WM-Stadien in Brasilien Zwischen Prunk und Ruinen

Brasilien ist Fußballzauber, Leidenschaft und Spektakel. Doch nun gehen Hunderttausende auf die Straße, sie demonstrieren gegen Korruption und Verschwendung. Tatsächlich sind die WM-Arenen teilweise viel teurer geworden als geplant. Ein Überblick.

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Hamburg - Es ist ja nicht so, dass man in Brasilien keine Erfahrung mit der Ausrichtung von Großereignissen hätte. 2007 fanden in Rio de Janeiro die Panamerikanischen Spiele statt, mehr als 5000 Athleten nahmen an dem zweiwöchigen Event teil. Sportlich waren die Spiele ein großer Erfolg für den Gastgeber, der im Medaillenspiegel hinter den USA und Kuba auf Platz drei landete.

Nur finanziell lief es nicht ganz so gut. 414 Millionen Real (umgerechnet rund 142 Millionen Euro) hatte Brasilien vor dem gigantischen Sportfest als Kosten veranschlagt, tatsächlich hatten sich diese laut einer Schweizer Studie am Ende mit rund 3,7 Milliarden Real fast verzehnfacht.

Sechs Jahre ist das finanzielle Desaster jetzt her, aber die Funktionäre scheinen nichts daraus gelernt zu haben. Hunderttausende gehen in dem Land derzeit auf die Straßen, sie demonstrieren gegen die Korruption im brasilianischen Sport, gegen höhere Buspreise und überteuerte Stadien. Wieder geht es um offensichtliche Misswirtschaft, nur dass diesmal das größte Fußball-Ereignis des Planeten betroffen ist: die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr (und dessen Generalprobe, den Confed Cup 2013).

Das Fifa-Fußballfest, für das Brasilien ausgerechnet im Jahr der Panamerikanischen Spiele den Zuschlag bekam, wird in zwölf Städten ausgetragen, darunter Rio de Janeiro, die Hauptstadt Brasília und die Amazonas-Metropole Manaus. Vor allem am Beispiel des legendären Maracanã-Stadions in Rio entzündet sich Kritik. Für den Umbau der Arena waren ursprünglich 275 Millionen Euro veranschlagt, gekostet hat es schließlich mindestens 430 Millionen. Sieben Stadien werden völlig neu errichtet - und noch immer sind nicht alle von ihnen fertig.

Der Überblick zeigt die Kosten der zwölf WM-Stadien - und wie weit ihr Bau fortgeschritten ist.

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cmann 20.06.2013
1. Und Blatter leugnet jede Schuld!
Nach dem Motto. Ihr habt die WM gewollt und die Bedingungen der FIFA akzeptiert, jetzt seht zu wie ihr damit klar kommt. Wer die Verhältnisse vor Ort einigermaßen kennt, konnte sich in etwa vorstellen was sich in Brasilien abspielen würde. Korruption allerorten, Abzocke im großen Stil durch die Bauträger, Ausbeutung der Arbeiter auf den Baustellen! Und die FIFA geht das alles nichts an. Havelange nebst Schwiegersohn waren doch schon vorher ein warnendes Beispiel. Oder glaubt jemand wirklich ernsthaft bei der FIFA hätte vor Bekanntwerden den Verfehlungen von Havelange und Co (es ging um Millionenbeträge) niemand Bescheid gewußt??
mhwse 20.06.2013
2. billig
wenn man bedenkt, dass bei uns die GEZ 7 - 8 Milliarden + Werbeeinnahmen im Jahr nur für das senden der Bilder aus den diversen Stadien bekommt .. sieht man mal was man für das Geld alles bekommen kann .. soziale Ideen mal aussen vor gelassen.
mivanov3012 20.06.2013
3. Alles wie gehabt
Immer mehr Parallelen zu den Olympischen Spielen in Peking oder der Winter-Olympiade in Sotji 2014. Überall wird rücksichtlos gebaut, abgerissen , Einwohner verdrängt- aber natürlich alles zum Gute des einheimischen Volkes !
invictus1 20.06.2013
4.
WM hin oder her. Das ist irgendwie schon eine Geldverbrennung. Braucht man den so viele neue oder von Grund auf renovierte Stadien? Man sollte sie wie die EM in viele unterschiedliche Städte auslagern, die bereits die nötige Infrastruktur haben. Das ist doch nicht mehr tragbar, wenn selbst die Leute deswegen auf die Straße gehen!
thomweb 20.06.2013
5. Keine Geldverbrennung!
Ach was, das Geld wird nicht verbrannt - es wandert einfach nur in die Taschen anderer Leute! Ob das in die Taschen von Putins Freunden in der Nähe zu Georgien ist oder in die Taschen der Freunde des Blattner, des obersten Fußballers der Welt: Es ist nicht weg! Es dient nur dazu, Millionäre zu noch reicheren Millionären zu machen! Und toll ist auch, dass die deutschen Fußballfans das alles klasse finden. Da zahle ich auch gern das von mir erpresste Schutzgeld der GEZ, der einzigen Organisation, in der Stasi-Schlächter und abgehalfterte Polizeibeamte eine Zuflucht finden. Etliche Milliarden werden aus unseren Taschen in die von Blattner und diese ganzen Millionäre umgeleitet. Und wer sieht, wie die Fans von Blattner jedesmal den Kölner BHF und den Neumarkt zurichten, der zahlt das Schutzgeld an die Erpresser der GEZ noch mal so gern! Von den Milliarden für den Polizeischutz, den nicht die Vereine bezahlen, sondern wir dumme Stimmvieh, ganz zu schweigen.
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