WM-Vergabe 2006 Schweizer Ermittler schalten sich ein

Was passierte mit den zehn Millionen Franken, die Ex-Adidas-Chef Louis-Dreyfus dem deutschen WM-Bewerbungskomitee zur Verfügung stellte? Die Schweizer Bundesanwaltschaft klärt nach SPIEGEL-Informationen nun die Kontobewegungen.

DFB-Zentrale: Schweizer Bundesanwälte sollen Frankfurter StA helfen
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DFB-Zentrale: Schweizer Bundesanwälte sollen Frankfurter StA helfen


In der Affäre um die womöglich gekaufte WM-Vergabe 2006 hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft die Kollegen der Schweizer Bundesanwaltschaft eingeschaltet. In der vergangenen Woche erhielten die Strafverfolger in Bern nach SPIEGEL-Informationen ein Rechtshilfeersuchen der Deutschen. Dabei geht es um die Frage, wann und wofür der bis zu seinem Tod in der Schweiz lebende Ex-Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus den deutschen WM-Werbern im Vorfeld des Turniers 10 Millionen Franken - umgerechnet 6,7 Millionen Euro - geliehen hatte. (Alle Informationen zur WM-Affäre finden Sie hier.)

Im Jahr 2004, so viel steht fest, forderte der Franzose das Darlehen zurück. Im Frühjahr 2005 leitete das deutsche Organisationskomitee die Summe unter falscher Flagge zunächst an die Fifa - getarnt als Beitrag der Deutschen zum Kulturprogramm des Weltverbands. Tatsächlich schickte die Fifa das Geld aber, wie vom deutschen Komitee gewünscht, umgehend an Louis-Dreyfus weiter, um den Kredit zu tilgen.

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Weil der Deutsche Fußball-Bund (DFB) diesen Transfer als Betriebsausgabe von der Steuer absetzte, ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall. Beschuldigte im Verfahren sind der zurückgetretene DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, sein Vorgänger Theo Zwanziger und der Ex-Generalsekretär des DFB, Horst R. Schmidt.

Im Rechtshilfeersuchen an die Schweiz richtet sich das Interesse der Deutschen sowohl auf die ursprüngliche Zahlung von Louis-Dreyfus als auch die Rückzahlung Jahre später. Die Frankfurter Ermittler sollen dabei ausdrücklich zwei Konten angegeben haben, deren Bewegungen die Schweizer Bundesanwälte für sie aufklären sollen. "Der Vorgang wird bei uns prioritär bearbeitet", teilte die Schweizer Behörde dazu dem SPIEGEL auf Anfrage mit.

fis



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