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Wolfsburg-Manager Hoeneß: Der Geldvernichter

Von Jan Reschke

Seit Dieter Hoeneß beim VfL Wolfsburg ist, hat er zig Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben - mit dem Ergebnis, dass sein Club im Abstiegskampf steckt. Besonders der mit vielen Hoffnungen verpflichtete Spielmacher Diego entpuppt sich mehr und mehr als Flop. Die Fans sind sauer.

VfL Wolfsburg: Traurige Transferbilanz Fotos
Getty Images

Der Bund der Steuerzahler prangert in seinem Schwarzbuch jedes Jahr die schlimmsten Fälle von Steuergeldverschwendung an. Gäbe es in der Bundesliga eine Institution, die für das vergangene und dieses Jahr die schlimmsten Fälle von Geldverbrennung benennen müsste, der VfL Wolfsburg wäre ganz sicher darunter.

Manager Dieter Hoeneß hat seit seinem Dienstantritt im Januar 2010 mehr als 40 Millionen Euro für Spieler ausgegeben. Der Ertrag? Nach der 1:2-Niederlage beim SC Freiburg rutscht der Club immer tiefer in den Abstiegskampf, ist als 15. punktgleich mit dem 1. FC Kaiserslautern, der auf Relegationsplatz 16 steht.

Und geht es drunter und drüber. Gegen Hannover hatte Spielmacher Diego einen Elfmeter verschossen, obwohl eigentlich Stürmer Patrick Helmes als Schütze vorgesehen war. Trainer Steve McClaren wurde nach dem Spiel entlassen. Anschließend wurde Co-Trainer Pierre Littbarski als Übergangslösung präsentiert. Der suspendierte zunächst Diego für das Spiel beim Hamburger SV am vergangenen Spieltag und nun Alexander Madlung und Thomas Kahlenberg. Gut möglich, dass es bei einer Niederlage Littbarskis letzter Tag als Chef ist. Gerüchten zufolge soll Hoeneß im Falle einer weiteren Niederlage bis zum Saisonende auf Hans Meyer, mit dem er bereits in Berlin zusammengearbeitet hat, als Interimslösung setzen. Der Club dementiert das.

Transfers VfL Wolfsburg
Für Offensivmann Mario Mandzukic (24 Jahre alt) von Dinamo Zagreb
Kosten: geschätzte sieben Millionen Euro. Bilanz: Fünf Bundesliga-Spiele über 90 Minuten, null Tore, zwei Vorlagen.
Für Innenverteidiger Simon Kjær (21) vom US Palermo.
Kosten: geschätzte zwölf Millionen Euro. Bilanz: Er hat noch nicht bewiesen, warum er besser sein soll als ein Alexander Madlung, der meist auf der Bank sitzt, wenn er nicht gerade suspendiert ist.
Für Abwehrspieler Réver (26) von Gremio Porto Alegre
Kosten: rund fünf Millionen Euro. Bilanz: Ja, wer war das eigentlich? Der im Winter 2010 geholte Réver kam in keinem Spiel zum Einsatz und verließ den Club nach nur einem halben Jahr wieder. Wobei gesagt werden muss, dass der damalige Trainermanager Armin Veh den Wechsel initiiert, Hoeneß ihn aber auch nicht verhindert hatte.
Für Mittelfeldmann Diego (25) von Juventus Turin
Kosten: etwa 15 Millionen Euro. Bilanz: defensiv kaum eine Hilfe, schafft er es auch nicht, das Wolfsburger Angriffsspiel zu lenken. Seine Standards sorgen aber immer wieder für Gefahr vor dem gegnerischen Tor.
Für fünf neue Spieler im Winter
Patrick Helmes (26) von Bayer Leverkusen. Tuncay Sanli (29) von Stoke City. Jan Polák (29) vom RSC Anderlecht. Yohandry Orozco (19) vom Zulia FC. Ja-Cheol Koo (21) von Jeju United und Dieudonné Mbokani (25) vom AS Monaco. Kosten: rund 16 Millionen Euro. Dazu kamen vor der Saison Spieler wie Cicero (26) und der mittlerweile ausgeliehene Nassim Ben Khalifa (19).
Diego, McClaren, Abstiegsangst, Suspendierungen - doch die Probleme des VfL Wolfsburg liegen tiefer. Der Kader wurde schlecht zusammengestellt, die Qualität der Spieler überschätzt. Und so sagte nach der 0:3-Pleite gegen Borussia Dortmund am 20. Spieltag der damals noch verantwortliche Trainer McClaren: "Wir brauchen ein paar Spieler. Wir haben gesehen, dass der Kader weder groß noch gut genug ist." Da standen ihm mehr als 30 Spieler zur Verfügung. Hoeneß reagierte und holte am letzten Tag der Wintertransferperiode gleich fünf neue Leute. Der Manager in seinem Element: auf Shopping-Tour.

"Es war ein Fehler, dass man Zwetschge gehen ließ"

Besonders bemerkenswert sind dabei neben den Ablösesummen die Quote der Fehlgriffe und die Entscheidungen, wer den Club im Gegenzug verlassen darf. Der mittlerweile zu Manchester City gewechselte Torjäger Edin Dzeko sagte unlängst dem "Kicker": "Es war ein Fehler, dass man 'Zwetschge' gehen ließ. Meine Meinung ist, dass er hätte dableiben müssen." "Zwetschge", das ist Zvjezdan Misimovic, der zu Beginn der Saison an Galatasaray Istanbul abgegeben wurde. Und der in seiner letzten Spielzeit für Wolfsburg unter Trainer Armin Veh und dessen Nachfolger Lorenz-Günther Köstner auf beachtliche zehn Tore und 15 Vorlagen gekommen war. Der hätte gehalten werden können. Doch Hoeneß ließ ihn ziehen und arbeitete mit aller Macht an seinem Star-Transfer - Diego.

Der Brasilianer sollte die zentrale Position besetzen, es sollte der Königstransfer von Hoeneß werden. Diego, das sollte eine Verheißung für die Wolfsburger Zukunft sein, der Mann, der das gesamte Spiel der Wolfsburger prägt. Doch statt die Mannschaft zu führen, taucht der 25-Jährige in Spielen, in denen es nicht gut läuft, zu häufig ab. Wenn er in Ballbesitz ist, versucht sich der Mittelfeldmann zu oft mit Dribblings selbst zu inszenieren, anstatt den besser platzierten Mitspieler zu bedienen. Hinzu kommt die mangelhafte Defensivarbeit. Man hätte es wissen können: Schon bei Juve hatte Diego nicht ansatzweise das gezeigt, was sich die Verantwortlichen von ihm versprochen hatten. Er spielte nur wenig, und wenn doch, dann meist lange nicht so kreativ wie zu seinen besten Zeiten bei Werder Bremen. Doch auch dort hatte er schon in seiner letzten Saison 2008/2009 abgebaut.

"Kein Fortschritt zu erkennen"

Wenn man beim VfL Wolfsburg nach der Strategie hinter der Transferpolitik fragt, wird von einem "nachhaltigen Umbau des Kaders" gesprochen. Hoeneß selbst schweigt zum Thema Transfers und ließ eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE unbeantwortet. Stattdessen lässt er Pressesprecher Gerd Voss reden. "Wir haben diese Saison gebraucht, um festzustellen, dass die Probleme tiefer liegen", sagt Voss dann. Hoeneß kann bloß immer weiter darauf hoffen, dass Diego, Kjaer oder Mandzukic in Zukunft die Lösungen sein können.

Die Fans haben vom Wirken ihres Managers mittlerweile genug. Beim Spiel gegen den Hamburger SV forderten sie lautstark den Rauswurf von Hoeneß.

Dass immerhin die Bilanz in dieser Spielzeit noch leicht im Plus liegen dürfte, verdankt er seinem Vorgänger Felix Magath. Der hatte einst Stürmer Edin Dzeko für etwa vier Millionen Euro vom tschechischen Verein FK Teplice geholt, nun nahm der Club durch den Verkauf rund 34 Millionen Euro ein. Das Tafelsilber war damit allerdings weg.

Die Einzigen, vor denen sich Hoeneß für seine Transferpolitik rechtfertigen muss, sind die Wolfsburger Aufsichtsratsmitglieder. Und auch die sind unzufrieden. "Was das bisherige Ergebnis angeht, ist kein Fortschritt zu erkennen. Das muss man leider konstatieren", sagte der Aufsichtsratsvize und VW-Kommunikationschef Stephan Grühsem schon im November des vergangenen Jahres dem "Kicker". "Zwischen dem Potential, das im Team steckt, und der Qualität auf dem Platz klafft eine große Lücke." Mittlerweile will Grühsem nichts mehr sagen, er beantwortete eine entsprechende Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht.

Schon die Äußerungen im "Kicker" waren eine deutliche Warnung an Hoeneß. Dabei hatte sich der im Sommer doch so viel Zeit gelassen, um einen geeigneten Nachfolger für Lorenz-Günther Köstner zu finden, der die Mannschaft nach der Trennung von Veh übergangsweise betreut hatte. Am Ende entschied sich Hoeneß nach einigen Absagen für McClaren, den gescheiterten englischen Nationalcoach und gefeierten Meistermacher des FC Twente Enschede. Letztlich war er ein weiterer Fehlgriff von Hoeneß. Über ihn sagte der Manager damals: "Er hat eine klare Handschrift." Doch von dessen Handschrift war bis zu seiner Entlassung nichts zu sehen.

Wie auch? Schließlich schwingt ja Hoeneß den Stift.

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insgesamt 54 Beiträge
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1. wie bei Hertha.....
earlberlin 19.02.2011
Das ist ja nichts Neues. Her Hoeneß vernichtet Millionen und Schuld sind Andere, die dann auch die Konsequenzen tragen müssen. Ich halte diesen Mann für den unfähigsten Manager der Liga. Überall wo er war, hinterläßt er verbrannte Erde, siehe Stuttgart, Hertha BSC, Wolfsburg.........
2. Daß dieser Herr Hoeness
uh17 19.02.2011
nach dem Nachweis seiner Kompetenz in Berlin überhaupt nochmal einen solchen Job bekommt, daß ist ein Schlag ins Gesicht für jeden VW Mitarbeiter, der tagtäglich redlich seine Arbeit macht. Die Hertha glich einem ausgebombten Bahnhof, als Herr Hoeness endlich weitergezogen ist. Aber immer und überall schob und schiebt er seine Fresse vor die Kameras, labert rum und gibt den großen Manager, der den Durchblick hat. Nicht, daß ich es bedauern würde, wenn das Retortenprodukt VFL Wolfsburg von der Bildfläche verschwindet, ganz im Geneteil, aber was sich die VW Bonzen da mit dem Versager Dieter Hoeness erlauben, daß ist Verarscherei pur.
3. Hm ...!
kodu 19.02.2011
Zitat von sysopSeit Dieter Hoeneß*beim VfL Wolfsburg ist, hat*zig Millionen Euro*für neue Spieler*ausgegeben - mit dem Ergebnis, dass sein Club im Abstiegskampf steckt. Besonders der mit vielen Hoffnungen verpflichtete Spielmacher Diego entpuppt sich mehr und mehr als Flop.*Die Fans sind sauer. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,742911,00.html
DH, und das war auch sein Problem in Berlin, mischt sich zu sehr in die rein sportlichen Belange ein. Dabei entspricht seine Expertise auf diesem Gebiet kaum den Anforderungen. Ich würde ihm an dieser Stelle sogar nur "gefährliche Halbbildung" unterstellen. So werden Spieler und Trainer zu oft ohne Rücksicht darauf verpflichtet, ob sie das bestehende Mannschaftsgefüge taktisch und gruppenpsychologisch tatsächlich voranbringen können! Und ja, DH verbraucht immer sehr viel Geld, und sucht wohl auch deshalb die Nähe von Vereinen mit entsprechend finanzieller Potenz (UFA bei Hertha BSC, VW bei WOB...)im Hintergrund! Gemssen daran, sind seine Ergebnisse mangelhaft! Ich will es mal so sagen: Was hätte DH eigentlich bei einem Verein wie Energie Cottbus gemacht, der es mit bescheidensten Mitteln sogar immer wieder mal schafft, eine wettbewerbsfähige Erstliga-Mannschaft auf die Beine zu stellen, UND der SCHULDENFREI ist ...?
4. Man kann es drehen und wenden
flower power 19.02.2011
wie man möchte, doch ein guter Manager sieht anders aus und handelt auch anders. Er ist sich seiner Timpetu-Grösse bewusst und das ist sein Problem. Mit Hau Ruck geht heute schon gar nichts mehr. Wenn ich für Dzeko solchen Batzen Geld bekomme, dann kann ich froh sein, und muss es nicht für drittklassige Spieler wieder zum Fenster hinaus werfen. Friedrich , na ja, da kann man streiten, die WM war sein letztes Highlight, das war doch jedem klar. Aber er muss ihn ja haben. Jüngere Akteure, die besser sind, gab es massenweise auf dem Markt. Hoeness haut viel zu schnell um sich. Was sollte der engl. Trainer mit der Söldnertruppe reissen? McLaren konnte nicht mehr aus denen herausholen. Ein Diego war auch nur so günstig, da er den Zenith überschritten hat. Einen Martin gehen zu lassen war falsch.
5. Das ist nicht witzig!
Kalaschnikowa 19.02.2011
Zitat von sysopSeit Dieter Hoeneß*beim VfL Wolfsburg ist, hat*zig Millionen Euro*für neue Spieler*ausgegeben - mit dem Ergebnis, dass sein Club im Abstiegskampf steckt. Besonders der mit vielen Hoffnungen verpflichtete Spielmacher Diego entpuppt sich mehr und mehr als Flop.*Die Fans sind sauer. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,742911,00.html
Also, wer einen Dieter Hoeneß einstellt, der müsste wissen, dass dieser Mann Millionen verbratet, ohne jemals Erfolge vorzuweisen. So gesehen, habe ich NULL Mitleid mit dem VfL Wolfsburg. Das Blöde an der Sache ist nur, dass alle VW-Autokäufer diesen Wahnsinn mitfinanzieren - mit in D überdrehten Preisen! Und das ist nicht mehr witzig!
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