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WM-Skandal: Wie Argentinien 1990 Brasilien lahm legte

Vor knapp 15 Jahren feierte Deutschland gegen Argentinien seinen letzten WM-Titel. Wie sich der Endspielgegner der DFB-Elf im Achtelfinale gegen Brasilien durchsetzte, wird demnächst die Fifa beschäftigen. Argentiniens Coach Carlos Bilardo gibt heute indirekt zu, dass dem Erzrivalen übel mitgespielt wurde.

Trainer Bilardo: Beruhigungsmittel für Branco
AP

Trainer Bilardo: Beruhigungsmittel für Branco

Hamburg - Eigentlich wusste jeder in Südamerika, dass im WM-Achtelfinale 1990 zwischen Brasilien und Argentinien (0:1) in Turin nicht alles mit rechten Dingen zugegangen war. Eduardo Galeano, Fußballpoet aus Uruguay, zum Beispiel schrieb 1995 über Bilardo: "Man sagt, als Bilardo noch spielte, habe er seine Rivalen mit einer Nadel gestochen und dann die reinste Unschuldsmiene aufgesetzt. Und als er dann technischer Direktor der argentinischen Nationalmannschaft war, ließ er es sich nicht nehmen, während eines der schwierigsten Spiele der Weltmeisterschaft 1990 eine Feldflasche voll verdünnter Brechmittel an Branco, einen durstigen brasilianischen Spieler, zu schicken."

Jetzt aber hat ein halbes Eingeständnis Bilardos in Brasilien einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Der 65-Jährige wollte in einem Interview mit der Zeitschrift "Veintetres" nicht abstreiten, dass die Brasilianer im Achtelfinale der WM-Endrunde 1990 von der argentinischen Bank eine Getränkeflasche mit einem Beruhigungsmittel erhalten hätten. "Ich sage nicht, dass dies nicht passiert ist", so Bilardo, der einen Doktortitel in Medizin besitzt.

Zwar tat Bilardo nach entrüsteten Anrufen die Aussage später als Missverständnis ab, aber auch so wird der brasilianische Verband CBF nun eine Klageschrift beim Weltverband Fifa einreichen. "Diese Leute, Bilardo und der Masseur Miguel Di Lorenzo, müssen von der Fifa exemplarisch bestraft werden. Es ist völlig unwichtig, dass alles schon 14 Jahre her ist", sagte der brasilianische Coach bei der WM 1990, Sebastiao Lazaroni. "Die Aussagen stammen von ihm, und deshalb muss er sich verantworten", erklärte Brasiliens Verbandspräsident Ricardo Teixeira, "die Schuldigen müssen bestraft werden, falls das stimmt."

So besiegte die DFB-Elf Argentinien: Andreas Brehme trifft per Foulelfmeter zum 1:0-Endstand
DPA

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Argentiniens Masseur Di Lorenzo hatte damals bei einer Behandlungspause für Diego Maradona dem brasilianischen Mittelfeldspieler Branco eine Trinkflasche gereicht. "Ich habe gesagt: Trink. Und er hat fast alles ausgetrunken. Danach war er wie benebelt und konnte kaum noch einen Ball richtig schießen", bestätigte Maradona den Vorfall bereits im Dezember in einem TV-Interview.

Branco hatte schon während der Begegnung über Schwindelgefühle geklagt und war auf der Rückfahrt im Spielerbus eingeschlafen. Der heutige Jugendcoach im braslianischen Verband erinnerte sich im Interview mit der Zeitung "O Globo": "Mit wurde sehr, sehr übel. Ich stand auf dem Rasen und sah das Stadion davonfliegen." Auch andere Akteure der Selecao sollen aus der Flasche getrunken haben. Nach einer über weite Strecken überlegen geführten Partie waren die Brasilianer neun Minuten vor Schluss durch ein Tor von Claudio Caniggia auf die Verliererstraße geraten.

WM-Achelfinale 1990: Brasilien - Argentinien 0:1
0:1 Caniggia (81.)
Brasilien: Taffarel - Mauro Galvao (84. (Renato) - Ricardo Gomes, Ricardo Rocha - Jorginho, Dunga, Alemao (84. Silas), Valdo, Branco - Muller, Careca
Argentinien: Goicoechea - Simon - Alfredo, Monzon Basualdo, Olarticoechea, Giusti, Troglio (62. Calderon), Burruchaga - Caniggia, Maradona
Zuschauer: 61.381

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