Wolfsburgs Frauentrainer Kellermann Erfolgreicher Quereinsteiger

Meisterschaft, Pokal und Champions League: Dieser Trainer hat in der vergangenen Saison alles gewonnen. Dank Ralf Kellermann ist die Frauenmannschaft des VfL Wolfsburg den Männern um Längen voraus. Bei der Wahl zum Welttrainer hat er prominente Konkurrenz.

Wolfsburg-Trainer Kellermann: Aus der Kreis- in die Bundesliga
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Wolfsburg-Trainer Kellermann: Aus der Kreis- in die Bundesliga

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Ralf Kellermann hat Erstaunliches geleistet in der abgelaufenen Saison. Unter seiner Leitung wurden die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg zum ersten Mal Meister, gewannen den DFB-Pokal und die Champions League. Auch dank Kellermann ist der VfL im Frauenfußball das, was der FC Bayern bei den Männern ist: Triple-Sieger, die aktuell beste Mannschaft des Kontinents.

Kellermann, 45 Jahre alt, hätte also jedes Recht, voller Selbstbewusstsein nach Zürich zu reisen, wo am Abend neben dem Weltfußballer und dem Welttrainer auch die Weltfußballerin und der Frauen-Trainer des Jahres gekürt werden. Doch der Übungsleiter des VfL verzichtet auf Eigen-PR. "Ich will das ganze mit meiner Frau ohne Erwartungen einfach nur genießen", sagt Kellermann. Er sieht sich selbst als Außenseiter gegen Schwedens Nationaltrainerin Pia Sundhage und Bundestrainerin Silvia Neid.

Sundhage hat als Spielerin in Schweden bis Mitte der Neunziger einen Titel nach dem anderen eingesammelt. Seit über 20 Jahren steht sie an der Seitenlinie, führte die Auswahl der USA zweimal zu Olympia-Gold und zur Vizeweltmeisterschaft. Auch Silvia Neid ist schon lange im Geschäft, führte die deutsche Mannschaft zu zwei WM- und zwei EM-Titeln, zuletzt im vergangenen Jahr. Kellermann dagegen ist "in der Welt noch nicht so bekannt", wie er gesteht.

Selbst in Deutschland ist seine Popularität überschaubar. Die bekanntesten Verantwortungsträger im Frauenfußball sind - neben DFB-Coach Neid - der Frankfurter Manager Siegfried Dietrich und Potsdams Trainer Bernd Schröder. Sie gehören zum Inventar des deutschen Frauenfußballs - und haben so ihre Probleme mit dem jungen Quereinsteiger Kellermann. Vor allem Schröder bemüht sich nicht, seine Abneigung gegen den Wolfsburger Trainer zu verstecken. "Ich bin kein Freund von Ralf Kellermann", sagt er. Kellermann selbst sagt, er sei eben ein anderer Trainertyp.

Seine Erfolge als Spieler sind überschaubar. Er war Torhüter, schaffte mit dem MSV Duisburg 1989 den Aufstieg in die zweite Liga, später stieg der Verein sogar in die Bundesliga auf. Kellermann konnte sich allerdings nicht durchsetzen und verließ den Verein 1993.

Kellermann verweist auf sein Konzept und auf langfristige Arbeit

Mit dem FSV Frankfurt schaffte Kellermann ebenfalls den Zweitliga-Aufstieg, war aber ebenfalls nur Ersatz. Danach tingelte er durch die ostwestfälische Provinz: Verl, Siegen, Paderborn, Lippstadt - das waren die Stationen, an denen Kellermann in den letzten Jahren seiner Spielerkarriere haltmachte. Sein erster Posten als Trainer war ebenfalls nur von mäßiger Attraktivität. Kellermann betreute die Herrenmannschaft des SV Brunsrode-Flechtorf.

Am 9. Mai 2008 überraschten die "Helmstedter Nachrichten" ihre Leser mit einer bemerkenswerten Meldung. "So schnell geht's: Kellermann wird Bundesliga-Trainer", schrieb die Zeitung. Für Kellermann bedeutete das Engagement als Chefcoach bei den Wolfsburger Frauen, wo er vorher schon im Scouting gearbeitet hatte, einen gewaltigen Karrieresprung. "Ich musste nicht lange überlegen", sagte er damals.

Seitdem entwickelten sich die Dinge kontinuierlich zum Gutem beim VfL. In seiner ersten Saison führte Kellermann das Team auf den achten Platz, danach wurde die Mannschaft Fünfter, vor zwei Jahren stand die Vizemeisterschaft, in der abgelaufenen Saison das Triple. Mit dem Dreifach-Triumph krönte der Trainer seine Arbeit in Wolfsburg.

Kellermann hat eine Mannschaft zusammengestellt, in der sich erfahrene Spielerinnen und Talente ergänzen. In den vergangenen Jahren verpflichtete der VfL mehrere Nationalspielerinnen wie Alexandra Popp und Viola Odebrecht. Kellermann bestreitet mit großer Hingabe, dass der Erfolg der Wolfsburger Frauen allein dem Geld von Volkswagen zu verdanken sei. Er verweist auf sein Konzept und auf langfristige Arbeit.

Möglicherweise liegt Kellermann mit dieser Deutung richtig. Denn die Männer des VfL haben es trotz der umfangreichen Zuwendungen von VW in den vergangenen Jahren nicht geschafft, dauerhaft erfolgreich zu sein. Nach dem Gewinn der Meisterschaft 2009 rutschte das Team ins Mittelfeld ab. Das einzige Konzept bestand darin, möglichst viele Spieler zu kaufen.

Unter Manager Klaus Allofs und Trainer Dieter Hecking haben die Wolfsburger Männer in dieser Saison erstmals wieder eine echte Perspektive. Auch sie versuchen jetzt, eine Balance zu finden zwischen teuren Spielern und Talenten. So wollen sie sich in der Bundesliga-Spitze etablieren.

Die Frauen sind da dank Kellermann schon ein paar Schritte weiter.



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
CaptainSubtext 13.01.2014
1.
---Zitat--- Möglicherweise liegt Kellermann mit dieser Deutung richtig. Denn die Männer des VfL haben es trotz der umfangreichen Zuwenden von VW in den vergangenen Jahren nicht geschafft, dauerhaft erfolgreich zu sein. ---Zitatende--- Im Frauenfußball gibt es ja auch keine ernsthafte finanzielle Konkurrenz zu einem Weltkonzern wie Volkswagen. Im Gegensatz zu den Männern kann man dort mit "Peanuts" Erfolge einfahren. Und die paar Kröten sollte VW auch vorsorglich investieren, um Sexismus-Vorwürfe im Keim zu ersticken.
janfedo 13.01.2014
2. Vergleich
Ständig wird gesagt, man darf den Frauenfussball nicht mit dem Männerfussball vergleich. Aber nur solange die Frauen schlechter da stehen. Sobald die Sachlage anders aussieht heisst es "Dank Ralf Kellermann ist die Frauenmannschaft des VfL Wolfsburg den Männern um Längen voraus".Mal auf die Idee zu kommen, daß die Leistungsdichte im Frauenfussball sowohl in Deutschland, als auch in Europa, bei weitem nicht so groß ist wie bei den Männern, darauf kommt keiner. Aber Hauptsache Äpfel mit Birnen vergleichen....übrigens ist die Bayern Männermannschaft der eigenen Frauenmannschaft um Längen voraus.
nine1011 13.01.2014
3. @ gehässige Kommentatoren
... NUR KEIN NEID!!!
mallekalle 13.01.2014
4. Ach nee
Ist der Hendrik ein Kumpel vom Ralf? Oder darf er in der Loge sitzen? Für Dünnes? Oder sind wieder VW-Werbewochen? Fragen über Fragen ! Das der tolle Herr Kellermann, den keiner kannte, über den mit Abstand grössten Etat verfügt, anderen Vereinen jede Spielerin wegkaufen kann , im Gehalt überbieten kann, das ist ja alles nicht so wichtig. Da werden andere langgediente Trainer, die den Frauenfussball erst mit aufgebaut haben, auf das Zitat reduziert, er könne ihn nicht leiden. Sauberer unreflektierter einseitiger Journalismus. Es geht hier nur ums Geld ! Und eine günstige Werbeplattform für VW. Und um Verzerrung des Wettbewerbes. Braucht niemand und bringt die gleichen Probleme wie im Herrenfussball. Nicht lustig!
widower+2 13.01.2014
5. Absolut richtig
Zitat von janfedoStändig wird gesagt, man darf den Frauenfussball nicht mit dem Männerfussball vergleich. Aber nur solange die Frauen schlechter da stehen. Sobald die Sachlage anders aussieht heisst es "Dank Ralf Kellermann ist die Frauenmannschaft des VfL Wolfsburg den Männern um Längen voraus".Mal auf die Idee zu kommen, daß die Leistungsdichte im Frauenfussball sowohl in Deutschland, als auch in Europa, bei weitem nicht so groß ist wie bei den Männern, darauf kommt keiner. Aber Hauptsache Äpfel mit Birnen vergleichen....übrigens ist die Bayern Männermannschaft der eigenen Frauenmannschaft um Längen voraus.
Trotzdem kann Herr Kellermann in Wolfsburg auch wirklich gute Arbeit geleistet haben. Das ist für mich schwer zu beurteilen. Dass die Männerrmannschaft der Bayern der eigenen Frauenmannschaft um Längen voraus ist, ist allerdings selbstverständlich. Schon gegen die männlichen A-Junioren eines niedersächsischen Kreisligisten hat die deutsche Frauen-Nationalmannschaft nicht den Hauch einer Chance.
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