Von Christian Gödecke, Südtirol
In der Vitrine im "Seeleiten" hängt ein Bild, das die Mosers mit dem Weltmeisterpokal zeigt. Es ist eine Erinnerung "an diese Nacht in Rom", wie sie Moser nennt. Die andere Erinnerung ist eine Narbe am Bein. Nachdem die DFB-Elf den Titel gegen Argentinien gewonnen hatte, wurde im Hotel fünf Kilometer außerhalb Roms im engen Kreis gefeiert. Alkohol floss reichlich, plötzlich warf Pierre Littbarski den Pokal Richtung Moser. "Aber ich habe ihn nicht richtig gesehen, er fiel mir auf den Fuß." Fünf Kilogramm Gold - die Moser wenig später im Hallenbad versenkte und "dann im Anzug wieder hochtauchte".
Am Donnerstag hat er sich mit DFB-Schuhwart Manfred Drexler getroffen, der auch schon vor 20 Jahren dabei war. Andreas Köpke kam ebenfalls vorbei, heute Torwarttrainer der DFB-Elf, 1990 die Nummer drei im deutschen Team. Sie redeten viel über diese alten Zeiten, "und wir haben natürlich auch geguckt, ob hier Kinder rumlaufen, die uns ähnlich sehen", sagt Franz Moser. Er meint das im Scherz, aber Franz Moser sagt auch, dass sich Lothar Matthäus schon damals sehr für schöne Frauen interessiert habe. "Den Spielern hat es an nichts gefehlt."
Der Chef klingt in diesem Moment fast ein bisschen wehmütig.
Sein Hotel hat zwei Umbauten hinter sich, es ist jetzt ein riesiges Haus mit mediterranem Flair. Das "Seeleiten" hatte sich auch für dieses Jahr wieder als Quartier beworben, und es gab keine 40 Konkurrenten wie 1990, sondern nur einen. Die Bewerbung Südtirols bestand aus zwei Hotels, "Weinegg" und "Seeleiten", ein interner Wettstreit zwischen Brüdern, der jüngere gegen den älteren.
Die Bewerbung von Südtirol bestand aber vor allem aus dem Versprechen der Vergangenheit, "Italia Novanta", Weltmeister Deutschland dank der Vorbereitung in Südtirol. Dieses Gleichnis bemühte der DFB, und dieses Gleichnis bemüht heute auch Franz Moser: "Wäre Deutschland damals nicht Weltmeister geworden, wäre Joachim Löw heute nicht hier in Südtirol."
Wieder kommt der Moser zum Zug - dieses Mal aber der Bruder
Doch die Chancen standen für ganz Südtirol zunächst nicht gut. "Graz war im engeren Kreis, die Schweiz auch", erzählt der Hotelchef. Am Ende wurde es doch die nördlichste Provinz Italiens. "Das kleine Südtirol hatte es erneut geschafft, den großen DFB zu gewinnen." Franz Moser hatte seine Kontakte ein bisschen spielen lassen, aber es wurde nicht das "Seeleiten", sondern das "Weinegg". "Ich habe mich erst für Südtirol gefreut und dann für meinen Bruder. Er ist ja nicht nur mein Bruder, sondern auch mein Freund", sagt Franz Moser.
Letztlich hätten Löw und Bierhoff mit dem "Weinegg" die richtige Entscheidung getroffen, sagt Franz Moser. Die Sportanlagen in Kaltern sind schon 30 Jahre alt, die in Rungg beim "Weinegg" viel neuer. "Aber wir hätten es schaffen können, wenn man in Kaltern etwas mehr investiert hätte." Moser nennt die Kalterner "Herrgottskinder", die seien gemütlicher als die flinken Eppaner. Am Ende blieb die DFB-Vorbereitung ja trotzdem in der Familie.
Im November 2009 stand Franz Moser mit Oliver Bierhoff auf einem Balkon des Seeleiten und schaute auf den Kalterer See. Bierhoff war unschlüssig, aber wohl vor allem darüber, wie er Franz Moser später die Absage beibringen sollte.
"So, jetzt fahren wir nach Girlan ins 'Weinegg' zum Bruno Moser", sagte Bierhoff zu Franz Moser. "Kennst du den?"
"Das ist mein Bruder", sagte Moser. "Aber auch mein Freund."
Bierhoff war beruhigt. Und Franz Moser später auch nicht böse. Er hilft immer noch, wo er kann, und vielleicht schauen die Nationalspieler ja auch bald mal wieder bei ihm vorbei. Der DFB darf den Privatstrand des Seeleiten am Kalterer See benutzen.
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