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Magath-Rauswurf: Einsamer Wolf am Ende

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Spielerkäufe und -verkäufe, Strafaktionen - und trotzdem landete Wolfsburg-Coach Felix Magath mit seinem Club nur auf Tabellenplatz 18. Nun muss der allmächtige Trainer-Manager gehen. Es ist der Offenbarungseid für das umstrittene System Magath.

DPA

Stürmer Patrick Helmes wird aussortiert und muss einsame Joggingrunden am Mittellandkanal drehen. Eine Schimpftirade gegen den bereits am Boden liegenden Abwehrspieler Simon Kjaer. Ein monatelanges Geschacher um Wechsel, Ausleihe und Rückkehr des eigensinnigen Spielmachers Diego. Spekulationen über eine "Entmachtung" durch den Hauptsponsor Volkswagen. Wasserentzug für die geschlauchten Profis beim Trainingslauf.

Felix Magath hat in den vergangenen Monaten viele Schlagzeilen produziert - und die wenigsten davon dokumentieren die erfolgreiche Arbeit des Trainers beim Bundesligisten VfL Wolfsburg. Wie auch? Erfolge hatte der Coach zuletzt kaum noch zu vermelden. Nun hat der VfL die Konsequenzen gezogen. Am Donnerstagmittag gab Wolfsburg die Trennung von Magath bekannt. Auch die Assistenten Bernd Hollerbach und Werner Leuthard verlassen den Club.

Magath haben Schlagzeilen dieser Art bei fast jedem seiner Clubs begleitet. Und längst nicht jede durfte den Anspruch für sich geltend machen, eine Aussagekraft über den 59-Jährigen, seinen Charakter oder seine Trainingsphilosophie zu besitzen. Zuletzt jedoch versank der VfL Wolfsburg förmlich in Negativmeldungen.

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Magath und die Wölfe: Trennung auf Platz 18
Das ist für einen Trainer besonders ungünstig, wenn der sportliche Erfolg schon lange fehlt. Magath ist sein sicheres Händchen abhandengekommen. Er hatte in seiner zweiten Amtszeit in Wolfsburg lange vom Titel 2009 zehren können. All die neuen Spieler, all die Verkäufe, das Aufstellen, Umstellen und oft auch Wegstellen von Profis, das hatte ja damals auch geklappt.

"Das System Magath funktioniert überall"

Seit Monaten klappt es nicht mehr. Das System Magath, es ist am Ende. Er selbst sagte der "Welt" im März 2011, kurz vor seinem Blitz-Wechsel von Schalke zurück nach Niedersachsen: "Das System Magath funktioniert überall". Nun muss er sich den Fakten beugen. Da ist der schlechteste Bundesligastart der Vereinsgeschichte, nur zwei geschossene Tore bei 15 Gegentreffern, nur fünf Punkte, Platz 18. Vor allem aber irren Spieltag für Spieltag elf Wolfsburger Profis über die Fußballplätze dieses Landes, die überdeutlich jedes Anzeichen eines Teams vermissen lassen.

Am Donnerstagmittag hieß es, großen Anteil an Magaths Rauswurf sollen mehrere Spieler des VfL haben, die sich in Gesprächen mit der Clubspitze gegen Magath aussprachen. Von sechs befragten Akteuren wollte angeblich nur noch einer mit dem Trainer weiterarbeiten. Francisco Garcia Sanz, Aufsichtsratsvorsitzender des VfL, dementierte später: "Wir sind zusammen mit dem Trainer zu dem Entschluss gekommen, dass wir an einem Punkt angelangt sind, an dem wir getrennte Wege gehen."

Und Magath selbst dankte auf Facebook seinen "Freunden". Auf seinem Account schrieb er: "Für Eure Begleitung und Unterstützung bin ich sehr dankbar. Dieser Austausch quer durch alle Altersschichten machte mir immer Spaß." Den Club verlässt ein Trainer, der selbst nach deutlichen Niederlagen noch süffisant grinsend vor den Fernsehkameras steht, Kritik an seiner Person aber kaum zulässt. Der dafür Spieler wie Naldo öffentlich anzählt. Der auf Kritik von Bayern-Präsident Uli Hoeneß ("Wenn die Spieler so wenig laufen, sind sie entweder vom Training kaputt oder spielen gegen den Trainer") nur sagt: "Das interessiert mich nicht."

Magath hatte während seiner ersten Zeit in Wolfsburg eine perfekte Balance aus klugen Einkäufen (Edin Dzeko, Grafite) und etablierten Kräften (Schäfer, Riether) gefunden. Seine Mannschaft demontierte im April 2009 den Titelverteidiger Bayern München 5:1, es ist bis heute ein legendäres Spiel. Zwischen der 63. und 77. Minute gelangen dem VfL vier Tore gegen den Rekordmeister, Magaths Ex-Arbeitgeber.

Seit Juli 2011 83 Spieler geholt oder verkauft

In Wolfsburg wurden seit Juli 2011 insgesamt 83 Spieler geholt, verkauft oder ausgeliehen, wie die "Sport Bild" errechnet hat. Kein anderer Verein weist eine derart hohe Fluktuation auf. Magath war Trainer und Manager in Personalunion, er war verantwortlich. Einst das Gesicht des Erfolgs steht er nun sinnbildlich für einen gescheiterten Ansatz: das scheinbar wahllose Ansammeln und Aussieben von Fußballern.

Beim 0:2 gegen den SC Freiburg am vergangenen Spieltag feierten die eigenen Fans erst höhnisch die Gegentreffer. Dann forderten sie lautstark Magaths Rauswurf. Es dürfte schwierig für Magath werden, in der Bundesliga einen neuen Job zu finden. Die eigenen Ansprüche sind hoch, und viele Vereine gibt es für den streitbaren Coach ja auch nicht mehr.

Magath hat den 1. FC Nürnberg 1998 zurück in die Bundesliga geführt (und verließ den Verein anschließend). Magath war ein halbes Jahr in Bremen (und ging wegen angeblicher Differenzen mit der Vereinsführung). Magath rettete Eintracht Frankfurt 1999/2000 vor dem Abstieg (und musste 2001 wieder gehen). Beim VfB Stuttgart gab Magath den Trainer, Manager und Teammanager. Er zog dreimal in den Europacup ein, wurde 2003 Vizemeister. Nach den Stationen München (Meister, Pokalsieger) und Wolfsburg führte er Schalke 2011 ins Champions-League-Viertelfinale.

Am Donnerstag war das Ende in Wolfsburg gekommen. Während eines Telefonats mit den "Wolfsburger Nachrichten" zu der Trennung sagte Magath nur: "Ich kann dazu nichts sagen. Machen Sie es gut!"

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1.
BlakesWort 25.10.2012
Die Spieler haben sich gegen Magath entschieden. Auch andere Trainer sind als harte Hunde bekannt, aber Magath hat es mit seiner Art einfach übertrieben. Wenn du als Spieler nicht weißt, ob du trotz Fitness und Leistungen spielst oder gar nach einer Saison wieder verkauft wirst, kannst du nicht mit dem Trainer warm werden. Magath selbst hat diesen Zusammenhang nie begriffen. Die Rückendeckung durch VW bei dieser Art der Führung war ein Fehler.
2. magath oder löw
ttvtt 25.10.2012
ich mag den magath mit seinen ein- und verkäufen nicht. aber ich könnte ihn mir besser als löw als n11-trainer vorstellen.
3.
owain123 25.10.2012
Zitat von sysopDPAWirre Spielerkäufe und -verkäufe, Strafaktionen gegen Profis - und dennoch landet Wolfsburg-Coach Felix Magath mit seinem Club auf Tabellenplatz 18. Nun muss der allmächtige Trainer-Manager gehen. Es ist der Offenbarungseid für das umstrittene System Magath. http://www.spiegel.de/sport/fussball/wolfsburg-magath-nach-entlassung-vor-ungewisser-zukunft-a-863382.html
Na, da kann sich Spiegel-Online freuen, macht ja Spiegel-Online seit einem Jahr Stimmung gegen Magath. Da wurde ihm ja sogar vorgeworfen, dass er für Psychische Probleme von Spielern verantwortlich ist, Spieler die nicht einmal bei Wolfsburg beschäftigt waren.
4. Autokrat Magath
fisch.kopp 25.10.2012
Wer es schafft, wie Magath, beim FCB zwei Meisterschaften und zwei Pokale zu holen, und dennoch Spieler und Vorstand gegen sich aufzubringen: Der muss besondere Qualitäten haben ... Und er scheint sich nnicht geändert zu haben, anderer Verein, ähnliche Probleme, allerdings nun auch ohne die erwarteten Erfolge. Wen überrascht die Entscheidung?
5. Einen Verein wüßte ich...
fellfrosh 25.10.2012
...würde doch prima derzeit nach Hoffenheim passen .)
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