Die Mannschaft müsse nun einfach ihren "Geist" wiederfinden. "Wir bekommen eine Chance, dieses Spiel vergessen zu lassen", sagte der Trainer. Diese Chance bietet sich am Dienstagabend - auf den Färöern. Selbst vor diesem Gegner muss Irland zittern, und sollte es schiefgehen, wird auch Trapattoni nicht zu halten sein. Trotz aller Leidenschaft.

Irland - Deutschland 1:6 (0:2)
0:1 Reus (32.)
0:2 Reus (40.)
0:3 Özil (55. Foulelfmeter)
0:4 Klose (58.)
0:5 Kroos (61.)
0:6 Kroos (83.)
1:6 Keogh (90.+2)
Irland: Westwood - Coleman, O'Shea, O'Dea, Ward - McCarthy, Andrews, Fahey (ab 52. Long) - McGeady (ab 69. Keogh), Walters, Cox (ab 84. Brady) Deutschland: Neuer- Boateng, Mertesacker, Badstuber, Schmelzer - Khedira (ab 46. Kroos), Schweinsteiger - Müller, Özil, Reus (ab 66. Podolski) - Klose (ab 72. Schürrle)
Schiedsrichter: Rizzoli (Italien)
Zuschauer: 40.000
Gelbe Karten: O'Dea, Long - Reus, Badstuber

luk/sid/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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1. "Nacht der Schande"?
KnoKo 13.10.2012
Aber wir reden hier doch noch von Fußball, oder? Ich denke, Irland hat weitaus größere Böcke geschossen für die sie sich nun schämen müssten, als eine lächerliche Niederlage in einem unwichtigen Fußballspiel.
2. "Italienische Emotionen"
janeinistrichtig 13.10.2012
Die irische Nationalmannschaft ist allenfalls zweitklassig, verglichen mit den deutschen Ligen. Trap hat schlicht recht, wenn er, in seinem babylonischen Slang bemerkt, dass die Jungs nicht in der "CL" spielen. Das 1:6 war natürlich ein wenig viel an Einschlägen, insbesondere für die italienische Ausprägung eines "Die-Null-muss-stehen-Trainers". Warum - eigentlich, und verdammte Hacke dabei - hat Marco uns verlassen? Dessen zweites Tor war Zucker.
3.
totalmayhem 13.10.2012
Wer soll's denn richten? Rufe nach Mick McCarthy sind laecherlich. Seit dem Ruecktritt des Jahrhundertfussballers Roy Keane (an dem McCarthy massgeblich beteiligt war) vor 10 Jahren, ist der ist der irische Fussball auf dem absteigenden Ast. Und damals bestand fast die gesamte Natinalmannschaft aus Spielern die in der englischen Premier League ihre Broetchen verdienten. Heute trifft das lediglich auf John O'Shea (Sunderland) zu. Die Abgagenge von Damien Duff und Shay Given sowie der verletzungsbedingte Ausfall von Robby Keane haben ihr uebriges getan. Dass Trappatoni mit dieser Truppe ueberhaupt die EM-Qualikation geschafft hatte war schon ein mittleres Wunder. Wenn sich die FAI schon einen neuen Trainer zulegen will, dann sollen sie ueber Roy Keane nachdenken. Ncht gerade der Umgganglichsten einer, aber wer sagt, dass Nationaltrainer Gutmenschen sein muessen? Der Mann hat mit Sicherheit den noetigen Ehrgeiz und Sachverstand. Wichtiger aber ist die Jugendarbeit des Verbandes, die eigene Liga muss erheblich mehr gefoerdert werden. Oder, man geht wieder auf die Suche englischen Spielern, deren Grossmutter einen irischen Schaeferhund hatte... wie damals in den 80er Jahren als Jacky Charlton Trainer war. ;)
4. Na ja
bdxc 13.10.2012
"Nacht der Schande"? Bitte etwas tiefer hängen, Herr Trapattoni. Ich habe gestern ein Spiel gesehen, das mit einem absolut leistungsgerechten Ergebnis zu Ende ging. Und die irische Nationalmannschaft von 2012 ist nun einmal nicht das Team des FCB zu Ihren Münchener Trainerzeiten.
5. Irland wird der neue Fussballweltmeister
doytom 13.10.2012
Zitat von sysopDie Kritik an Giovanni Trapattoni war schon vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland heftig - nach der 1:6-Klatsche droht dem Italiener endgültig das Aus als irischer Nationaltrainer. Doch "Trap" will sein Amt behalten, trotz seines Alters zeigt er sich äußerst kampfeslustig. WM-Qualifikation: Trapattoni will trotz 1:6-Niederlage Irland-Trainer bleiben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-qualifikation-trapattoni-will-trotz-1-6-niederlage-irland-trainer-bleiben-a-861119.html)
Ihr werdet schon sehen, noch erleben das Irland Fussballweltmeister wird. Im Gegensatz zu den Fussballweltmächten Brazilien, Spanien und noch Deutschland erholt sich Irland schneller von seinen Niederlagen und lernt schneller dazu, Dies hat sich schon in der Geschichte wiedergespiegelt wo die Iren nach langen Unabhängigkeitskampf das British Empire in die Knie zwang und ein freies unabhängiges Irland schufen. Also seid auf der Hut ihr Löws, Ronaldos und Riberys vor dem Kampfgeist der irischen Fussballsoldaten des Schicksals (Amhrán na bhFiann)
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