Wolfsburg-Stürmer Helmes: Der ewige Comebacker

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Patrick Helmes wurde in Wolfsburg erst aussortiert, dann war er plötzlich bester Stürmer. Der 28-Jährige kennt solche Situationen bereits aus der Jugend. Das Magazin "11FREUNDE" erklärt, wie ihm sein Vater und Christoph Daum in schweren Zeiten halfen.

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dapd

Wolfsburg-Stürmer Helmes: In seiner Karriere mehrfach aussortiert

Lesen Sie im ersten Teil, wie der schon aussortierte Helmes in Wolfsburg zurückkehrte - und jetzt wieder gebremst wurde.

Patrick Helmes' Neustart in Wolfsburg war nicht der einzige seiner Karriere. In der Jugend schickte ihn der 1. FC Köln, sein Herzensverein, weg. Mit 17 Jahren wurde er bei den Sportfreunden Siegen in die zweite B-Jugend versetzt. "Da hatte ich den Spaß am Fußball verloren und wollte hinschmeißen. Das war eine identische Situation ", erinnert sich Helmes. "Meine Kumpels zockten auf der Wiese, ich war immer im Fahrdienst unterwegs zum Training. Ich hab gesagt: 'Mir reicht's, ich will auch mal mit den Jungs was unternehmen.' Ich hatte schon zu viel verpasst."

Seine Mutter reagierte verständnisvoll, doch seinem Vater konnte er seine Entscheidung nicht ins Gesicht sagen. Uwe Helmes war in den achtziger Jahren Profi beim MSV Duisburg und Fortuna Köln. Seit Patricks 13. Lebensjahr hatten die beiden die Nachmittage auf einem Bolzplatz in Alchen zugebracht. Ein Freund stellte sich ins Tor, dann hämmerten Helmes senior und junior stundenlang drauf. Mit rechts, mit links, selbst bei Schnee.

Er traute sich nicht, es dem Vater zu sagen. Also kritzelte er seine Entscheidung auf einen Zettel, legte ihn auf den Küchentisch und ging mit seinen Freunden raus. Als er wieder nach Hause kam, erwartete ihn der Vater. Uwe Helmes erzählt: "Ich habe ihm gesagt: 'Wenn du das macht, dann kannst du dir eine Wohnung suchen.' Ich hätte ihn natürlich nicht rausgeworfen, aber man musste ihn ja ein bisschen triezen."

Helmes trieb die Gegner zur Weißglut

Der Filius spielte weiter, in der zweiten B-Jugend, auf den Dörfern, auf Asche. Der Vater wartete nach den Spielen mit laufendem Motor. "Da bin ich teilweise ohne zu duschen nach Hause gefahren, weil die Gegenspieler nach dem Spiel total aggressiv waren", sagt Patrick Helmes. Er traf, wie er wollte, und trieb die überforderten Gegner zur Weißglut. Für ihn hieß es: Abpfiff, Dauerlauf, rein ins Auto, schnell weg.

Der Erfolg stellte sich ein: Erst in der B-, dann in der A-Jugend, 2005 schoss Helmes die Sportfreunde Siegen mit 21 Toren in die zweite Bundesliga. Der FC meldete sich wieder. Helmes schaffte dort den Sprung zum Profi. Im Januar 2007 wurde bekannt, dass er zur Saison 2008/2009 bei Bayer Leverkusen unterschrieben hatte. Bei den Kölner Anhängern war er fortan eine Persona non grata."Für ihn war das eine schlimme Zeit", sagt Vater Uwe. Als er den Sohn besuchte, sah er, dass an dessen Auto die Reifen aufgeschlitzt waren. Christoph Daum trainierte zu dieser Zeit wieder den FC, nachdem er jahrelang in Leverkusen aktiv gewesen war. "Ich habe viele Gespräche mit ihm geführt und von meinen Erfahrungen berichtet", sagt Daum.

"Patrick hat die Anlagen, die mich an Gerd Müller erinnern"

"Wichtig ist, dass man so einer Situation offensiv begegnet." Zur Saison 2007/2008 ernannte Daum ihn gar zum Kapitän, weil er "das Siegergen hatte". Helmes besänftigte mit seinen Leistungen die Kölner Fans. Er schoss den FC mit 17 Toren in die erste Liga, wurde als Zweitligastürmer in die Nationalelf berufen.

Siegen, Köln, Wolfsburg - Helmes machte einfach weiter, für einen wie ihn gehören diese Momente in die Kategorie "Berufsrisiko". Seine Unbedarftheit kann im Fußballgeschäft Vorteil und Nachteil zugleich sein, er kann ein Spiel entscheiden oder davon geschluckt werden. Früher habe er es ruhiger angehen lassen, wenn es gut lief, sagt er.

"Patrick hat die Anlagen, die mich an Gerd Müller erinnern", sagt Daum. "Er kann aus keiner Chance ein Tor machen und behält auch in Drucksituationen seine Stärken bei." Schlechte Phasen hakt er so schnell ab wie vergebene Torchancen. Deshalb wird er auch nach seinem zweiten Kreuzbandriss zurückkommen.

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