Von Peter Ahrens
Der VfL Wolfsburg hat vor dem Nordderby bei Werder Bremen ein Trainingslager im niedersächsischen Barsinghausen bezogen. Die Spieler sollten einmal auf andere Gedanken kommen. Das war Felix Magaths Idee, der Coach hatte am Vorabend des Spiels sogar einen Kegelabend organisiert.
Im Spiel wirkten die Wolfsburger Verteidiger dann wie Kegel, die von der Werder-Offensive abgeräumt wurden.
Die 1:4-Pleite der Wolfsburger im Weserstadion war der neueste Tiefschlag in der an Tiefschlägen nicht armen Saison des VfL. Das Team hat jetzt aus 16 Spielen 17 Punkte geholt, im Pokal ist der Club in der ersten Runde beim Viertligisten RB Leipzig ausgeschieden. Auswärts in der Liga hat man sogar nur vier Zähler eingesammelt - nach dem ersten Spieltag, als Wolfsburg 3:0 in Köln gewann, war der VfL auf fremden Plätzen nur noch Punktelieferant. Das ist eine ernüchternde, man kann auch sagen armselige Bilanz. Gemessen an den Ansprüchen, die Verein, Trainer und der Großkonzern Volkswagen anlegen, sowieso.
Magath redet seine eigene Arbeit schlecht
Der Wolfsburger Trainer macht es seinen Kritikern derzeit überaus einfach. Magath-Bashing ist zu einer der leichtesten Übungen, fast schon zu Folklore geworden, der Trainer liefert bereitwillig die Vorlagen dazu. Der 58-Jährige hat nach dem Bremen-Spiel das gesagt, was er immer sagt: Dass der Kader nicht bundesligatauglich sei, dass man auswärts katastrophal auftrete, dass es Spieler beim VfL gebe, denen die Qualität abgehe. Selten hat ein Coach seine eigene Arbeit so konsequent schlechtgeredet. Seine mantrahaften Wiederholungen über das fehlende Niveau im Kader gehören mittlerweile zum allwöchentlichen Grundrauschen eines Bundesliga-Nachmittags. Ein Kader, den er zu großen Teilen selbst zusammengestellt hat.
Eigentlich ein Personal, mit dem man die Bundesliga aufmischen könnte. Eine Truppe von Routiniers, die sich dem Jugendwahn der Bundesliga verweigert und den jungen Kerls noch einmal zeigt, was ein erfahrener Bundesliga-Profi so auf dem Kasten hat. Angeführt von dem alten Kämpen Magath, der die Profis bei der Ehre packt und zu Höchstleistungen anstachelt. Vielleicht war es tatsächlich einmal so gedacht.
Ein Team ohne Struktur, ohne Leben
Aber nichts passt zusammen in dieser Mannschaft. Die verbliebenen Spieler aus dem Magath-Meisterjahr von 2009, Marcel Schäfer und Diego Benaglio, sind zu Ex-Leistungsträgern mutiert. Schäfer bot in Bremen eine erschreckend schwache Vorstellung. Wer in Erinnerung hat, wie dieser Schäfer noch vor drei Jahren die Außenlinie abgegrast hat, mag nicht glauben, dass dies noch derselbe Spieler sein soll.
Der VfL Wolfsburg 2011 ist ein Team ohne Struktur, ohne Gesicht, ohne Leben, zusammengestellt von einem Coach, der immer rastloser die wöchentlichen Aufstellungen ändert, der zuweilen fast desinteressiert wirkt. Was will dieser Trainer überhaupt? Diese Frage zu beantworten, fällt von Woche zu Woche schwerer. In Wolfsburg, wo an sich unternehmerische Vernunft herrschen sollte, weil der größte Autokonzern Europas die Geschicke des Vereins mitbestimmt, ist die Irrationalität längst Alltag geworden. Magath verpflichtete den alternden Abwehr-Rüpel Sotirios Kyrgiakos. Wenige Wochen später warf er ihn wieder aus dem Kader. Der Grieche sitzt seitdem auf der Tribüne. Dort, wo schon der frühere Nationalstürmer Patrick Helmes darauf wartet, den Verein endlich verlassen zu dürfen.
Kennt jemand noch den Namen Mateusz Klich? Weiß jemand, wo der Spieler Hrvoje Cale abgeblieben ist? Beide wurden von Magath im Sommer nach Wolfsburg geholt. Warum? Man weiß es nicht. Cale hat es immerhin auf 26 Bundesliga-Minuten geschafft.
Noch eine Partie, dann kommt die Winterpause. Und Magath darf endlich wieder das tun, was er am liebsten macht: Er kann neue Spieler kaufen, er kann alte abgeben. Die Angeln zu zwei Profis vom tschechischen Champions-League-Teilnehmer Viktoria Pilsen sind bereits ausgeworfen. Andere werden unter Garantie folgen. Kaufen ist bei Magath zum Selbstzweck geworden. Vielleicht ist ja einer dabei, der sich durchsetzt, der den großen Durchbruch schafft. Wenn nicht, ist es auch egal. Volkswagen bezahlt.
"Ich spüre und glaube, dass es vorwärts geht", hat Magath diese Woche gesagt. Nach dem Bremen-Spiel weiß man, dass es keinen Deut nach vorne gegangen ist. Der Trainer hat sein Team in der Vorwoche dazu verdonnert, an der Betriebsversammlung von Volkswagen teilzunehmen. Die Spieler wurden von den VW-Arbeitern ausgebuht.
Die Spieler des VfL Wolfsburg tragen in dieser Saison Trikots des Sponsors VW. "Up" ist darauf zu lesen. Es sollte besser "Down" heißen.
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