DFB-Präsidentschaft Das sind die möglichen Niersbach-Nachfolger

Der Rücktritt von Präsident Wolfgang Niersbach stellt den DFB vor eine schwierige Aufgabe. Ein dauerhafter Nachfolger muss gefunden werden - vier Kandidaten stehen bereit.

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Der Präsident ist weg, nun beginnt die Suche nach seinem Nachfolger: Nach dem Rücktritt von DFB-Chef Wolfgang Niersbach muss der Deutsche Fußball-Bund klären, wer den Verband in Zukunft führen und den Prozess der Aufklärung weiter vorantreiben soll. Dabei stehen vier Namen im Raum.

Reinhard Rauball: Der DFB-Vizepräsident und Geschäftsführer der Deutschen Fußballliga hat satzungsgemäß gemeinsam mit Rainer Koch das Amt von Niersbach übernommen. Eine dauerhafte Lösung ist das jedoch nicht - Rauball erreicht im kommenden Jahr die Obergrenze von 70 Jahren und steht deshalb nur noch für eine überschaubare Zeit zur Verfügung.

Rauball war im DFB-Präsidium bislang vor allem für die Vertretung der Interessen des professionellen Fußballs zuständig. Seit 2004 ist der promovierte Jurist bereits zum dritten Mal Präsident des Bundesligisten Borussia Dortmund, der Verein entwickelte sich in dieser Zeit von einem von der Pleite bedrohten Klub zum Champions-League-Finalisten.

Rainer Koch: Der zweite DFB-Vize im Interims-Gespann. Der Richter am Oberlandesgericht München war im Verband bislang für die Interessen des deutschen Amateurfußballs zuständig, deshalb gelten er und DFL-Präsident Rauball als geeignetes Gespann, um alle Interessen zu vertreten. Die beiden waren in den vergangenen Tagen als Übergangsregierung bezeichnet worden, die den Verband umstrukturieren soll, um ihn schlanker und schneller zu machen.

Koch hat Erfahrung mit der Aufarbeitung von Skandalen: Er war von 1998 bis 2007 Präsident des DFB-Sportgerichts. In diesen Zeitraum fällt auch der Fall des Schiedsrichters Robert Hoyzer, der eine zentrale Rolle im Wettskandal gespielt hatte. Koch war bis 2010 auch für den Schiedsrichterbereich zuständig, hatte aber seinen Rücktritt von diesem Amt erklärt, weil ihm aus seiner Sicht im Fall um den Schiedsrichter-Sprecher Manfred Amerell Informationen vorenthalten worden waren.

Reinhard Grindel: Er wird von vielen Chefs der Landesverbände in Stellung gebracht und ist den mächtigen Vertretern der Amateurvereine wohlgesonnen. Im Deutschen Fußballbund ist Grindel seit 2013 als Schatzmeister tätig, ein wichtiges Amt. Ansonsten fehlt ihm jedoch der DFB-Stallgeruch. Auch Grindel ist Jurist, zudem Mitglied des Deutschen Bundestags, wo er Mitte Oktober eine Rede über das neue Antikorruptionsgesetz hielt.

Grindel gilt wegen seiner Mitgliedschaft im Bundestag jedoch auch mancherorts als personifizierter Interessenkonflikt. Für die CDU sitzt er nämlich im Sportausschuss - der sich zuletzt auch mit der dubiosen Zahlung von 6,7 Millionen Euro beschäftigte, die der SPIEGEL aufgedeckt hatte. Er musste also ausgerechnet über ein Thema debattieren, das den DFB betraf, wo Grindel zuständig ist für das Kassen- und Finanzwesen sowie die Kontrolle der Abrechungen und Ausgaben.

Oliver Bierhoff: Der Manager der Nationalmannschaft wurde in der Vergangenheit schon öfter als Niersbach-Nachfolger ins Spiel gebracht. Die Voraussetzungen dafür müssten allerdings zunächst von Rauball und Koch geschaffen werden: Sie müssten durchsetzen, dass der nächste Präsident hauptamtlich wirken dürfte - und damit auch ein Gehalt beziehen darf.

Bierhoff ist seit 2004 bei der Nationalmannschaft, seit 2007 sitzt er als Vertreter der Nationalmannschaft im DFB-Präsidium. Bierhoff soll bereits gefragt worden sein, ob er sich das Amt zutrauen würde. Als Nationalspieler hatte er im Finale der Europameisterschaft 1996 gegen Tschechien das Golden Goal zum 2:1-Sieg erzielt.

Video: Niersbach - "Absolut sauber und gewissenhaft gearbeitet"

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bka

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insgesamt 102 Beiträge
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Seite 1
claus.w.grunow 10.11.2015
1. Nachfolger
Gibt es denn noch welche mit einer reinen Weste? Sonst muß man wieder durch so eine furchtbare Phase der Aufregung.
frank57 10.11.2015
2. Also
erstens hat Bierhoff das Tor nicht geköpft...und zweitens würde dieser Sumpf mit ihm haargenauso weitergehen....
ackergold 10.11.2015
3.
Was ist diese harmlose Affäre um die angebliche WM-Bestechung eigentlich gegen das systematisch staatliche Massendoping in Russland, das die WADA gestern aufgedeckt hat? Nur zur Erinnerung: Russland droht der Ausschluss von den Olympischen Spielen, aber der Spiegel berichtet nicht mal darüber. Wer DFB-Präsident wird, ist völlig egal. Sie werden schon jemanden finden.
steggi 10.11.2015
4. Nicht ganz richtig ...
Oliver Bierhoff traf im EM-Finale zwar zum Ausgleich per Kopf, den Golden Goal Siegtreffer Schoß er jedoch mit dem Fuß ... nur so nebenbei :-)
officerex777 10.11.2015
5. Warten......
bis Ulli wieder raus ist. Der ist allemal kompetenter als die mafiösen Nadelstreifenträger des DFB.
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