Ex-Nationalspieler Wolfram Wuttke ist tot

Er galt als begnadeter Fußballer, aber auch als schlampiges Genie. Wolfram Wuttke war in den Achtzigern einer der besten Techniker der Bundesliga. Nun ist er im Alter von 53 Jahren gestorben.

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Hamburg - Der frühere Fußball-Nationalspieler Wolfram Wuttke ist tot. Dies bestätigte der Sohn des einstigen Bundesligaprofis der Deutschen Presse-Agentur. Wuttke hatte zuletzt in einer Klinik im westfälischen Lünen im Koma gelegen und starb dort am frühen Sonntagmorgen im Alter von 53 Jahren. Die Todesursache ist nach Angaben der "Bild"-Zeitung multiples Organversagen, ausgelöst durch eine Leberzirrhose.

"Der 1. FC Kaiserslautern trauert um Wolfram Wuttke, der in der Nacht in einem Krankenhaus in Lünen verstarb. Unsere Gedanken sind bei seinen Angehörigen und Freunden", schrieb der FCK auf seiner Facebook-Seite.

Der in Castrop-Rauxel geborene Wuttke wechselte in der Jugend zum FC Schalke 04, für den er im Oktober 1979 sein Bundesligadebüt feierte. Es folgten zwei Jahre bei Borussia Mönchengladbach (1980-1982) und eine erneute Saison auf Schalke.

1983 wechselte der offensive Mittelfeldspieler, der auch im Sturm spielte, dann zum Hamburger SV, der wenige Wochen zuvor den Europapokal der Landesmeister gewonnen hatte. Der damalige HSV-Manager Günter Netzer bezeichnete Wuttke als "eines der größten deutschen Fußballtalente aller Zeiten".

Wuttke machte Heynckes' Spitznamen "Osram" öffentlich

Bekannt wurde Wuttke aber nicht nur durch seine raffinierten Schüsse und Pässe mit dem Außenrist, sondern auch durch Streitigkeiten mit seinen Trainern. Jupp Heynckes, unter dem er in Mönchengladbach spielte, hatte Wuttke aufgrund von dessen Lebensweise ("Ein Bier vor einem Spiel war immer drin") auf dem Kieker. Der Spieler revanchierte sich, indem er einem Reporter steckte, wie der Coach innerhalb der Mannschaft hieß: "Osram", in Anlehnung an den Glühbirnenhersteller, weil der Trainer so schnell einen roten Kopf bekam. Mehrfach geriet Wuttke auch mit Hamburgs damaligen Trainer Ernst Happel aneinander, der ihn im September 1985 aus dem Team warf.

Anschließend spielte Wuttke fast vier Jahre für den 1. FC Kaiserslautern, wo er so gute Leistungen zeigte, dass ihn DFB-Teamchef Franz Beckenbauer zum Nationalspieler machte. Zwischen 1986 und 1988 kam Wuttke aber nur in vier Länderspielen zum Einsatz. Zu groß war die Konkurrenz im Mittelfeld mit Spielern wie Lothar Matthäus, Olaf Thon und Wolfgang Rolff. Allerdings gehörte er zur deutschen Olympiamannschaft, die bei den Spielen 1988 in Seoul die Bronzemedaille gewann.

Zeit in Kaiserslautern endete mit einem Rauswurf

Auch die Zeit in Kaiserslautern endete für Wuttke mit einem Rauswurf. Der Spieler hatte sich mit Trainer Gerd Roggensack zerstritten und wurde in der Saison 1989/1990 suspendiert. Beim Pokaltriumph 1990 gegen Werder Bremen gehörte er nicht mehr zum Kader.

In den Neunzigern spielte Wuttke noch zwei Jahre für Espanyol Barcelona und eine Saison für den 1. FC Saarbrücken. Er beendete seine Karriere 1993 im Alter von 31 Jahren wegen eines Schulterbruchs.

ham/dpa/sid



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insgesamt 29 Beiträge
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lorn order 01.03.2015
1. Wuttke und Schatzschneider
Nach dem Gewinn des Europapokals wurden Wolfram Wuttka und Dieter Schatzschneider vom HSV als Nachfolger des so erfolgreichen Sturmduos Horst Hrubesch und Lars Bastrup verpflichtet. Allgemein erwartete man, dass die beiden mindestens so erfolgreich würden wie ihre Vorgänger. Aber leider konnten Schatzschneider und vor allem Wolfram Wuttke nie die in sie gesetzten Erwartungen beim damals noch großen HSV erfüllen. Leider stand sich Wolfram Wuttke wohl selbst im Weg. Aus ihm hätte ein richtig Großer werden können.
mpitt 01.03.2015
2. Unvergeßlich
Wuttke ist eigentlich überall gefeuert worden. Als sich seine Zeit in Kaiserslautern dem Ende zuneigte, bekam er mit, daß ein Fernsehteam das Training filmen wollte. Da brachte er seinen kleinen Sohn mit. Den Kleinen auf den Schultern, sagte er in die laufende Kamera: "Ich wollte ihm nur mal zeigen, mit welchen Arschlöchern sein Vater hier arbeiten muß." In der Tat, er war ein schlampiges Genie.
retterdernation 01.03.2015
3. Respekt gebührt denen...
die gegangen sind. Fast jeder von uns hätte mehr aus seinem Leben machen können! Doch steht es denen, die unter uns sind zu - über die zu richten - die über uns stehen... kann mich an geniale Tore vom Wolfram Wuttke erinnern an einem besinnlichen Sonntag wie diesem...
mantrid 01.03.2015
4. R.I.P. Wolfram
Leider scheint er nie mit der Chance zurecht gekommen zu sein, die ihm das Leben gab. Ein begnadeter Fußballer mit vielen Möglichkeiten. Möge er seinen Frieden finden.
qantum 01.03.2015
5.
53 ist wirklich kein Alter...
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