WM-Vergabe 2006 DFB verschleierte Millionenzahlung

Die vom DFB beauftragten Ermittler haben keine Beweise für einen Stimmenkauf vor der WM-Vergabe 2006 gefunden. Fest stehe jedoch, dass der Verband versucht hat, eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro zu verschleiern.

DFB-Funktionäre Reinhard Grindel (l.), Reinhard Rauball
DPA

DFB-Funktionäre Reinhard Grindel (l.), Reinhard Rauball


Die Kanzlei Freshfields hat bei ihren Untersuchungen keine Beweise für einen Stimmenkauf der deutschen Bewerber vor der Vergabe der Fußball-WM 2006 gefunden. Aufgrund der lückenhaften Akten- und Informationslage könne ein Stimmenkauf vor der Vergabe aber auch nicht ausgeschlossen werden. Das teilten die vom DFB beauftragten Ermittler in Frankfurt mit (Verfolgen Sie die Pressekonferenz im Liveticker).

Der Weg der dubiosen 6,7 Millionen Euro bleibt höchst verdächtig. In jedem Fall habe der DFB versucht, den wahren Verwendungszweck der Millionenzahlung im Jahr 2005 an den Weltverband Fifa bewusst zu verschleiern.

"Wir haben keinen Beweis für einen Stimmenkauf gefunden, können diesen aber auch nicht ausschließen", steht in der Zusammenfassung der 361 Seiten, die Freshfields vorlegte. Zum Vorwurf der Verschleierung heißt es: "Nach dem Ergebnis unserer Untersuchung steht fest, dass die Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro im Jahr 2005 vom WM-Organisationskomitee bewusst falsch deklariert worden ist. Sie war als Betrag für die Fifa-Eröffnungsgala ausgewiesen, aber für Robert Louis-Dreyfus gedacht."

Der verstorbene Ex-Adidas-Chef Louis-Dreyfus hatte dem WM-OK den Untersuchungsergebnissen zufolge finanziell ausgeholfen und 2002 ein Darlehen in Höhe von zehn Millionen Schweizer Franken (mit Zinsen ca. 6,7 Millionen Euro) gewährt.

Wie Freshfields-Mitarbeiter Christian Duve sagte, hätten die damaligen WM-OK-Mitglieder Horst R. Schmidt und Theo Zwanziger ihren Plan im April 2005 umgesetzt, die Rückzahlung über eine fingierte Überweisung an ein Fifa-Konto vorzunehmen. Der Betrag wurde als Zuschuss für die geplante WM-Gala an den Weltverband deklariert.

Von dem Fifa-Konto, das namentlich auf den heutigen Interimsgeneralsekretär des Weltverbandes Markus Kattner lief, floss die Summe dann an ein Konto von Louis-Dreyfus weiter. Als die WM-Gala im Januar 2006 abgesagt wurde, habe es vom DFB keine Rückzahlungsforderung gegeben.

Der Bericht der Kanzlei Freshfields über den Skandal bei der WM-Vergabe 2006 wird den DFB eine Millionensumme kosten. "Wir rechen mit einem Betrag in kleiner siebenstelliger Höhe", sagte der designierte DFB-Präsident Reinhard Grindel. "Uns ist bewusst, dass das viel Geld ist. Aber wenn man sich dazu entscheidet, eine unabhängige Untersuchung durchzuführen, dann muss man sie auch durchziehen", äußerte der DFB-Schatzmeister: "Dabei geht es nicht nur um das Ansehen des DFB, sondern um unsere Mitglieder und um das Verhältnis zu unseren Sponsoren."

cte/dpa/sid



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
klogschieter 04.03.2016
1. Dreihunderteinundsechzig Seiten.
Für eine einzige Information, die bereits bekannt war, als Freshfields mit der Untersuchung begann. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Erbärmlich.
SeHerb 04.03.2016
2. Schwamm drüber!
Ich schreibe das jetzt, wo noch kein anderer Kommentar angezeigt wird, aber ich garantiere, dass unter den ersten fünf mindestens einer dabei ist, der fordert, dass der SPIEGEL die böse Berichterstattung über die Sommermärchenaffäre endlich sein lassen soll, weil ja alles halb so schlimm sei und wir uns doch über die grassierende Korruption im Fußball freuen sollten.
ptb29 04.03.2016
3. Na und?
Alle wollten die WM. Jetzt soll sich keiner zum Moralapostel erheben, nur weil er vor 10 Jahren nichts abgekriegt hat.
genugistgenug 04.03.2016
4. haben diese 'Experten'/Naivlinge etwa eine Quittung gesucht
auf der steht 'Meine Stimme für 1. Millionen verkauft .........'? Oder haben die erst mal die bewährten BND shredder vorgeschickt? Auf jeden Fall viel Aufwand und Kosten um so eine Lapalie aufzuklären - die jeder Buchhalter finden müsste. Übrigens, diese Woche kam in einer Doku, dass die Fifa den Bericht ihres eigenen Anwaltes unter Verschluss hält und der zu Schweigen verpflichtet ist.
mr-mucki 04.03.2016
5. Da ist etwas anderes gelaufen
Wie der Freshfields Bericht beweist, kann nichts nachgewiesen werden. Super! Der Spiegel hatte letztes Jahr die gleichen Informationen, hatte jedoch noch behauptet, Beweise zu haben, dass die WM 2006 gekauft wurde. Dieses kann sein, wobei es doch von den Zeitstraengen ein sehr komischer Kauf gewesen sein muss, muss aber auch nicht. Ich tippe (Spekulation) immer noch auf einen viel simpleren Sachverhalt. Steuerhinterziehung und Geldwaesche. Und noch etwas zum Spiegel und den Kronzeugen Theo Zwanziger. Wenn ich Freshfieldsbericht und die PK richtig verstanden habe, steht Zwanziger ganz oben auf der Liste der Verdaechtigen bzgl. der Zahlung der 6.7Mio. Wie kann der Spiegel also den Hauptverdaechtigen als Kronzeuge praesentieren? Das ist schon sehr duennes Eis, meines erachtens nach.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.